Namensstreit an der Uni Regensburg
Großes Theater ums Theater

Namenswirrwarr: Über dem Eingang zum Theatersaal an der Universität prangt die Aufschrift "Studententheater". Daneben wurde ein Plakat angebracht, auf der "Theater an der Uni" steht. Eine der 15 aktiven Theatergruppen lädt stets ins "Elly Maldaque Theater" ein. Bild: Hanna Gibbs
Kultur
Regensburg
16.06.2016
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Namenswirrwarr: Über dem Eingang zum Theatersaal an der Universität prangt die Aufschrift "Studententheater". Daneben wurde ein Plakat angebracht, auf der "Theater an der Uni" steht. Eine der 15 aktiven Theatergruppen lädt stets ins "Elly Maldaque Theater" ein. Bild: Hanna Gibbs

Es ist das drittgrößte Theater in Regensburg - und dennoch ist nicht ganz klar, wie es eigentlich heißt. Ein bereits länger schwelender Konflikt um den Namen des Theaters an der Universität Regensburg flammt gerade wieder auf.

Eine Theatergruppe bangt deshalbt um die Möglichkeit, in dem Saal aufzutreten. Über dem Eingang prangt die Aufschrift "Studententheater", auf ihrer Homepage spricht die Uni vom "Theater an der Universität". Das Studentenwerk Niederbayern-Oberpfalz, das das Theater unterstützt und fördert, verwendet die Bezeichnung "Theater an der Uni" - und besteht auch darauf, dass die Theatergruppen, die dort auftreten, diesen Begriff verwenden.

"Weil ein eindeutiger Name fehlt, wird das Haus in der Öffentlichkeit als eigenständige Einrichtung kaum wahrgenommen", kritisiert Kurt Raster von der studentischen Theatergruppe "ueTheater". Er kämpft seit Jahren dafür, den Theatersaal im Studentenhaus in "Elly Maldaque Theater" umzubenennen.

Wichtig wie nie


Die Erinnerung an die von Nationalsozialisten verfolgte Regensburger Volksschullehrerin sei heute angesichts von Parteien wie der AfD so wichtig wie nie, erklärt Raster im Gespräch mit unserer Zeitung. Er wünscht sich eine offene Diskussion unter den etwa 15 Theatergruppen, die den Saal nutzen, über eine Namensfindung.

Bereits 2007 überreichte er der Universitätsleitung sowie dem Studentenwerk 1000 Unterschriften für eine solche Umbenennung. Da nichts passierte, schritt Raster 2011 in einer "Kunstaktion" selbst zur Tat und überklebte die Aufschrift "Studententheater" mit einem selbstgebastelten Pappschild, auf dem "Elly Maldaque Theater" steht.

Bis heute bringt Raster das Schild an, wenn das "ueTheater" den Saal für seine Aufführungen nutzt. Insgesamt 16 Tage beansprucht die Gruppe den Theatersaal für üblicherweise zwei Aufführungen pro Jahr. Auch auf Plakaten lädt das "ueTheater" zu seinem Stücken in das "Elly Maldaque Theater" ein. Ende Mai flatterte Raster nun Post vom Studentenwerk Niederbayern-Oberpfalz ins Haus. Darin verweist das Studentenwerk auf die geänderten Förderrichtlinien. Demnach müssen Gruppen das Logo des Studentenwerks und das Logo des "Theaters an der Uni" auf allen Werbemitteln sowie in dem Programmheft einbinden. Weiter heißt es: "Bei weiterer Missachtung kann dem "ueTheater" das Theater an der Uni nicht mehr als Förderleistung zur Verfügung gestellt werden." Eine finanziell nicht geförderte Vermietung sei jederzeit möglich.

Nicht zuständig


Für Raster gleicht das einer Drohung mit einem Auftrittsverbot. Er bemängelt, dass das Studentenwerk ihm gegenüber erklärt habe, für die Benennung eines Gebäudes der Universität nicht zuständig zu sein, nun aber auf einen bestimmten Namen bestehe. Studentenwerk-Geschäftsführerin Gerlinde Frammelsberger war am Dienstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Uni-Sprecher Alexander Schlaak erklärte, die Universität stehe einer Umbenennung in "Elly Maldaque Theater" deswegen ablehnend gegenüber, weil es keinen direkten Bezug zwischen Maldaque und der Universität gibt.

Die Erinnerung im öffentlichen Raum werde seitens der Universitätsleitung keinesfalls in Frage gestellt, sie müsse aber an öffentlichen Straßen oder Plätzen stattfinden. Wer nun letztlich für die Namensgebung zuständig ist - Universität oder Studentenwerk - war am Dienstag nicht abschließend zu klären.

Weil ein eindeutiger Name fehlt, wird das Haus in der Öffentlichkeit als eigenständige Einrichtung kaum wahrgenommen.Kurt Raster, Theatergruppe "ueTheater"
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