Journalist Andreas Englisch erzählt an der Uni Regensburg amüsante Anekdoten aus dem Vatikan
"Ich verfolge meinen Job mit Staunen"

Kultur
Regensburg
19.09.2015
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Warum spricht Papst Johannes Paul II. nicht gerne über Fußball? Hatte Papst Benedikt XVI. ein Handy? Und was ist eigentlich von der Familiensynode im Herbst zu erwarten? Diese und viele weitere Fragen beantwortet Vatikanjournalist und Autor Andreas Englisch an der Uni Regensburg. Ursprünglich sei er 1987 - damals 24 Jahre alt und Lokaljournalist in Hamburg - nur nach Rom gegangen, um Italienisch zu lernen. In seinen Job als Vatikankorrespondent sei er eher reingerutscht. "Ich hatte von Theologie und der Katholischen Kirche keine Ahnung", gesteht er.

Das ist heute anders. "Ich verfolge meinen Job mit Staunen und wundere mich jeden Tag, was der Papst so treibt." So habe ihm Johannes Paul II. erzählt, warum er ein schlechtes Verhältnis zum Fußball habe: Als Kind habe ihn sein älterer Bruder gefragt, ob er nicht mit zum Fußball kommen wolle. Der kleine Karol Józef Wojtyla, wie der frühere Papst mit bürgerlichem Namen hieß, sei mächtig stolz darauf gewesen, mit den Großen toben zu dürfen - zumindest bis zur Ankunft am Bolzplatz. "Du bist unser zweiter Pfosten", soll der große Bruder gesagt haben, denn das Tor war kurz vorher kaputtgegangen.

Eine weitere Erinnerung war ein Erlebnis seines Sohnes. Beim Besuch seiner Schulklasse im Apostolischen Palast, wollte dieser - zum Schrecken seines Vaters, der ihn mit einer intelligenten Frage instruiert hatte - von Präfekt Georg Gänswein wissen, ob der Papst denn ein Mobiltelefon habe. "Nein, er hat kein Handy, er benutzt immer meines", habe Gänswein dem Jungen geantwortet. Dennoch konnte der Journalist nicht alle Fragen beantworten. "Ich kann Ihnen nicht sagen, wie es ausgehen wird", sagt er über der Familiensynode im kommenden Herbst bei der es unter anderem um den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen gehen soll. Auf jeden Fall sei ein "Hauen und Stechen" zu erwarten: Auf der einen Seite die Hardliner, darunter Gerhard Kardinal Müller, der frühere Bischof von Regensburg. Auf der anderen Seite Revolutionär Papst Franziskus, von seinen Gegnern "Barmherzigkeits-Junkie" genannt.

Eigenartige Stimmung

Allgemein sei mit Franziskus eine "eigenartige, fröhliche Stimmung" in den Vatikan eingezogen. Englisch unterstreicht das mit einer neuen Anekdote: Papst Franziskus, der sich wie alle anderen auch am kalten Essensbuffet im Haus der Heiligen Martha, seiner Unterkunft, bedient. "Das hassen alle", so Englisch. Vor allem weil sich Franziskus anschließend zu den Kardinäle setze und frage, was sie denn im Vatikan den ganzen Tag so machen würden.
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