Pop Art von den Anfängen bis heute

Ernst gemeint? Frech grinst Mickey bei Mr. Brainwash. Repros: Wolke (2)
Kultur
Regensburg
10.07.2015
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Über sechs Ecken kennt man die ganze Welt, heißt es. Was Andy Warhol betrifft, so überspringt Andrea Madesta ein paar Ecken. Eine Freundin der Regensburger Galeristin verkehrte regelmäßig in der legendären New Yorker "Factory" und kam dort in Kontakt mit dem Großmeister der Pop Art.

Der Bezug der von Madesta betriebenen Galerie Peter Bäumler zu Warhol und dessen Wegbegleitern ist also fast schon persönlich. Dementsprechend heimelig-clubartig war die Atmosphäre bei der Eröffnung der aktuellen Ausstellung in dem Regensburger Kunstladen zu den Klängen von Lou Reed und Velvet Underground im Hintergrund lud die Galerie Bäumler zur Präsentation von "Pop Art - up to today".

Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Mel Ramos, Tom Wesselmann, Alex Katz, Keith Haring, Julian Opie und andere: Andrea Madesta hat sie sich praktisch ins Wohnzimmer geholt. Was der Kunsthistorikerin als ehemalige Leiterin des Regensburger Kunstforums Ostdeutsche Galerie verwehrt blieb, verwirklicht sie nun auf eigene Faust.

Einer gewissen Problematik in Bezug auf die Pop Art ist sich die Galeristin dabei bewusst. Einst als Kunstform mit Fokus auf Populärkultur und Konsum gegründet, ist die Pop Art mittlerweile kommerziell regelrecht verbraucht. "Es ist schwierig, das was sie ausmacht, wiederzuerkennen", räumte Madesta in Hinblick auf die reine Kunst ein.

Nicht nur Klassiker

Für ihre Ausstellung hat die Galeristin daher nicht nur die Klassiker der Pop Art ausgewählt. Die gezeigten Lithografien, Zeichnungen, Acryl- und sogar Hinterglasgemälde verfolgen den Weg dieser Strömung bis heute.

Mit dabei sind natürlich die zu erwartenden Porträts von Marilyn Monroe, in diesem Fall von Russel Young und mit Diamantenstaub benetzt, sowie die Bilder weiterer formschöner Damen. Dass die vertretenen Künstler hier allesamt Männer sind und die Frauen als Motiv dienen, ist ein weiterer heikler Punkt, den Andrea Madesta erkannt hat und den sie durch eine feministisch korrekte Schau im näherer Zukunft wettmachen will.

Ernst und Ironie

In der aktuellen Ausstellung gibt es ferner eine der bekannten Katzendarstellungen Andy Warhols als Unikat sowie das Rezept für eine Marzipantorte. Dieses hat Warhol zusammen mit einer Bäckerin, ein paar Kindern und seiner eigenen Mutter aufs Blatt gebracht. Lassen solche Arbeiten schon eine gewisse Portion Ernst vermissen, so wird es bei den neueren Werken der Schau noch ironischer. Die jüngeren Künstler zeigen in der Galerie Bäumler nicht nur die künstlerische Entwicklung auf, die die Pop Art innerhalb der vergangenen 30 Jahre genommen hat.

Mit viel Witz nehmen sich die Jungen auch die Vertreter der Pop Art selbst vor. Mr. Brainwash etwa, der gern Andy-Warhol-Ikonen persifliert, ist in der Galerie Bäumler mit einer überdimensionierten Mickey Mouse vertreten. Comicfiguren, Popidole und Alltagsgegenstände: Das waren und sind die Merkmale der Pop Art. Dinge und Personen, die man zu kennen glaubt - und das nicht nur über sechs Ecken hinweg. Andrea Madesta sieht es so: "Bei den Künstlern der Pop Art findet man das, was die anderen immer tun wollten. Sie haben die Kunst mit Leben gefüllt."

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Die Ausstellung "Pop Art - up to today" läuft bis zum 29. August in der Galerie Peter Bäumler, Obere Bachgasse 16 in Regensburg. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Samstag von 11 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung. Weitere Infos gibt es unter Telefon 0941 / 89939801 oder unter galerie-baeumler.de.
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