Konzertreihe auf dem Adlersberg
Mit „Herzblut“ für die Stimmwercktage

Vor kurzem wurde das Ensemble "Stimmwerck" (von links Marcus Schmidl, Gerhard Hölzle, Franz Vitzthum, Klaus Wenk) mit dem Kulturpreis des Bezirks Oberpfalz ausgezeichnet. Die Jury hebt "das musikalisch sehr hohe Niveau der vier Sänger" hervor, "und den Mut, auch immer wieder in Vergessenheit geratene Komponisten in die Gegenwart zu holen". Bild: Maria Davidoff
Kultur
Regensburg
28.07.2016
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Konnte man in den ersten Jahren sicher einen Sitzplatz zu bekommen, selbst wenn man eine Minute vor Beginn eines Konzertes durch die Kirchentür schlüpfte, gehört das seit Jahren der Vergangenheit an. Wer heute eines der Konzerte der Stimmwercktage besuchen will, tut gut daran rechtzeitig auf dem Adlersberg bei Regensburg zu sein.

Adlersberg. Was 2005 mit Vokalmusik des Komponisten Jakob Obrecht und einem handverlesenen Publikum begonnen hat, gehört heute fest zum Kulturkalender der Region. "Damals war das eine verrückte Sache, ziemlich abgefahren, dann ist es Kult geworden", erinnert sich Sänger Klaus Wenk. Das diesjährige, 12. Festival findet vom Freitag, 29., bis Sonntag, 31. Juli in der Dominikanerkirche von Adlersberg statt - dort wo jedes Jahr im Frühjahr der Starkbieranstich feuchtfröhlich gefeiert wird. Statt eines einzelnen Komponisten der Renaissance widmen sich die Stimmwercker heuer zwei sehr unterschiedlichen Tonsetzern. Zum einen singt das 2001 in München gegründete Ensemble bei den Stimmwercktagen Werke des franko-flämischen Meisters Cipriano de Rore (1516-1565). Dessen künstlerische Spuren lassen sich auch in Bayern nachweisen: Der kunstsinnige bayerische Herzog Albrecht V. (gestorben 1579) hat den Komponisten derart verehrt, dass er eine reich illuminierte Pracht-Handschrift mit ausgewählten Motetten des Meisters für seine eigenen privaten Andachten erstellen ließ.

"composer in residence"


Mit dem englischen Komponisten Ivan Moody (Jahrgang 1964) laden die vier Stimmwercker erstmals einen "composer in residence" auf die Anhöhe westlich der Domstadt ein. Dessen ungemein klangsinnliche Musik bildet einen spannenden Kontrapunkt zur Musik de Rores. Eine unerwartete Bereicherung und künstlerische Weitung für das Festival, das bisher fast ausschließlich alte Musik geboten hat. Moody reist mit dem Auftrag an, während des Festival-Wochenendes ein mehrteiliges Werk zu komponieren. Das soll in der Adlersberger Kirche seine Uraufführung erleben. Viele seiner bisherigen Werke wurden von bedeutenden Gruppen wie dem Hilliard-Ensemble, King Singers oder dem Estonian-Philharmonic-Chambe- Choir uraufgeführt.

Es gibt auch wieder ein umfangreiches, hochklassiges Rahmenprogramm. Dazu zählen hochkarätige Gastsänger, ein exzellentes Renaissance-Gamben-Consort aus Basel und eine musikwissenschaftliche Tagesakademie. Diese beschäftigt sich eingehend mit dem Werk Ciprianos. Vorträge und Workshops ergänzen die drei Konzerte der Stimmwercker, die auch diesmal wieder vom Bayerischen Rundfunk mitgeschnitten werden.

"Herzblut gewürdigt"


Vor wenigen Wochen hat das Ensemble den Kulturpreis des Bezirks Oberpfalz bekommen. Auf ihrer Webseite schreiben Klaus Wenk und Gerhard Hölzle (beide Tenor), Marcus Schmidl (Bass) und Countertenor Franz Vitzthum, ein gebürtiger Oberpfälzer aus Lennesrieth, dass damit "unser Herzblut gewürdigt wird".

ProgrammFreitag, 29. Juli (18.30 Uhr): Künstlergespräch mit Ivan Moody; 20 Uhr Eröffnungskonzert "Musica Dulci Sono".

Samstag, 30. Juli (ab 10.30): Musikwissenschaftliches Symposium; 18.30 Uhr Vortrag mit Dr. Veronika Giglberger (Bayerische Staatsbibliothek München); 20 Uhr Konzert "Concordes Adhibete Animos".

Sonntag, 31. Juli (15.30 Uhr): Vortrag mit Carolina Pini (LMU München); 17 Uhr Konzert "Vergine", Marienverehrung bei Cipriano de Rore und Ivan Moody ,anschließend Sitzweyl mit einer Auswahl weltlicher Werke von Meister Cipriano.

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Weitere Informationen:

www.stimmwerck.de
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