Lorbeeren für den Lohrbärverlag

Dieter Lohr hat allen Grund, stolz zu sein: Er erhält den Bayerischen Kleinverlagepreis und präsentiert sein Hörbuch "Sommersprossen". Bild: peg
Kultur
Regensburg
03.11.2016
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Neuerscheinung und eine bedeutende Auszeichnung: Hörbuchverleger Dieter Lohr vom Lohrbär-Verlag wird mit dem Kleinverlagepreis des Freistaats Bayern geehrt. Mit der Veröffentlichung des CD-Sets "Sommersprossen" würdigt er hingegen einen ganz besonderen Mann.

Will man im Bayerischen zum Ausdruck bringen, dass eine Sache mit einer anderen nichts, aber nun wirklich gar nichts zu tun habe, dann gibt es die wunderbare Formulierung: "Des san doch zwoa Boa Schuah!" Wenn der in Regensburg ansässige Hörbuchverleger Dieter Lohr am 23. November in München im Literaturhaus nun den mit 7 500 Euro dotierten Kleinverlagepreis des Freistaats Bayern überreicht bekommt, da wird er die Vorstellung seiner CD-Neuerscheinung "Sommersprossen" schon hinter sich haben, die für den kommenden Samstagabend bei der Büchermesse "RegensBUCH16" geplant ist.

Werbung und Lob


Aber: Auch wenn das zwei grundverschiedene Veranstaltungen sind - bei der einen wird Dieter Lohr vor allem aktiv als Werbetrommler gefordert sein, bei der anderen muss er sich passiv auf Lobpreisung einstellen - das eine ginge ohne dem anderen nicht. Und straft somit die Redensart Lügen: Denn gerade weil Dieter Lohr Jahr für Jahr in seinem Einmann-Betrieb Hörbücher von höchster Qualität produziert, erhält er nun diese Auszeichnung aus dem Spaenle-Ministerium zugesprochen.

Man braucht sich die "Sommersprossen" - eine 206 Minuten lange, auf drei CDs sich entfaltende Hommage an die Münchener Journalistenlegende Sigi Sommer (1914 bis 1993) nur anzuschauen, um schon über vieles Bescheid zu wissen. Auf dem Titelbild sind drei einzelne Schuhe zu sehen: Ein eleganter Herrenhalbschuh (mit dem man auch als Tänzer eine gute Figur abgibt), ein grober Soldatenstiefel und ein Leinenturnschuh - abgebildet vor dem Hintergrund von Kennzeichen des Münchens der 1950er und 1960er Jahre, des Isartors und der Maximilianstraße mit ihren Trambahnen.

Drei Kapitel eines Lebens


Womit es dem Regensburger Grafiker und Illustrator Tom Meilhammer mit leichter Hand gelingt, den großen Flaneur Sigi Sommer treffend zu zeichnen, ohne ihn selbst zu porträtieren. Denn drei Schuhe, das sind die drei großen Kapitel seines Lebens. Tänzer im Berlin der Goldenen Zwanziger, Soldat im Zweiten Weltkrieg. Und hinterher, ab 1946: Journalist in München, mit täglicher Kolumne, bald als "Blasius, der Spaziergänger" für die Abendzeitung ebenso unterwegs wie für die Süddeutsche.

Dieter Lohr hat von Anfang an eng mit Rüdiger Hacker zusammengearbeitet. Denn der in München lebende Schauspieler, Jahrgang 1941, hat sich ganz besonders dem Oeuvre des Sigi Sommer verschrieben. Nicht nur die berühmten Kolumnen hat er dabei mit in sein Programm aufgenommen, sondern auch die Lebenserinnerungen. Eines Abends war Dieter Lohr dabei, als Rüdiger Hacker im Metropoltheater in München seine Hommage darbot. Und dem Verleger war sofort klar: "Das muss ein Hörbuch werden und bei Lohrbär auf CD erscheinen!" Wer aber jetzt glaubt, zwischen Wunsch und Verwirklichung läge nur ein Fingerschnipp, hat sich ordentlich geschnitten. Denn: Allein, was die Rechtslage solcher Texte anbelangt, ist die Situation oft recht unübersichtlich - was sie auch in diesem Fall war.

Und, was sich Außenstehende kaum vorstellen können: Für die Produktion einer Minute, die später auf CD zu hören ist, investiert der Verleger, der in Personalunion auch den Aufnahmeleiter, den Regisseur, den Arrangeur und den Schnittmeister gibt, mindestens eine Stunde. Denkt nach, welche Geräusche hinzugefügt werden können. Ergänzt das Gelesene um Saxophontöne der Jazzerin Gaby Wahlbrink. Was sich also angesichts von 206 Minuten Dauer zu einer Herkulesaufgabe addiert.

Aber: Gerade deshalb lohnt es sich, sich an die Spuren des Sigi Sommer zu heften, seinen Kindheitserinnerung in der Zwischenkriegszeit zu lauschen, sodann Geschichten zu hören eines Kriegsteilnehmers, der sich so ganz und gar als Künstler und Zivilist fühlte. Und der als Kolumnist ein großer Wanderer war, einer, der Menschen und Herzen zu erobern wusste und stets neue Wörter erfand.

Persönliche Wirklichkeit


Als Soldat etwa, da hätte er - das Musterbild eines Münchener Mannsbildes - sein Haar auf "Grammophonnadellänge" kürzen sollen. Was für ihn nicht in Frage kam. Erwartungen von außen und seine höchstpersönliche Wirklichkeit, das waren für Sigi Sommer zwei Paar Schuhe. Mit solchen Beobachtungen fing er stets den Geist einer Zeit ein. Wie schön, dass man nun auf der Länge von drei CDs diesem Sigi Sommer wieder lauschen kann.

Eines war mir sofort klar. Das muss ein Hörbuch werden und bei Lohrbär auf CD erscheinen.Dieter Lohr, Verleger des Lohrbär-Verlages
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