Premiere von "Die Känguru-Chroniken"
Das darf nicht doch Warzenschwein

Mit dem Besuch eines kommunistischen Kängurus, sinnlosen Unterhaltungen und viel Humor starteten die 34. Bayerischen Theatertage, die bis Freitag, 10. Juni in Regensburg laufen. Bild: Theater Regensburg
Kultur
Regensburg
31.05.2016
88
0

Wie passend: Kurz vor Beginn der Vorstellung im Regensburger Theater fragen zwei energische Männer mit Migrationshintergrund die Zuschauer nach monetärer Unterstützung. Fast könnte die Situation inszeniert sein.

Und zwar ganz im Sinne des Kängurus. Soziale Missstände, kapitalistische Verbrechen, die jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung und dergleichen sind schließlich die Lieblingsthemen des kommunistischen Beuteltiers. Zumindest in der szenischen Lesung zu Beginn der Bayerischen Theatertage in Regensburg. Ganz nach dem Festivalmotto "Wildes Bayern" punktet das Ensemble der Gastgeberstadt mit einem vom Publikum heiß ersehnten Stück. "Die Känguru-Chroniken" nach den Erzählungen des Kabarettisten und Autors Marc-Uwe Kling kommen hier als szenische Lesung auf die Bühne.

Die Erwartungen des vorwiegend jungen Publikums sind hoch. Das zeigt sich - nach dem unfreiwillig-passenden Vorspiel vor den Theatertüren - schon beim ersten Erscheinen Michael Haakes. Der etablierte Regensburger Schauspieler hat die Rolle der autobiografischen Hauptfigur Marc-Uwe inne. Die ersten Lacher erntet er bereits, als er sich nur an den Lesetisch setzt.

Klare Aussage


Ein deutliches Signal zu Beginn: Man will sich amüsieren. Dementsprechend gelöst ist auch die Stimmung - sowohl bei den Schauspielern als auch beim Publikum. Gerhard Hermann betritt die Bühne im Kängurufell aus dem Faschingshandel - bei der Kostümierung siegt Eindeutigkeit über Feinsinn - und los geht es mit einer Endlosschleife an Nonsense-Diskussionen und gewitzten Anspielungen aufs Zeitgeschehen. Auch wenn die Vorlage der "Känguru-Chroniken" für die Bühnenversion deutlich gekürzt werden muss, schlagen die absurd-komischen Episoden ein. Dass der Protagonist plötzlich von einem benachbarten Känguru mit kommunistischer Weltanschauung belagert wird, akzeptiert der kleingeistige Kleinkünstler schnell.

Schließlich wird sein Alltag bunter durch diesen hüpfenden Revoluzzer, der seine Einstellung "Vive la résistance" nicht nur dadurch auslebt, dass er bei McDonald's einen Whopper bestellt - und bei Burger King einen Big Mac. Kommunisten, Kapitalisten, Migranten, der Islam, Franz Josef Strauß und das doppelte Plusquamperfekt: Wenn das Känguru einmal losgelegt hat, kriegen sie alle ihr Fett weg. "Das darf doch echt nicht Warzenschwein", findet der pelzige Weltverbesserer selbst.

Eine gewisse moralische Inkonsequenz kümmert das Beuteltier dabei wenig. Beim Monopoly-Spiel gibt es sich noch sozial. Freie Bahnfahrt für alle und Hausbesetzung auf der Schlossallee, lautet hier seine Devise. Und beim Überschreiten von "Los" bekommt natürlich jeder finanzielle Hilfe. Doch die freimütige Toleranz hat Grenzen. Auch beim Känguru. Kaum sausen dem nämlich nach einer Auseinandersetzung mit jungen Opfern der Gesellschaft die leeren Bierdosen um die Ohren, wird sein Urteil harsch: "Doofe Assos!"

Aktuelles Thema


Manchmal steckt man eben in der Zwickmühle. Als kommunistisches Känguru ebenso wie als ungestört bleiben wollender Bürger in einem Land der Willkommenskultur. Die Känguru-Chroniken des Marc-Uwe Klings treffen den Nerv der Zeit. Nicht immer politisch korrekt, dafür aber umso lustiger.

Soziale Missstände, kapitalistische Verbrechen, die jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung: Lösungen für all das zu finden, ist nicht wirklich einfach. Am besten, man nimmt es mit Humor. An diesem Abend im Theater am Haidplatz jedenfalls wird viel gelacht.

___



Weitere Informationen:

www.theater-regensburg.de
Weitere Beiträge zu den Themen: Känguru-Chroniken (1)Landestheater Regensburg (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.