Ohne Ton, dafür mit Tone

Das Alter der in der "Großen Ostbayerischen" vertretenen Künstler reicht von 25 bis 90. Rayk Amelang gehört zur jüngeren Generation.
Kultur
Regensburg
07.07.2015
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Das künstlerische Schaffen der Region ist vielseitig. Die "Große Ostbayerische Kunstausstellung" im Leeren Beutel in Regensburg liefert dafür erneut den Beweis.

"Ohne Ton." Der Titel des Bildes von Julia Knorr klingt für manch einen Museumsmitarbeiter wie Hohn. Denn die Fotografie der mitten im Schrei auf geräuschlosen Alu-Hintergrund gebannten und somit verstummten jungen Frau ist nicht allein. Das Augenrollen des Aufpassers im Leeren Beutel gilt dem Ausstellungsstück daneben.

Ständig rotierend

Dort dreht die bewegliche Skulptur "Together" unbeirrt ihre Runden: Eine ständig rotierende Konstruktion aus Rädern und Hirschgeweihen, angetrieben durch monoton brummende Elektronik. Auf Tone Schmid ist Verlass. Der Schöpfer von "Together" ist ein Unruhestifter. Auch bei der "Großen Ostbayerischen Kunstausstellung". Die hat der Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Niederbayern / Oberpfalz eben in der Städtischen Galerie im Leeren Beutel in Regensburg eröffnet.

Ohne Ton, dafür aber mit Tone. Bei der traditionellen Präsentation des aktuellen Kunstschaffens in der Region gehört der Weidener mit Vorliebe fürs Kinetische zur festen Riege. Ebenso wie eine Reihe weiterer Maler, Grafiker, Bildhauer und Fotografen, die derzeit im Leeren Beutel zu sehen sind. Katja Barinsky, Brigitte Berndt, Jürgen Böhm, Alfred Böschl, Michael Bry, Alina Buga, Peter Dorn, Fanny Jacquier, Maria Maier, Christine Sabel: Die Liste derer, die sich seit Langem oder erst in jüngerer Zeit einen Namen gemacht haben in Regensburg und Umgebung ist lang.

Erneut verweist die "Große Ostbayerische" also auf die Vielseitigkeit des regionalen künstlerischen Schaffens. Das Bewusstsein hierfür beim Rezipienten immer wieder neu zu öffnen, ist das erklärte Ziel der Schau. "Hier handelt es sich nicht um eine Themenausstellung", hält BBK-Vorsitzender Ludwig Bäuml in einer schriftlichen Einführung fest.

Jährlicher Überblick

Der Ansatz sei ein anderer: "Diese Präsentation will das breite Spektrum des Kunstschaffens in Niederbayern und der Oberpfalz abbilden", sagt Bäuml. Ziel sei ein Überblick über die aktuellen lokalen Kunst-Tendenzen. Der BBK liefert diesen Überblick jedes Jahr und abwechselnd an drei Ausstellungsorten. Nach dem Kunst- und Gewerbeverein Regensburg und dem Kulturviertel Deggendorf ist nun wieder der Leere Beutel als Gastgeber an der Reihe.

Die gezeigten Stücke ohne kuratorisches Eingreifen nebeneinander bestehen zu lassen, das ist die erklärte Idee der Schau. Gewisse sinnige Gruppierungen gibt es dennoch, nicht nur bei der bewussten Gegenüberstellung von Stille und Geräusch bei Julia Knorr und Tone Schmid.

Großformatige und tendenziell abstrakte Gemälde von Jörg Schemmann, Astrid Schröder und Maria Seidenschwann sind zusammen gruppiert. Es gibt ferner eine ernste Ecke zum Thema Vergangenheitsbewältigung. Die in Stacheldraht eingeschlossenen Köpfe aus Vasilij Plotnikovs Skulptur "Befreiung" finden sich hier. Ebenso Albert Prechtls "Zeit zurück zu schauen", ein Acrylbild im Stil eines historischen Schulklassenfotos.

Kopf an Kopf hängen Peter Nowotnys in den Formen stark reduziertes Porträt "Storyboard" und eine Lucas-Cranach-Adaption von Bernhard Weiss. Stefan Bircheneders fotorealistisch gemalte Betonwände finden sich vis-à-vis zu fotografierten Steinen von Herbert Stolz. Die hölzernen Sommerfrischler Helmut Wolfs haben sich vor den wasserblauen "Spurenbildern" Wolfram Schmidts aufgebaut.

Vielfalt ist garantiert bei der "Großen Ostbayerischen Kunstausstellung 2015". Das Alter der Ausstellenden reicht von 25 bis 90 Jahre. Ähnlichkeiten kommen dabei ebenso vor wie Gegensätze. Und das nicht nur, was den Geräuschfaktor betrifft.
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