Regensburg: Kabarettist Hannes Ringlstetter gut in der TV-Präsenz
Ein Comic und seine Folgen

Hannes Ringlstetter, Kabarettist mit verwandtschaftlichen Beziehungen nach Amberg, gastiert mit "Ringl on Fire" im ACC. Bild: Hartl
Kultur
Regensburg
05.05.2015
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Hannes Ringlstetter ist ein Durchstarter: Nicht nur auf den Live-Bühnen hat sich der Kabarettist einen hervorragenden Namen gemacht. Seine vielfältige TV-Präsenz trug dem gebürtigen Straubinger jüngst das Lob ein, er sei mittlerweile das Gesicht des bayerischen Humors.

Trifft man Hannes Ringlstetter an einem Samstagmittag in Regensburg, in jener Stadt also, in der er als "Schinderhannes" seine musikalische Karriere einst begonnen hat, dann ist er trotz überfüllten Terminkalenders bester Laune. Die Gesprächsthemen sind weit gespannt, sie reichen von österreichischem Humor bis zur Zukunft des Fernsehens und landen dann doch irgendwann noch beim mitgebrachten Fragenkatalog. Mitte Mai gastiert Ringlstetter zweimal in Ostbayern: Und zwar am 13. Mai beim Zeltfestival in Lappersdorf und am 14. Mai im ACC in Amberg.

Man weiß ja gar nicht, wo man anfangen soll, angesichts der vielen Tätigkeiten des Hannes Ringlstetter: Es gibt den Fernseh- und den Bühnenmenschen Ringlstetter, den Schauspieler und Gastgeber auf der einen und den Kabarettisten und Musiker auf der anderen Seite. Welchem Hannes Ringlstetter haben Sie denn heute früh Guten Morgen gewünscht?

Hannes Ringlstetter: Normalerweise begegne ich nach dem Aufstehen dem Business-Hannes, demjenigen also, der viel organisieren und koordinieren muss: Seine Band nämlich, sein Technik-Personal, seine Agentur. Wenn ich mich aber wie heute in Regensburg befinde, an meinem kreativen Platz und Rückzugsgebiet, dann schreibe ich.

In meiner gnadenlosen Selbstdisziplin habe ich gerade eine Seite zu Papier gebracht - anlässlich meines anstehenden 25-jährigen Bühnenjubiläums soll diese Sammlung Rock-'n'-Roll-Anekdoten ebenso umfassen wie die schönsten Geschichten des Scheiterns. "Paris, New York, Alteislfing" - so der Titel des Buchs. Ums auf den Punkt zu bringen: Ich liebe die Abwechslung und hasse die Routine.

So ist es wohl auch zu verstehen, dass Sie gerade für Bayern 2 in einem Ödön-von-Horvath-Hörspiel, im "Ewigen Spießer" mitgewirkt haben?

Ringlstetter: Genau. Mich hat die Form interessiert - dieses Hörspiel wurde nämlich live von allen beteiligten Schauspielern, die alle unterschiedlich weit vom Mikro saßen, eingesprochen. Und mich fasziniert natürlich auch dieser Ödön von Horvath, ein österreichischer Autor aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Irgendwann im Leben stellt man sich ja die Frage: Wo gehört man hin? Und ich bin ganz einfach wahnsinnig austrophil. Ich kann oft dieser deutschen, respektive niederdeutschen Humorlage nichts abgewinnen, ebenso wenig dem hiesigen Kabarett und dem Film. In aller Regel ist mir ein Mittelklasse-Österreicher lieber als ein Betroffenheitsdeutscher. Und Horvath ist da natürlich neben Leuten wie Qualtinger und Bronner ein Leitstern.

Das heißt, der Hannes Ringlstetter heute Morgen weiß, wo er gestern war und wo er heute Abend sein wird? Weil das kann ja entweder eine Live-Bühne irgendwo in Bayern sein - oder das Fernsehstudio, in dem die ARD-Comedy "3. Stock links" gedreht wird.

