Regensburger Kunst- und Gewerbeverein zeigt Aktuelles aus Kunst, Handwerk und Design - Schwarz ...
Weit mehr als nur Schwarzmalerei

Der schwarze Humor blitzt deutlich durch in den Exponaten, die Günter Kempf für die Ausstellung "Black ist not for sale" im Regensburger Kunst- und Gewerbeverein zur Verfügung gestellt hat. Der Künstler hat Flaschenverschlüsse mit skurrilen Köpfen geschaffen. Bild: Wolke
Kultur
Regensburg
04.05.2015
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"Black ist not for sale" heißt die aktuelle Schau im Regensburger Kunst- und Gewerbeverein. Kaufen kann man die schwarzen Stücke trotzdem, zumindest manche davon. Sie sind sowieso in der Minderzahl in den Schauräumen der Ausstellung, die den Besucher durch eine bunte Vielseitigkeit überrascht.

Der Titel ist hier also nicht richtungsweisend. Oder zumindest nur teilweise. Denn immerhin haben sie ihren guten Willen gezeigt: Stefan Göler, Christine Weck, Günter Kempf, Adelheid Helm, Thomas Rauh, Dorothea Reese-Heim, Frank Scholz und Hans-Rüdi Scheidegger - jeder hat versucht, zumindest ein schwarzes Element beizusteuern. Und einige davon sind sogar mit dem Vermerk "unverkäuflich" versehen.

Keine Schwarzmalerei

Im Grunde aber ist die Ausstellung viel mehr als reine Schwarzmalerei. Es geht um die jährliche Präsentation von Kunst, Handwerk und Design. Zu sehen ist allerlei aus dem Bereich Kunst und Kunstgewerbe: zum Beispiel Salzstreuer, Flaschenstöpsel und Spielzeug. Letzteres nimmt sogar einen besonderen Stellenwert ein - wenn auch auf tückische Weise. Der Beginn ist noch harmlos: Gleich am Eingang der Ausstellung stehen Scheideggers liebliche Elefanten, Giraffen und Enten. Der letzte echte Spielzeugmacher Regensburgs baut Rolltiere aus Holz genau so, wie sie sein sollen: entzückend, bunt und klassisch.

Sarkastischer wird es einen Raum weiter. Frank Scholz begnügt sich nicht nur damit, dem Besucher ethisch sowieso höchst verwerfliches Kriegsspielzeug vorzuführen. Seine "kleine Luftwaffe" ist zudem durch besonders martialische Züge verschärft. Die Flieger, die hier von der Decke hängen, sind aus Holz, Beilen und scharfen Messern zusammengestellt. Drohend richten sich Gabeln und zu Raketenwerfern umgebaute Kugelschreiber auf den kunstsinnigen Betrachter.

Bittere Zeitkritik

Die Arbeiten Stefan Gölers schräg gegenüber wirken nur auf den ersten Blick wie zierliche Spielereien. Erinnern doch die "Boote" aus Metallresten bei näherer Betrachtung an Flucht, Armut und Lebensgefahr. Göler und Scholz in einem Raum, das ist "Spielzeug" als bittere Zeitkritik.

In dieses Konzept passen auch die Werke von Thomas Rauh. Sein "Hochhaus" ist eine Ansammlung von Hütten, Wohnwagen und sonstigen Behausungen in Miniatur. "Zu besichtigen in Originalgröße in den Randgebieten großer Metropolen nicht nur der sogenannten dritten Welt dieses Planeten", ist in der Ausstellung angemerkt. Hier soll gezeigt werden, was Menschen in Kauf nehmen, um ein Dach über dem Kopf zu haben.

Eine gesellschaftspolitische Anlehnung im Hinblick auf die Wegwerfgesellschaft zeigen andere Künstler. Die Silberschmiedinnen Adelheid Helm und Christina Weck fragen mittels ihrer "Hinterlassenschaften": "Warum muss weggeworfen werden, was noch für anderes taugt?" Für ihre Döschen, Schälchen und Salzstreuer zersägen sie leere Flaschen und verschönern Konservendosen. Auch Dorothea Reese-Heim arbeitet mit ungewöhnlichen Materialien. Aus Flusensieben und Kabelbindern schafft die Künstlerin Kreaturen wie etwa ein Bakterium in hunderttausendfacher Vergrößerung.

Und dann wäre da noch Günter Kempf. Der ansonsten für großflächige Malerei bekannte Künstler wartet hier mit etwas Neuem auf: mit Flaschenverschlüssen. Skurrile Köpfe von Punkern oder Salafisten schmücken seine "Stöpsel". Sie passen in die Schau des Kunst- und Gewerbevereins. Denn eines ist hier tendenziell schwarz: der Humor. Und der ist bekanntermaßen nicht käuflich.

Bis 31. Mai geöffnet

Die Ausstellung "Black is not for sale - Kunst, Handwerk und Design" läuft bis 31. Mai im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg, Ludwigstraße 6. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 12 bis 18 Uhr. Am 9. und am 23. Mai jeweils um 11 Uhr Führung mit Künstlerin Gisela Conrad.

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Weitere Informationen: Telefon 0941/58160;

www.kunst-und-gewerbeverein.de
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