Neuer Kunstverein Regensburg zeigt Arbeiten von Lawrence Power, Fritz Räcke und Stefan Vogel
Fliesen, Himmel und Raum für Kunst

Fritz Räcke, Lawrence Power und Stefan Vogel (von links) stellen derzeit im Neuen Kunstverein Regensburg aus. Bild: Wolke
Kultur
Regensburg
04.11.2016
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"Das passiert ständig." Stefan Vogel bückt sich und kippt den Ventilator wieder um. Schon dreimal allein an diesem Abend hat irgendein gutmeinender Besucher das Gerät aufgestellt. Wegschauen ist also doch nicht immer die Art der Deutschen. Vor allem nicht, wenn es um vermeintliche Unordnung geht. Dass der Ventilator ganz bewusst liegend seine Bewegungen machen soll, konnte dem Publikum noch nicht hinreichend vermittelt werden.

Doch es gibt auch Ausnahmen. Eine ältere Frau war von Stefan Vogels bewusstem Durcheinander derart bewegt, dass ihr die Tränen kamen. Die Installation des Künstlers erinnerte die Dame an das zerbombte Berlin ihrer jungen Jahre. Stefan Vogel ist über eine solche Wirkung seiner Kunst selbst positiv überrascht.

Stück Großstadtflair


Assoziationen zwischen einem Raum der Gegenwart und einem Trümmerhaufen: Nicht jedes Haus würde diesen Vergleich als schmeichelhaft empfinden. Beim Neuen Kunstverein in Regensburg allerdings gelten andere Regeln. "Fliesen, Filz und Himmel" lautet dort der Titel der aktuellen Schau. Mit Werken von Stefan Vogel, Lawrence Power und Fritz Räcke bietet der Neue Kunstverein dem Publikum dabei ein Stück Großstadtflair.

Die drei Künstler leben in Hamburg und Berlin und waren auch schon in New York, Basel und Rom vertreten. Klar, dass es sich bei den angekündigten Filz- und Fliesenarbeiten nicht um kunstgewerbliche Produkte handelt. Für ihren Auftritt in Regensburg haben die drei Gäste den Neuen Kunstverein erst einmal umgebaut. Schließlich geht es den Künstlern, von denen zwar jeder für sich arbeitet, die sich aber durch die Grundidee der künstlerischen Konversation verbunden fühlen, um eine Art Zwiesprache zwischen Werk und Raum. Wände wurden also gestrichen, verlängert und überzogen, bevor die Arbeiten von Vogel, Power und Räcke Einzug halten konnten. In einem bis ins kleinste Detail durchdachten Konstrukt hängen, stehen und liegen die Werke nun im Neuen Kunstverein: Gleich zu Beginn die noch am ehesten der gegenständlichen Malerei verpflichteten Acrylbilder Fritz Räckes.

Lebewesen im Raum


Dem Berliner Künstler, der tagtäglich mit Menschen in der U-Bahn und in verschiedensten Gebäuden konfrontiert wird und zudem eine Dauerkarte für den Zoo besitzt, geht es vor allem um eines: Das Lebewesen im Raum. Ob Mensch, Tier, Büro oder Käfig ist dabei gar nicht so genau ausgeführt. Zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion sieht sich Lawrence Power, dessen Arbeiten gleich gegenüber hängen. Von der strikten Abgrenzung zwischen den beiden Kunststilen hält der gebürtige Kanadier sowieso nicht viel. Wichtiger ist ihm die Beschaffenheit des Raumes. Fast ebenso viel Augenmerk wie auf seine Collagen hat der Künstler daher auf die eigene Gestaltung der Wände des Neuen Kunstvereins gerichtet. Die lappen nun über den Boden und sind mit Leisten vernagelt.

Auch Stefan Vogel bindet den Hintergrund mit Vorliebe ein in sein Werk. Herausgebrochene Mauersteine und Papierseiten bilden das Ambiente seiner Arbeiten, die neben dem umgekippten Ventilator auch ein stattliches Gewirr von Kabeln, einen Kühlschrank und aufgeklebte Kopfhaare umfassen. Der gedankliche Ansatz von Vogels Arbeiten ist philosophisch. An der Vermittlung arbeitet der Künstler noch. Und sei es nur, indem er den aufgestellten Ventilator zum wiederholten Male wieder auf den Boden legt.

ÖffnungszeitenDie Ausstellung "Fliesen, Filz und Himmel" läuft noch bis zum 27. November im Neuen Kunstverein (Schwanenplatz 4 in Regensburg). Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag von 16 bis 19 Uhr, Samstag von 12 bis 15 Uhr. (wsu)
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