Ringlstetter: Ja, das weiß er, der Hannes. Weil gerade dieser permanente Wechsel immer auch sehr viel Vorbereitung bedeutet und viel Sorgfalt erfordert. "3. Stock links" ist mir übrigens sehr ans Herz gewachsen: Zum einen, weil wir da den Donnerstag-Abend-Sendeplatz der ARD gerade wiederbeleben - zum anderen, weil wir ein Ensemble sind, das nicht nur selbst spielt, sondern auch den Text liefert. Das Ergebnis ist was ganz Neues: Kein klassisches Kabarett, sondern mit ganz viel Privates, ganz viel Bayer in Berlin.

Aber das ist ja nicht das einzige Fernsehformat, das Sie bedienen.

Ringlstetter: Nein, als Gastgeber im "Vereinsheim" geht's mir genauso: Das, was wir da machen, das hat es so vorher nicht gegeben im Fernsehen. Dass wir da komplette Newcomer erstmals einem Publikum präsentieren. Am meisten freut mich immer, wenn ich hinterher gefragt werde: 'Wo habt's na den wieder her?'

Mit "Ringl on Fire" sind Sie ganz nah an jenen Wurzeln, denen einst ein Straubinger Gymnasiast entwuchs, der sich in Regensburg als "Schinderhannes" einen regionalen Namen machte und der heute - ja, siehe oben: alles kann und alles macht.

Ringlstetter: Das mit dem vielen Lob ist zwar nett, dafür kannst Du Dir aber auch nichts kaufen. Du musst Dich ganz einfach jeden Abend aufs Neue beweisen. Nach dem Erfolg als Kabarettist, der übrigens auch für mich ziemlich überraschend kam, habe ich heute keinen größeren Wunsch als das zu machen, was ich früher schon gemacht habe: Musik nämlich. Country-Musik hat mir übrigens die meiste Zeit meines Lebens gar nichts gegeben.

Bis ich dann zu Weihnachten den Johnny-Cash-Comic von Reinhard Kleist geschenkt bekam. Und weil da ein Songbook dabei war, hab' ich später am Lagerfeuer mal begonnen, "Ring of Fire" zu spielen. Naja, da war der Weg zu "Ringl on Fire" quasi vorplaniert. Dann haben wir's vor Publikum getestet, und es hat so gut geklappt, dass viele Besucher gesagt haben: "Das hätte ich nicht erwartet!" Von da an wussten wir, dass das klappt. Dann kam die Platte, auf der Christian Tramitz die Texte übers Aufwachsen am Land liest - und jetzt sind wir mittlerweile im dritten Jahr damit live unterwegs.

Wenn Sie also nach Amberg kommen, dann sind Sie ganz nah dran an Regensburg - und trotzdem in einer anderen Sprachwelt. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Ringlstetter: Das brauch' ich gar nicht, weil ich die Stadt verwandtschaftsbedingt schon seit meiner Kindheit kenne. Dort, am Bergfest, hab ich auch eine der schönsten Geschichten überhaupt erlebt: Und zwar saß Pierre Brice, bekanntlich mit einer Ambergerin verheiratet, ein paar Meter weiter an einem Tisch. Jedenfalls nähert sich ein relativ angeheiterter Amberger dem Karl-May-Darsteller und posaunt hinaus: "Hey, Winnetou - wou is Dei Gaall?" Ich mag diesen Humor, diesen Konventionsbruch, der gleichzeitig gar nichts Aggressives oder Übergriffiges hat. Und ich finde, dass Amberg auch das Gegenteil von einer Kleinstadt ist: Es gibt hier tolle Kneipen und wahnsinnig viele coole Typen. Ich freu mich wahnsinnig, wenn ich wieder hier spielen darf.

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Karten für die Auftritte von Hans Ringlstetter in Lappersdorf (13. Mai) und Amberg (14. Mai) gibt es beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter 0961/85550, 09621/306230 und 09661/87290.
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