„Pulcinella Orchestra“ und „Euskal Barrokensemble“ stechen bei „Tage Alter Musik“ hervor
Feuriger Flamenco und reißende Rythmen

Das spanische "Euskal Barrokensemble" beherrscht das Zusammenspiel von Instrumenten und Gesang. Bild: "Tage Alter Musik"
Kultur
Regensburg
19.05.2016
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Von Stefan Rimek

Regensburg. Mit Unkonventionalität erweitern zwei Konzerte die stilistische Breite des Festivals "Tage Alter Musik" beeindruckend. Der Blick richtet sich auf die Veranstaltungen von "Pulcinella Orchestra" und "Euskal Barrokensemble", auch wenn jedes der neun Konzerte am Wochenende eine nähere Betrachtung verdient. Den Anfang macht das französische "Pulcinella Orchestra" in der Dreieinigkeitskirche. Und zwar deshalb, weil dieses 13-köpfige Kammerorchester sich am Sonntagabend ausschließlich Carl Philipp Emanuel Bach widmete, und damit dem zweiten Sohn von Johann Sebastian Bach.

Im Schatten


Trotz der Tatsache, dass Carl Philipp Emanuel beim Publikum wohl der bekannteste Spross des Barock-Großmeisters sein dürfte, führen seine Werke im Vergleich zu denen seines Vaters in vielen Konzertsälen ein Mauerblümchendasein. Das ist besonders schade, weil gerade die Kompositionen von Carl Philipp Emanuel in der Entwicklung vom Barock zur Wiener Klassik eine interessante Brückenstellung einnehmen. Das schlägt sich unter anderem in der Neuformierung des Sonatensatzes nieder.

Das "Pulcinella Orchestra" zeigt mit der Aufführung von zwei Konzerten für Violoncello und Orchester, der Sinfonie Nr. 5 und der Triosonate in C-Moll, was in den Werken von Carl Philipp Emanuel wirklich steckt. So macht das Kammerorchester unter Leitung von Konzertmeister Thibault Noally auf fesselnde Weise deutlich, dass diese Werke größere Dynamikkontraste zulassen als noch beim alten Bach.

Den Musikern fehlt es auch nicht an Gespür für die kantabilen Melodielinien, welche bereits die kadenzorientierte Stimmführung der Wiener Klassik vorwegnehmen. Die Geschlossenheit des Ensembles verdient ebenfalls Lob. Noch unkonventioneller und für die "Tage Alter Musik" fast schon exotisch anmutend, ist der Auftritt des spanischen "Euskal Barrokensembles" im Neuhaussaal. In einer neuen Fassung von Gitarrist, Lautenist und Ensembleleiter Enrike Solinis führt das Septett Manuel de Fallas "El amor brujo" auf, in welchem der Komponist bereits im Jahre 1915 spanische Volksmelodien verwendet, die bis in den Barock zurückreichen.

Arabische Klänge


In diesem einaktigen Werk aus Rhythmus, Gesang und Instrumentalstücken vernimmt der Zuhörer eine faszinierende Stil- und Klangfarbenvielfalt. Sie reicht vom feurigen Flamenco - leidenschaftlich getanzt von Maria Moreno und ebenso mitreißend gesungen von Rocio Márquez - über innige arabische Lautenklänge bis hin zu mitreißenden Komplementärrhythmen.

Deutlich sind der Nahe Osten, der südeuropäische Barock und Bezüge zum heutigen Jazz zu spüren. Fesselnd sind die ausdrucksstarken Improvisationen, die den Stücken Leidenschaft und Spontanität verleihen, und damit auch der barocken Aufführungspraxis gerecht werden.
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