Neue Produktion von Stephan Thoss und Yuki Mori beeindruckt am Theater Regensburg
Tanz in die Welt der Träume

Yosuke Kusano und Simone Elliott in der Choreographie "Gefangen im Traum" von Stephan Thoss. Bild: Bettina Stoess
Kultur
Regensburg
26.02.2015
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Wenn der junge Regensburger Tanzchef Yuki Mori einen Abend mit seinem früheren Mentor Stephan Thoss produziert, darf man große Tanzkunst erwarten. Das zeigten die beiden bereits im November 2012. Wer nun am Theater am Bismarckplatz eine ähnlich amüsante Darbietung erwartete, war am Ende überrascht. Damals präsentierte sich Thoss mit einer handwerklich genialen, äußerst kreativen und unglaublich amüsanten, weil köstlich überdrehten Tanz-Persiflage auf das etwas verstaubte Pathos mancher Oper. Yuki Mori widmete sich damals unter dem Motto "Zeit und Raum" in zwei Choreographien dem Realitätsbezug und dem Atombombenabwurf auf Hiroshima.

Ernst und abstrakt

Wer nun von Stephan Thoss eine ebenso amüsante Choreographie wie im Herbst 2012 erwartete, der war allerdings auf dem Holzweg. Denn unter dem Titel "Gefangen im Traum - Bernarda Alba" präsentieren nun sowohl Mori als auch Thoss ernste Themen, die stark ins Tiefenpsychologische und Abstrakte gehen. Der Abend beginnt mit der Choreographie "Gefangen im Traum", in welcher Stephan Thoss die Schwierigkeit, Ruhe in unserer rastlosen Gesellschaft zu finden, thematisiert.

Insgesamt ist dieses für diesen Abend hauptsächlich zu Streichquartetten von Bryce Dessner neu geschaffene Ausdruckstanz-Werk sowohl im Pas de deux als auch im Ensemble-Tanz von kreativen Einfällen durchzogen. Manchmal muss man bei den Tanzfiguren ins Detail schauen, um die Genialität zu erkennen. Da beeindruckt beispielsweise ein kurzes Durchschieben eines männlichen Oberkörpers unter eine Tänzerin, die gerade die Figur einer Brücke macht oder da faszinieren die sich fließend ändernden Formationen vom Solotanz bis hin zu Bewegungen der gesamten Compagnie.

Hervorragend setzt ein Streichquartett aus Solisten des Philharmonischen Orchesters Dessners stark an die "Minimal Music" von Steve Reich oder Philipp Glas erinnernde, variierende Motorik um, die unter anderem im schwer zu nehmenden Zehnachteltakt daherkommt.

Nach der Pause erlebt man Yuki Moris Choreographie zur Musik von Philip Glas, der als einer der Hauptvertreter der "Minimal Music" gilt. Sein Violinkonzert Nr. 1 interpretieren am Premierenabend Solist Sándor Galgóczi und das Philharmonische Orchester Regensburg unter der Leitung von Tom Woods sehr packend. Deshalb hat man fast die Qual der Wahl, ob man nun einen längeren Blick in den Orchestergraben werfen, oder die Augen auf die Bühne gerichtet lassen soll.

Flucht in die Träume

Auf der Bühne läuft dazu die Uraufführung von Yuki Moris Choreographie "Bernarda Alba", die an Federico García Lorcas Tragödie "Bernarda Albas Haus" angelehnt ist. Darin nimmt die Witwe Bernarda Alba ihren fünf Töchtern jeglichen Raum zur Selbstentfaltung und diese flüchten sich dann nicht selten in ihre Träume. Geschickt spielt Mori hier mit den Geschlechter-Rollen und weicht diese auch abstrakt auf. Die Bewegungsabläufe im Ausdrucks- und Bodentanz sowie die Tanzfiguren selbst hat Mori mit kreativem Einfallsreichtum geschaffen.

Ein großes Kompliment verdient die gesamte Compagnie für die ausdrucksstarke Umsetzung der Choreographien. Die Bühnenbildnerin Dorit Lievenbrück und die Kostümbildnerin Jelena Miletic komplettieren den positiven Gesamteindruck dieser Produktion, die bei ihrer Uraufführung großen Beifall erntet.
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