Regensburger Domspatzen eröffnen Tage Alter Musik in Dreieinigkeitskirche Regensburg
Mit Pauken und Trompeten

Kultur
Regensburg
18.05.2016
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Von Stefan Rimek

Regensburg. Mit Paukenschlägen begannen im wahrsten Sinne des Wortes die Regensburger "Tage Alter Musik" am Freitagabend. So brachten im abendlichen Eröffnungskonzert in der Dreieinigkeitskirche die Regensburger Domspatzen zusammen mit Vokalsolisten und dem österreichischen "L'Orfeo Barockorchester" Joseph Haydns "Missa in tempori belli" zum Erklingen.

Wegen der Solopauken im Agnus Dei hat sie auch den Beinamen "Paukenmesse" bekommen. Vom ersten bis zum letzten Takt dieses imposanten Werks, das Haydn 1796 für den Fürsten Nikolaus II. Esterházy schrieb und mit diesem Titel auf den Koalitionskrieg gegen Napoleon Bonaparte anspielte, agieren die Musiker auf höchstem Niveau. Der Regensburger Domkapellmeister Roland Büchner, der die Gesamtleitung innehat, geht die Partitur mit Verständnis und Sinn für den Affektgehalt des Textes an, ohne dabei Gefahr zu laufen, die Würde dieser geistlichen Komposition zu verletzten.

Geborener Führer


Schön nimmt Büchner beispielsweise die Domspatzen im Gloria bei den Worten "Et in terra pax hominibus" zurück, nachdem er den Chor zum Beginn des Glorias lautstark frohlocken lässt.

Auch die dezente Ausführung der Passage "Et incarnatus est" im Credo, um danach im kontrollierten Forte-Ausbruch "Et resurrexit" die Auferstehung feiern zu können, ist ein Beispiel dafür, wie Büchner den Affektgehalt der Partitur auszuloten weiß. Schön setzen die Spieler eine andächtige Pause am Ende des Credos vor das Wort "mortuorum" - und genau solche Feinheiten sind es, welche die Aufführung von einer üblichen Interpretation unterschieden.

Zum Schluss lässt es Büchner im wahrsten Sinne des Wortes mit Pauken und Trompeten richtig krachen. Aber auch hier hat er die Mitwirkenden durchweg hervorragend unter Kontrolle. Das spricht natürlich auch für die Professionalität und Disziplin aller Ausführenden.

Die Domspatzen folgen Büchner geschlossen in jede dynamische Verästelung, was auch für das hervorragend agierende Orchester gilt. Großes Lob gebührt der Sopranistin Yeree Suh, der Mezzosopranistin Ulrike Mayer - die hier aufgrund eines krankheitsbedingten Ausfalls kurzfristig den Alt-Part übernimmt - dem Tenor Uwe Gottswinter und dem Bass Christoph Hartkopf für die saubere Intonation und verständliche Textartikulation.

Guter Auftakt


Vor der Pause deuten Solisten und Orchester in Haydns "Salve regina" und der einleitend interpretierten Sinfonie Nr. 30 bereits ihre große Klasse. So erleben die Zuhörer schon zu Beginn einen würdigen und musikalisch äußerst beeindruckenden Auftakt der diesjährigen Ausgabe des renommierten Festivals und einen Höhepunkt des gesamten Programms.
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