Projekt "KulTür" bietet jetzt auch in Regensburg Gratis-Tickets für Bedürftige
Kulturgenuss ohne Stigmatisierung

Die Idee der "Kultur-Tafeln" setzt sich immer stärker durch. Archivbild: dpa
Kultur
Regensburg
23.02.2015
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Tafeln, in denen Ehrenamtliche überschüssige Lebensmittel an bedürftige Menschen verteilen, gibt es mittlerweile in den meisten größeren Städten. Neu sind in Ostbayern sogenannte Kultur-Tafeln, die übrig gebliebene Tickets für Theateraufführungen oder Konzerte an sozial Schwache ausgeben.

Im Leeren Beutel in Regensburg fand jüngst die Auftaktveranstaltung für das Projekt "KulTür" statt. Das Evangelische Bildungswerk (EBW) Regensburg, das Kulturnetz Regensburg und das Ostbayerische Kulturforum haben sich zusammengetan, um die Idee voranzutreiben. Das Ziel: Menschen mit geringem Einkommen, etwa Empfänger von Transferleistungen, aber auch Asylsuchende sollen am kulturellen Leben teilhaben können.

Dafür vermitteln die Organisatoren nicht abgerufene oder gespendete Tickets für Kulturveranstaltungen an bedürftige Menschen. "Eine Arbeit, die am Ende nur Gewinner hat", erklärte Nicole Zwicknagel vom Kulturnetz Regensburg. Künstler und Veranstalter würden eine dichtere Atmosphäre durch ein volles Haus erleben, die Gäste kämen in den Genuss von Kultur, der ohne die Arbeit von "KulTür" nicht möglich wäre.

Das Ostbayerische Kulturforum bringt bereits Erfahrungen aus einem Pilotprojekt in Landshut mit. Das Konzept werde gut angenommen, erklärte Stephan Rebel, Geschäftsleiter des Ostbayerischen Kulturforums, im Gespräch mit unserer Zeitung. Mittlerweile würden Veranstalter der Kultur-Tafel Landshut nicht nur übrig gebliebene Tickets zur Verfügung stellen, sondern auch eigene Sonderkontingente. Sogar kommerzielle Anbieter, die mit einer Veranstaltung in der Stadt gastieren, würden der Kultur-Tafel Tickets anbieten.

Auch in Amberg und Weiden gebe es mittlerweile an die Lebensmittel-Tafeln angegliederte Kultur-Tafeln, berichtete Rebel. Kultur-Anbieter von städtischer Seite seien bereits im Boot, bei weiteren Veranstaltern sei man derzeit in der Akquise. Im Januar habe man mehrere 100 Karten für die Vorführungen der "Traumfabrik" in Amberg und Weiden an Bedürftige verteilen können. Die Tickets würden entweder von den Lebensmittel-Tafeln ausgegeben oder könnten nach Absprache an der Abendkasse abgeholt werden - "stigmatisierungsfrei, ohne dass Umstehende sehen, ob für die Tickets bezahlt wurde oder nicht".

Sicherlich bestehe für einige Menschen eine Hemmschwelle, das Angebot anzunehmen, räumte Rebel ein. "Vielen haben wir die Kultur aber schon schmackhaft gemacht, über uns haben sie einen Zugang zu Rigoletto und Macbeth gefunden."

Weitere Infos und Kontaktdaten unter www.ostbayerisches-kulturforum.de.
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