Pianist Rudolf Buchbinder begeistert bei Regensburger "Odeon-Concerten"
Grandiose künstlerische Reife

Kultur
Regensburg
03.03.2015
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Es gibt Instrumentalisten, bei denen hängt es durchaus auch von ihrer Tagesform ab, wie stark sie mit ihrem Spiel beeindrucken können. Nicht so ist das bei dem Pianisten Rudolf Buchbinder. Er ist quasi eine Bank wenn es um Klaviervorträge mit faszinierender Präzision und ausdrucksstarker Leidenschaft geht.

Das bewies er auch sehr überzeugend durch sein jetziges Gastspiel bei den Regensburger "Odeon-Concerten", bei dem er ausschließlich Klaviersonaten aus der Feder von Ludwig van Beethoven zu Gehör brachte. Die große Klasse Buchbinders zeigte sich an diesem Abend bereits in der einleitend interpretierten Sonate Nr. 2 in A-Dur, in welcher der Ausführende auf beeindruckende Art über die Bühne brachte, wie man dem kompositorischen Potenzial dieses bereits 1795 entstandenen Frühwerks Gewicht verschafft.

Mit spielerischer Leichtigkeit ließ Buchbinder die ersten Takte des Kopfsatzes fröhlich plätschern, vergaß aber auch nicht den entscheidenden Stellen das nötige Pathos zu verleihen. Im zweiten Satz überzeugten die Präzision der Triller und nicht zuletzt wie Buchbinder die Staccato-Basslinie der linken Hand zum "swingen" brachte. Im Scherzo erfasste er den humoristischen Charakter mit viel Gespür und das leichte Rubato, das der Pianist in einigen Passagen im Rondo-Finale anwandte, sorgte für einen lebendigen Ausklang.

Rollendes Rhythmusgefühl

Mit einer faszinierenden Leichtigkeit gelangen dem Ausführenden auch die schnellen Läufe im Finale der Klaviersonate Nr. 9 in E-Dur. Selbiges gilt auch für die mit dem Beinamen "Pastorale" bezeichnete Sonate Nr. 15 in D-Dur. Der bordunartig angeschlagenen Bassstimme im Finalsatz verlieh Buchbinder schon fast ein ternär rollendes Rhythmusgefühl, wie man es im Jazz kennt. Und solche Details, in denen Rudolf Buchbinder ein Werk durch einen ganz persönlichen Interpretationsansatz auf eigene Art beleuchtet, ohne dabei an der Substanz der Komposition zu kratzen, zeichnen diesen begnadeten Pianisten eben auch aus. Der komplexen und auf den ersten Blick etwas widersprüchlichen Bezeichnung "Mit Lebhaftigkeit und durchaus mit Empfindung und Ausdruck" im ersten Satz der Sonate Nr. 27 in e-Moll machte Buchbinder alle Ehre, indem er temperamentvolle Leidenschaft mit dem Gespür zur Innigkeit grandios verband.

In der abschließend interpretierten Sonate Nr. 23 in f-Moll begeisterte allein schon wie gefühlvoll er den Schlussakkord des Kopfsatzes liegen ließ, aber auch seine differenzierte Dynamikarbeit oder die bestechende Präzision in den motorischen Passagen. Im Finale fesselte die rasende Energie mit der Buchbinder hier zu Werke ging.

Aufgrund der stehenden Ovationen der rund 1300 Besucher im Audimax der Regensburger Universität gab der 68-jährige Pianist dann noch eine ebenso überzeugende Interpretation des Finalsatzes aus Beethovens "Sturmsonate" Nr. 17 in d-Moll als Zugabe.
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