Kunst trifft Glamour bei Schlossfestspielen

Die Thurn-und-Taxis-Schlossfestspiele starteten mit Giacomo Puccinis Oper "La Bohème" im Innenhof des Fürstenschlosses St. Emmeram. Die Premiere am Freitagabend war zugleich ein Gesellschafts- und ein Kultur-Ereignis. Bild: Fütterer
Kultur
Regensburg
20.07.2015
15
0

Das einzigartige Ambiente im Schloss Emmeram allein ist schon einen Besuch wert. Dieses stilvolle Umfeld dann noch mit Oper oder Konzert zu kombinieren, macht die Schlossfestspiele zu einem glamourösen Gesamtkunstwerk. Deshalb sind die jährlich etwa 30 000 Besucher offenbar gern bereit, tiefer in den Geldbeutel zu greifen.

Bei der Premiere sucht (und findet) das Publikum Erfrischung an den unzähligen Bars und Lounges, die sich vor dem Schloss unter altem Baumbestand und auf sattgrünem Rasen gruppieren. Nicht nur die "Reichen und Schönen" aus Regensburg stoßen mit Champagner und Prosecco an; auch viele Menschen aus dem Oberpfälzer Umland genießen diese Verbindung von besonderer Atmosphäre und einem Schuss Kultur. Was dann wohl mehr geprickelt haben mag ...? Die annähernd 100 Medienleute - Kamerateams, Fotografen, Journalisten - kommen jedenfalls nicht wegen der häufig gespielten Puccini-Oper "La Bohème", die das slowenische Nationaltheater Ljubljana in Szene setzt.

Von Liebe, Leid und Tod

Die äußerst geschäftstüchtige Fürstin Gloria von Thurn & Taxis (in schlichtem, elegantem Weiß) gestaltet unter Blitzlichtgewitter mit ihrem Auftritt quasi die Vorpremiere: an ihrer Seite Sohn Albert, der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer (eigentlich ein Mozart-Liebhaber), der Leiter der bayerischen Staatskanzlei, Minister Marcel Huber und Europa-Ministerin Beate Merk.

Im Medien-Interesse stehen die Schauspielerin Monika Peitsch ("Das Erbe der Guldenburgs") und die umtriebige Moderatorin Uschi Dämmrich von Luttitz ("Uschis VIP-Gärten"). Mit in der ersten Reihe dürfen unter anderem sitzen Philipp Graf von und zu Lerchenfeld, Ex-Minister Wolfgang Heubisch und Regierungspräsident Axel Bartelt. Entspannung gönnt sich bei den Schlossfestspielen CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer; seine Frau Sabine ist eine gebürtige Regensburgerin.

"La Bohème", 1896 uraufgeführt, gilt als Giacomo Puccinis Meisterwerk. Die tragische Geschichte handelt von Leben, Liebe, Leid und Tod und dreht sich um die Hingabe des mittellosen Dichters Rudolfo an seine sterbenskranke Mimi. Vinko Möderndorfer orientiert sich bei der Inszenierung an der Originalfassung, deren erster Akt in Paris 1830 - am Nachmittag des Heiligen Abends - in einer ungeheizten Mansarde spielt.

Winterliche Szenen

Die in Mützen, Schals und Mäntel gehüllten Darsteller stehen bei den winterlichen Szenen in einem surrealen Kontrast zum Tropen-Abend mit Temperaturen über 30 Grad. Vor allem bei einer spätwinterlichen Szene im 3. Akt mit imaginärem Schneefall geht ein Raunen durch das verschwitzte Publikum. Die Bühnenausstattung (Marko Japelj) zeigt sich minimalistisch und stellt die hohe Kunst der Reduktion dar.

Das slowenische Nationaltheater belehrt mit seinem beachtlich hohen Niveau die Skeptiker eines Besseren. Bis in die Nebenrollen hinein erklingen Stimmen von außergewöhnlicher Güte. Vor allem beeindrucken Rudolfo (Branko Robinsak), Mimi (Martina Zadro) und die kokett-raffinierte Musetta (Miriam Tola): wunderbar nuanciert, voluminös, inniglich. Geradezu sensationell - besonders am Ende des 2. Akts - ist die Leistung des Chors. Keinerlei Wackler oder Unsicherheiten leistet sich auch das im Hintergrund souverän agierende Orchester. Die Musiker spielen wohltuend akzentuiert, ohne die Sänger zu dominieren.

Starker Schlussapplaus

Angesichts dieses Potenzials hätte mancher Opernfreund durchaus mehr Mut zur Innovation begrüßt. Die starke traditionelle Ausrichtung der Inszenierung engt die Dramaturgie ein, die ausgerechnet - im eigentlich bewegenden - 4. Akt zu gewissen Längen führt. Der starke Applaus am Ende unterstreicht das Gefallen auf den ausverkauften Rängen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juli 2015 (8666)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.