Regensburg: Drinnen im Thurn-und-Taxis-Schlosshof feiern die Fans, draußen protestieren die Aktivisten
Naidoo singt und vermeidet vermintes Gelände

Xavier Naidoo in Regensburg. Bild: M. Scheiner
Kultur
Regensburg
27.07.2015
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Es war ein Paukenschlag, ein lautes musikalisches Signal. Xavier Naidoo hat sein lange erwartetes Konzert bei den Regensburger Schlossfestspielen mit der bis heute starken Antikriegshymne "War" begonnen. Mitten hinein in geisterhafte Vogelschreie, die den leeren Bühnenraum klanglich umwehten, setzte er damit ein unüberhörbares Zeichen.

Die Kritiker und Aktivisten, welche die Besucher vor dem Schloss auf höchst bedenkliche Haltungen und Äußerungen des vielfach engagierten Mannheimer Künstlers aufmerksam machen wollten, hätte er damit sicher nicht überzeugen können. Sein Publikum, von denen viele noch gar nicht geboren waren, als Motown-Sänger Edwin Starr mit seinem Protestsong gegen den Vietnamkrieg einen Nummer-1-Hit landete, ignorierte solche Zusammenhänge schlicht und feierte fast drei Stunden tanzend, mitsingend und jubelnd seinen Star.

Vom generell verabscheuten Krieg bis zur Freiheit war es dann gemäß dem Tour-Motto "Frei Sein" nur ein Akkord. Kraftvoll und mitreißend sang Naidoo unter noch zaghafter Beteiligung aus dem Publikum "Frei" des Rockmusikers Wirtz. Naidoo stellte Songs von Christine Stürmer und des österreichischen Volksmusikers Andreas Gabalier vor, die er bei der TV-Sendung "Sing meinen Song - das Tauschkonzert" gecovert hat.

Bevor er allerdings nach der Pause die gefühlige Gabalier-Ballade "Amoi seg' ma uns wieder" singen konnte, brauchte es Geduld. Offensichtlich war ein Teil des Publikums nicht auf die dreimalige Fanfare zum Pausenende vorbereitet. Langsam und stockend zog es an der Bühne vorbei, wo bereits Sänger und Gitarrist Alex Auer startklar warteten. Immer wieder stauten sich die Leute, weil Handys gezückt wurden, um zu filmen, zu fotografieren und schnell ein Selfie zu machen. "Jetzt packt mal eure Handys ein", mahnte der Star irgendwann mit genervtem Tonfall im bodenständigen Dialekt, "bei so etwas bin ich empfindlich wie eine Frau!"

Spontan stimmte er den Evergreen "Stand by me" an und griente lakonisch: "Wir haben noch nie ein Konzert mit einer Pause gemacht - da kann man endlich mal schwätzen!" Das akustische Lied blieb die Unplugged-Ausnahme. Ansonsten ging es erwartbar laut und voll elektrisch zu im Schlosshof.

Mit einer für viele Fans abwechslungsreichen Mischung aus frühen Songs, wie Sabrina Setlurs Plädoyer "Freisein", "Alles kann besser werden", der pathetischen Schnulze "Dieser Weg" bis zum aktuellen Mannheim-Song "Rosenblätter" der "Söhne Mannheims" bot der Sänger mit dem soulig-hellen Timbre seinen begeisterten Fans ein buntes Programm. Musikalisch und rhythmisch wenig abwechslungsreich, gerieten einige wenige und viel zu kurze Gitarrensoli (Alex Auer) und ein Basssolo (Robbee Mariano) zu musikalischen Highlights des Abends.

Während den gut zweieinhalb Stunden Konzert vermied Naidoo vermintes Gelände, wie es in "Raus aus dem Reichstag" mit antisemitischen Formulierungen zum Ausdruck kommt. Aber auch neben dem streitbaren Song ist Xavier Naidoo mit Liedern wie "Bei meiner Seele" oder "Bitte hör nicht auf zu träumen" - wo Besucherinnen scharenweise lauthals mitsangen - ein engagierter und gleichzeitig widersprüchlicher Künstler, der Kontroversen nicht aus dem Weg geht.
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