Pianistin Sophie Pacini bei Odeon
Emotionale Tiefe und Leidenschaft

Kultur
Regensburg
25.10.2016
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Von Stefan Rimek

Regensburg. Über Interpretationsansätze lässt sich in Bezug auf Chopins Nocturnes besonders gut streiten. So treten manche für eine süßlich-romantische Ausführung ein, die keine extremen Dynamikkontraste und keine wirklich aggressiv in Szene gesetzten Forte-Stellen aufweist. Andere gestehen diesen Kompositionen sehr wohl aufwühlende emotionale Tiefen zu.

Letzterer Ansicht ist auch die erst 24-jährige deutsch-italienische Pianistin Sophie Pacini, die nun zum Auftakt der aktuellen "Odeon-Concerte"-Saison im Audimax der Regensburger Universität einen Solo-Abend gab. Wie sie Chopins Nocturnes behandelt, kann das Publikum im gut gefüllten, aber nicht ausverkauften Saal gleich zu Beginn erleben, als sie die ersten beiden Stücke aus Chopins Opus 9 ausführt.

Romantische Süße


Pacinis Interpretationsansatz beeindruckt durch Ausgewogenheit, da er sowohl die den Stücken immanente romantische Süße berücksichtigt, als auch emotionale Ausbrüche und die Energie in den Forte-Passagen. Dass die junge Pianistin Gespür für kraftvolle Emotionen hat, beweist sie dann noch verstärkt in Chopins Scherzo Nr. 2 in b-Moll op. 31. Die Reprise dieses abwechslungsreichen Satzes gelingt ihr mit fesselndem Schwung, den sie in der Coda noch mitreißend verdichten kann. Wie hoch die künstlerische Reife der jungen Pianistin bereits anzusiedeln ist, zeigt ihre hervorragende Interpretation von Ludwig van Beethoves Klaviersonate Nr. 21 in C-dur op. 53, die unter dem Beinamen "Waldstein"-Sonate Berühmtheit erlangte. Kraftvoll setzt Sophie Pacini das pochende Haupthema des Kopfsatzes in Szene, hält vor dem zweiten Thema selbstbewusst inne, zeigt emotionale Tiefe im Mittelsatz und verlieh dem Finalsatz eine angemessene Energie.

Nach der Pause stellt sich Pacini mit Franz Liszts "Consolations" Nr. 1 bis 3 und den ebenfalls von Liszt geschriebenen "Réminiscences de Don Juan" keinen geringen Herausforderungen. Aber die Pianistin nimmt auch diese Hürde mit Bravour. Besonders beeindruckend fällt die Art auf, mit welcher sie ihrer Interpretation eine eigene Prägung verleiht.

Fesselndes Rubato-Spiel


So beweist die Pianistin mit kleinen, selbstbewusst gesetzten Ritardandi oder Accelerandi immer wieder wie groß ihre künstlerische Persönlichkeit schon ausgeprägt ist. Ein solch fesselndes Rubato-Spiel in diesen anspruchsvollen Werken zu setzen, verdient großes Lob. Als Zugabe gibt es für das sichtlich begeisterte Publikum eine ebenso leidenschaftliche Interpretation von Liszts "Ungarischer Rhapsodie" Nr. 6.
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