Regisseurin Katrin Plötner inszeniert Hamlet in Regensburg
Getrübter Shakespeare-Genuss

Die Spannungen zwischen Hamlet (Jacob Keller), seiner Mutter Gertrud (Franziska Sörensen) und dem neuen König Claudius (Stefan Schießleder) sind auf der Bühne offensichtlich. Bild: Jochen Quast
Kultur
Regensburg
27.09.2016
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Shakespeares Stücke kann man nicht kaputt inszenieren, sagt Regisseurin Katrin Plötner vor der Premiere ihrer "Hamlet"-Umsetzung. Dass diese gewagte Aussage mit Vorsicht zu genießen ist, zeigt nicht nur Plötners "Romeo und Julia" vor drei Jahren in Regensburg.

Damals überschüttete Regisseurin Katrin Plötner den Stoff regelrecht mit avantgardistischen Klischees, um sich an eine junge Zielgruppe anzubiedern. Da blieb einiges von der Substanz des Stücks auf der Strecke. Ganz so schlimm ist es bei ihrer jetzigen Umsetzung von "Hamlet" in Regensburg nicht, aber dennoch ist deutlich erkennbar, dass die Regisseurin erneut tief in die Klischeekiste sogenannter zeitgenössischer Inszenierungen greift. Denn wirklich kreativ sind viele der Einfälle in dieses Arrangements nicht.

Kein Überraschungspotential


Eine schiefe Ebene als Bühne, ein Hamlet, der auch mal völlig nackt auftritt sowie eine infantil und nahezu läppisch übertriebene Sexualität haben doch schon einen gewissen Bart und deshalb schon lange kein Überraschungspotenzial auf die Zuschauer mehr.

Hinzu kommen am Anfang und Schluss der Aufführung nervend laute elektronische Klänge, die für die Dramaturgie des Stoffes nicht unterstützend, sondern sogar kontraproduktiv wirken. So hätte die bei der Beerdigung des Königs angestimmte dänische Nationalhymne aus einer Totenstille heraus wesentlich größere Wirkung gehabt, als nach diesem lauten Klangbrei.

Durch all das trübt Katrin Plötner ihre positiven Ideen, die man in dieser Inszenierung durchaus wahrnehmen kann, doch stark ein. Schade, denn der Raum unter der schiefen Ebene für die Spione mit den norwegischen Fähnchen und auch die kleinen humoristischen Einlagen, wie beim von Rosencrantz und Guildenstern aufgeführten Theaterstück oder als Hamlet zum Schluss eine kleine Türe in der schiefen Ebene entdeckt, bereichern diese Inszenierung durchaus.

Auch das Bühnenbild von Maria Moser und die Kostüme von Lili Wanner komplettieren diese Produktion durch ihre minimalistische Art durchaus passend. Von hoher Qualität ist die schauspielerische Leistung aller Bühnenakteure. Jacob Keller gibt einen überzeugend durchgeknallten Hamlet und artikuliert auch in großen emotionalen Ausbrüchen noch verständlich.

Aber auch Stefan Schießleder als König Claudius, Franziska Sörensen als Königin Gertrud, Verena Maria Bauer als Ophelia sowie alle anderen Bühnenakteure tragen in dieser Produktion zur guten Qualität bei.

Angemessener Applaus


Der Schlussapplaus im gut gefüllten Theater im Velodrom fällt an diesem Premierenabend von Plötners "Hamlet" höflich aber nicht euphorisch aus, was besonders bezüglich der Arbeit des Regieteams angemessen erscheint.
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