Neue CD von Mathias Kellner
„Bayerisch ist Sinnlichkeit"

Die Fans wissen es schon lange: Ob live oder auf CD, bei Mathias Kellner darf man sich auf seine authentischen Songs ebenso freuen wie auf die urkomischen Geschichten dazwischen. Bild: Bunnemann
Kultur
Regensburg
26.10.2016
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Mathias Kellner, vor 32 Jahren in Straubing zur Welt gekommen und seit langem in Regensburg zu Hause, hat nie heftigen Wind um seine Person gemacht, dagegen ganz langsam, aber auch ganz zielstrebig seine Karriere als Künstler verfolgt.

Seit 2007 hat er mit seiner Band Kellner vier Studio-Alben und einen Live-Mitschnitt veröffentlicht, im März 2012 gab der gewichtige Zeitgenosse sein - überzeugendes - Debüt als Schauspieler in der bayerischen Komödie "Was weg is, is weg". Und im selben Jahr hat er sich eine Auszeit von der Gruppe genommen, um stoisch drei Platten im Alleingang aufzunehmen, die allesamt, wie er das früher mit der Band tat, nicht auf Englisch, sondern in tiefem Bayerisch eingesungen sind. Jüngstes beeindruckendes Beispiel dafür: "Kettnkarussell".

Material für eine Scheibe


"Ich hatte all die fünf Jahre, in denen ich englischsprachige Stücke für die Gruppe komponiert habe, immer mal wieder Zeit, auch Lieder nur für mich und in Mundart zu schreiben", reflektiert Kellner die Entwicklung seiner Solo-Karriere. "Und eines Tages hatte ich genügend Material zusammen, um damit eine ganze Scheibe zu füllen. Tja, das habe ich dann einfach gemacht. Und weil mir das so viel Freude bereitet hat und ich noch jede Menge Ideen für weitere Lieder hatte, die mir zu intim waren, als dass ich sie mit den Jungs von der Formation hätte aufnehmen können, schlug ich weiter den Solo-Weg ein."

Tatsächlich verrät Mathias Kellner eine Menge aus seiner Innenwelt, denn: "Zwar sind mir das Englische und das Bayerische gleichermaßen vertraut, doch in meiner Heimatsprache fallen mir ein paar Redewendungen und Ausdrücke ein, die viel mit meiner Vita zu tun haben und die es in keinem anderen Idiom dieser Welt gibt. Bayerisch ist Sinnlichkeit und Feeling pur! Davon zehren die Verse auf meinen Solo-Ausflügen, die sorgen für pure Authentizität", ist der Niederbayer überzeugt.

Die musikalischen Idole sind allerdings die Gleichen geblieben wie seit Kellners Jugend: Neil Young, Johnny Cash, Bob Dylan, Tom Waits. "Wenn ich ein bisschen besser wäre", feixt der wuchtige Mann, "würde ich glatt etwa als "der bayerische Bob" durchgehen. Aber na ja, so ein bisschen in den Fußstapfen meiner Helden stecke ich hoffentlich doch. Ich würde gerne in diese reinwachsen. Die richtige Schuhgröße dafür habe ich jedenfalls", lacht er schallend.

Zwar sind mir das Englische und das Bayerische gleichermaßen vertraut, doch in meiner Heimatsprache fallen mir ein paar Redewendungen und Ausdrücke ein, die viel mit meiner Vita zu tun haben und die es in keinem anderen Idiom dieser Welt gibt.Mathias Kellner

Noch intimer


Textlich gibt sich Kellner auf "Kettnkarussell" noch eindringlicher, noch intimer als zuvor. Bei anderen Titeln hingegen bezieht er auch politisch und gesellschaftlich eindeutig Stellung, etwa zur Flüchtlingsthematik, zur Selbstgefälligkeit so mancher etablierter Politiker, zum Eitelkeits-Wahn nicht unbeträchtlicher Teile der jungen Generation. "Das liegt daran, dass ich Papa eines dreijährigen Sohns bin", vermutet Kellner, "jener Umstand schärft die Sinne dafür, was bei unserem Nachwuchs abgeht. Was mir beim Texten zur aktuellen Platte aufgefallen ist: Ich bin beim Schreiben erstmal positiv ans Thema rangegangen. Um dann festzustellen, dass sich immer wieder pessimistische Gedanken eingeschlichen haben. Die ließ ich nicht immer zu. Doch manchmal waren sie unerlässlich für die Dramaturgie. Ich bin ein realistischer Optimist. Und ich mag sanften Anarchismus. Dafür sind wir Bayern berühmt-berüchtigt. In dieser Tradition stehe ich gerne."

Am Donnerstag, 10. November (20 Uhr), spielt Kellner im VAZ in Burglengenfeld.

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0 und www.nt-ticket.de

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