Pariser Postkarten-Idyll in Tönen

Zaz bescherte am Sonntagabend den Besuchern der Regensburger Schlossfestspiele einen Chanson-Abend der Extraklasse. Bild: Stiegler
Kultur
Regensburg
21.07.2015
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Frank Sinatra und Liza Minnelli besingen New York, die Punkmusiker von "The Clash" setzen London ein Denkmal, Leonard Cohen gelingt der Spagat zwischen Manhattan und Berlin. Und der Wirbelwind im Innenhof von Schloss Emmeram verneigt sich vor Paris - zur Freude des legendären Musikproduzenten Quincy Jones im Publikum.

Zaz, eine junge Pariser Straßenmusikerin, erobert am Sonntagabend bei ihrer Deutschland-Tournee auch Regensburg. Drei Alben hat die 35-jährige Französin mittlerweile vorgelegt. Im Mittelpunkt des Abends steht die aktuelle Scheibe "Paris" - tatkräftig mitproduziert von Quincy Jones und inhaltlich nicht nur eine Hommage an die Stadt der Lichter, sondern an die Chanson-Kultur vergangener Jahrzehnte.

Jazz und Bigband-Sound

"Paris sera toujours Paris", "J'aime Paris au mois de mai", "A Paris", - es sind Chansons wie für die Ewigkeit gemacht, denen Zaz ganz viel frisches Leben einhaucht. Es sind die Lieder, die das Bild des romantischen Paris, der verträumten Gassen, der Liebenden am Eiffelturm, der Akkordeon-Musik der Straßenmusikanten - also des Pariser Postkarten-Idylls, das jeder vor Augen hat - malen.

Um aber nicht zu viel Süßlichkeit aufkommen zu lassen, sind die Chansons neu verpackt worden - stellenweise mit neuer Melodie, aber vor allem mit einer gelungenen Instrumentalbegleitung zwischen Jazz und Bigband-Sound. Und Zaz sorgt dafür, dass die Lieder - excusez-moi, lieber Maurice Chevalier, lieber Francis Lemarque, lieber Charles Aznavour - so daherkommen, als hätten sie schon immer so interpretiert werden müssen. Kurz: Staubfreie Chansons ohne falsche Nostalgie.

Isabelle Geffroy, so der bürgerliche Name von Zaz, verschafft dem Chanson neue Aufmerksamkeit, so wie es in jüngerer Vergangenheit wohl nur Patricia Kaas gelungen ist. Zierlich und grazil in Erscheinung, aber ausgestattet mit jeder Menge Charisma und musikalischer Power ("Mademoiselle 100 000 Volt") hat sie das Publikum schnell im Griff - auch wenn die französischen Zwischenansagen von den meisten Besuchern wohl unverstanden bleiben. Die Musik überwindet diese Sprachbarriere. Die angenehme melodische Stimme, zu der das leicht Rauchige ideal passt, dringt direkt dorthin, wo das musikalische Empfinden der Zuhörer sitzt. Unbefangen wirbelt Zaz gut zwei Stunden über die Bühne. Das bekannte "Champs-Èlysées" von Joe Dassin verwandelt das Auditorium in einen großen Chor.

Exportschlager gespielt

Als Zugabe darf "Je veux" nicht fehlen, jenes Stück, das Zaz zum internationalen Durchbruch verhalf und französische Musik wieder zum Exportschlager werden ließ. Dass bei diesem Lied, in dem die Sängerin unter anderem Prunk, (spieß-)bürgerliche Tugenden, Geld und Besitz ganz hinten anstellt, die gastgebende Fürstin Gloria zur leidenschaftlichen Tänzerin in der ersten Reihe wird, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.
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