Manfred Sillner ist für Überraschungen gut - das zeigt seine aktuelle Ausstellung im ...
Der Grafiker und das Aquarell

Manfred Sillner zeigt im Kunstkabinett in Regensburg Radierungen und Zeichnungen, aber auch Kupferplatten und Ätzpläne. Bild: Wolke
Kultur
Regensburg
23.11.2015
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Manfred Sillner ist bekannt für seine virtuosen Grafiken. Altmeisterlich und surrealistisch zugleich stellt er bevorzugt aus den Fugen geratene Stadtansichten von Regensburg oder Venedig dar, bevölkert mit phantastischen Gestalten. Die zart farbenen Aquarelle, die derzeit im Kunstkabinett in Regensburg hängen, scheinen so gar nicht zu passen ins Werk dieses populären Künstlers.

Radierung am Nagel

Dass die ungewöhnlichen Arbeiten Manfred Sillners derzeit Teil einer Ausstellung sind, hat seinen Grund: Der Künstler räumt aus. Altersbedingt hängt er die Radierung an den Nagel - und zwar genau 50 Jahre nachdem er erstmals seine Signatur unter eine solche gesetzt hat. "Ich habe mir gedacht, das passt", sagt Sillner ohne großes Aufheben. Zu anstrengend, zu wenig Platz in der neuen Wohnung: Die Gründe für Sillners Abschied von seinem großen Erfolgsmedium sind pragmatisch. Wehmut lässt der 78-Jährige nicht erkennen. Viel mehr Überraschung über die entsprechende Frage. "Warum denn?" - für Gefühlsduselei sieht Sillner keinen Grund. Zeichnen und Malen will er ja nach wie vor.

Mit der Radierung aber ist nun Schluss. Wozu dann noch das Werkzeug und die Hilfsmittel? Manfred Sillner braucht es nicht mehr. Deshalb hängt nun im Regensburger Kunstkabinett so allerlei, was man trotz zahlreicher Ausstellungen des Künstlers in der Galerie noch nie gesehen hat. "Ätzpläne, Kupferplatten, Radierungen, ein paar Zeichnungen und Raritäten, die beim Ausräumen aufgetaucht sind." So umschreibt die Galeristin Marianne Schönsteiner-Mehr die wesentlichen Elemente ihrer aktuellen Ausstellung. Das Besondere daran sind nicht nur die Kupferplatten, die zu erwerben sind. Ungewohnt bunt im Werk Manfred Sillners stechen die sogenannten Ätzpläne hervor. Die mit Aquarellfarbe kolorierten Skizzen dienten dem Künstler ursprünglich als Orientierungshilfe. Bis zu 18 Mal ätzte Sillner nämlich seine Platten. Die Farben der Skizzen zeigten ihm dabei an, welche Stelle wie oft unter die Radiernadel kam.

Auch klassische Bilder

Erstmals werden die Ätzpläne nun im Kunstkabinett gezeigt. Aber auch die klassischen Bilder Manfred Sillners fehlen nicht in der aktuellen Ausstellung. Unter anderem gibt es Radierungen, die lange Zeit als vergriffen galten. "Sehnsucht zu bleiben" lautet der Titel der Schau. Für Manfred Sillner markiert die Präsentation zwar einen Schlusspunkt hinsichtlich der Radierung. Für sein gesamtes Schaffen ist sie nur ein Meilenstein.

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Die Ausstellung "Manfred Sillner. Sehnsucht zu bleiben" läuft bis zum 23. Januar 2016 im Kunstkabinett, Untere Bachgasse 7 in Regensburg. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag von 11 bis 18 Uhr und Samstag von 10 bis 14 Uhr.

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Weitere Informationen im Internet:

www.kunstkabinett-regensburg.de
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