Premiere im Theater Regensburg
Kurzopern "Goyescas" und "Gianni Schicchi" in einer Vorstellung vereint

Adam Kruzel läuft in der Titelrolle des Gianni Schicchi zur Höchstform auf. Bild: Jochen Quast
Kultur
Regensburg
25.01.2016
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Beide Opern-Einakter stammen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, beide Werke wurden in dieser Zeit an der berühmten Metropolitan Opera in New York uraufgeführt, beide Stücke dauern eine knappe Stunde und in beiden triumphiert in gewisser Weise ein Mann aus dem Volk über die Aristokratie.

Das bewog die Verantwortlichen vom Theater Regensburg dazu, die 1916 uraufgeführte Kurzoper "Goyescas" von Enrique Granados mit dem 1918 zum ersten Mal zu erlebenden Werk "Gianni Schicchi" von Giacomo Puccini zu verbinden und beide Kurzopern an einem Abend zu präsentieren. Nun ist Premiere und es zeigt sich sehr deutlich, dass beide Werke trotz der erwähnten Gemeinsamkeiten doch auch große Unterschiede aufweisen.

Komödie und Tragödie


Und zwar nicht nur deshalb, weil "Goyescas" eine Tragödie und "Gianni Schicchi" eine Komödie ist. Ein wesentlicher Unterschied liegt auch in der Qualität der Werke. So erstickt Granados sein Werk in zum Teil recht klischeehaften spanischen Folkloreklängen mit viel Kastagnetten und der dafür typischen Harmonik und Melodik. Auch ist das Libretto von Fernando Periquet y Zuaznabar aufgrund seiner extrem machoartigen Sicht der Dinge, in der Männer sich bis zum Tod um Frauen streiten, die nichts zu sagen haben, kaum noch zu ertragen.

Puccinis Einakter hingegen ist ein raffiniert komponiertes Kleinod, dessen Libretto von Giovacchino Forzano nach einer Episode aus Dantes "La Divina Comedia" mit viel Witz und literarischer Qualität erschaffen wurde. Auch die beiden Inszenierungen von Bernd Liepold-Mosser weisen eine etwas unterschiedliche Qualität auf. Zwar bemüht sich der Regisseur mit der Bühnenbildnerin Andrea Cozzi und der Kostümbildnerin Claudia Doderer dem dunklen Charakter von Granados` Werk durch mystische Bilder gerecht zu werden, aber der allzu dominante Gebrauch der Drehbühne wirkt doch etwas aufdringlich.

Keine Frage, Yinjia Gong als Fernando, Seymur Karimov als Paquiro, Michaela Schneider als Rosario und Katja Ladentin in der Rolle der Pepa agieren an diesem Premierenabend mit Bühnenpräsenz und überzeugenden gesanglichen Leistungen.

Kruzel in Höchstform


Wirklich originell inszeniert Liepold-Mossers Regieteam hingegen Puccinis Einakter "Gianni Schicchi", der aus einer kleinen, auf die große Bühne geschobenen Commedia-dell-Arte-Bühne heraus gespielt, mit den vielen amüsanten Details in den Bewegungsabläufen das Publikum unmittelbar berühren kann. Alle der zahlreichen Bühnenakteure machen in ihren Rollen eine gute Figur.

Zur gesanglichen und schauspielerischen Höchstform läuft hier allerdings der Regensburger Bass-Bariton Adam Kruzel in der Titelrolle des Gianni Schicchi auf. Köstlich, wie er diesen durchtriebenen und bauernschlauen Charakter regelrecht durchlebt.

Das Orchester agiert unter Leitung von Generalmusikdirektor Tetsuro Ban vor allem in Puccinis Werk mit viel Sinn für die Spannungsbögen und dynamischen Kontraste. Der Chor wird von Alistair Lilley einmal mehr hervorragend einstudiert. So erntet der außergewöhnliche Kurzopern-Abend im gefüllten Theater am Bismarckplatz verdienten Beifall.
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