Rock Meets Classic
"Europe"-Sänger Joey Tempest in Regensburg

"The Final Countdown" ist aus den Köpfen ganzer Generationen nicht mehr wegzudenken. Damit gelang Joey Tempest mit seiner Band "Europe" weltweit der kommerzielle Durchbruch. Die Single erreicht in 26 Staaten Platz 1 der Hitparade und verkaufte sich binnen der ersten zwei Jahre rund 8 Millionen mal. Bild: T. Schwarzmeier
Kultur
Regensburg
01.02.2016
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Es ist bereits das siebte Mal, dass sich bei der Veranstaltungsreihe "Rock Meets Classic" legendäre Rockmusiker mit erstklassigen Orchestern austauschen und ein dreistündiges Konzertprogramm mit einer "Symbiose aus weltbekannten Rock-Hits plus gefühlvoller Klassik" präsentieren

Von Michael Fuchs-Gamböck

In diesem Jahr geben sich renommierte Größen wie Steve Walsh (Kansas), Midge Ure (Ultravox), Scott Graham & Ricky Warwick (Thin Lizzy), Andy Scott & Pete Lincoln (The Sweet), Dan McCafferty (Nazareth) sowie die Ruhrpott-Rockröhre Doro Pesch das Mikrofon in die Hand, ihre Lieder werden untermalt von der Mat-Sinner-Band wie vom Bohemian-Symphony-Orchestra aus Prag. Und dann wäre noch als Letzter im Angebot, als Haupt-Act, der Europe-Frontmann Joey Tempest.

Viel zu heavy


Der Schwede wird mit seinen "Rock Meets Classic"-Beiträgen zu den Erfolgswurzeln seiner Band zurückkehren, obwohl er das vielleicht nicht unbedingt will. Aber klar ist auch, dass dieses spezielle Publikum von Mr. Tempest, der zivil Rolf Magnus Joakim Larsson heißt, bei jenen Konzertabenden die Megahits erwartet: "Carrie", "Rock The Night" und über allem "The Final Countdown". Vom famosen aktuellen Europe-Werk "War Of Kings" wird garantiert nichts zu hören sein - viel zu heavy für die eher gediegenen "Rock Meets Classic"-Besucher.

Ach, Europe: Es mag grandios sein, wenn man als Gruppe im Laufe nur weniger Jahre Abermillionen von Tonträgern weltweit losschlägt und zu einer der heißesten Erscheinungen des (Musik-)Universums mutiert. Im Falle jener Band namens Europe allerdings war der Preis, den man für diesen Status bezahlen musste, verflucht hoch. Denn Europe spielten - und spielen - seit ihrer Gründung 1982 in Malmö stets gefälligen, oftmals kernigen Hard Rock. Doch nach ihrem Durchbruch 1986 wurden die fünf Schweden von der seriösen Musikpresse als "Teenie-Metal-Combo" belächelt und wegen ihres blendenden Aussehens als "Haarspray-Rocker" verhöhnt. 30 Jahre später wird mit Europe lediglich ein einziger Mega-Hit assoziiert, der Klassiker "The Final Countdown". Fair ist das nicht, denn Songs wie eben "Rock The Night", "Carrie" oder auch "Superstitious" tauchten gleichfalls weit oben in den Charts auf. Doch obwohl musikalisch spannender, konnten sie dem modernen Evergreen, das zu seiner Glanzzeit in 26 Ländern auf der Pole Position stand, kommerziell nicht ansatzweise das Wasser reichen. Trotzdem, Europe spielten bis zu ihrer Auflösung 1992 eingängigen, immer wieder packenden Rock, der sich vor den großen Idolen UFO oder Aerosmith nicht zu verstecken brauchte.

Auf den ersten beiden Alben waren wir eine progressive Heavy-Rock-Band, aber das war uns nicht genug. Ich bin Songwriter und wollte schon immer über den stilistischen Tellerrand hinausschauen.Joe Tempest

Nach dem Split widmeten sich die beiden Haupt-Macher von Europe, Sänger Joey Tempest und Gitarrist John Norum, diversen Metal-Projekten, leider mit bescheidenem Erfolg. "Und irgendwann hatten wir die Schnauze voll davon, dass wir unser erfolgreichstes Projekt offensichtlich sang- und klanglos gegen die Wand gefahren hatten", erinnert sich der inzwischen 52-jährige Tempest zurück, "also rauften Gitarrist John und ich uns 2004 zusammen, um Europe mit drei neuen Mitgliedern auch im 21. Jahrhundert einen Stellenwert zu verleihen."

Blues-Metal-Rock-Mix


Seither zu hören ist ein Blues-Metal-Rock-Mix, der stark an Deep Purple, Led Zeppelin oder Van Halen erinnert - ganz wie in den Anfangstagen der Gruppe. Das sieht auch Joey Tempest so, wenngleich er relativiert: "Auf den ersten beiden Alben waren wir eine progressive Heavy-Rock-Band, aber das war uns nicht genug. Ich bin Songwriter und wollte schon immer über den stilistischen Tellerrand hinausschauen. In einem schwedischen Musikgeschäft habe ich ein Keyboard aus Japan entdeckt und war völlig begeistert davon. Mitte der 80-er waren die goldenen Jahre der analogen Keyboards. Als Songwriter musste ich einfach damit experimentieren."

Ein wenig recherchiert


Ein bisschen klingt dieses Statement wie eine Ausrede dafür, dass Joey Tempest die Hauptattraktion von "Rock Meets Classic" 2016 ist. Und richtig überzeugend ist auch die folgende Aussage nicht: "Ich habe mir genau erklären lassen, was das Konzept hinter der Show ist und als ich hörte, dass Ian Gillan von Deep Purple schon zweimal dabei war und Alice Cooper gerne wieder mitmachen würde, wurde es interessant für mich. Ich habe mir Videos davon angesehen und ein wenig recherchiert. Streicher sind sehr natürliche Instrumente, nicht so wie Keyboards, und ich liebe den Klang und die Atmosphäre, die man aus diesen Instrumenten ziehen kann."

Und weiter erzählt er: "Auf unserer Platte "Last Look At Eden" von 2009 haben wir auf vier Songs schon Streicher aus Prag verwendet. Für mich klingt das spannend, aber dass mein Held Ian Gillan bereits mitgemacht hat, war am Ende entscheidend für die Zusage. Als die Veranstalter mir sagten, ich solle diese Show headlinen, fühlte ich mich sehr geehrt. Ich freue mich jedenfalls darauf."

"Rock Meets Classics" gastiert am Samstag, 16. April (20 Uhr) in der Regensburger Donau-Arena.

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0

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