Sängerin Sarah Connor bei den Regensburger Thurn-&-Taxis-Schlossfestspielen
Perfekte Pop-Show endet mit Geständnis

(Foto: msr)
Kultur
Regensburg
20.07.2016
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Für ihren deutschen "Muttersprache"-Popschlager wird die Sängerin Sarah Connor bei den Regensburger Thurn-&-Taxis-Schlossfestspielen mit Handylampen gefeiert. Fast nebenbei verrät sie ihre erneute Schwangerschaft.

Mit einem Programm aus ihrem "Muttersprache"-Album war Sarah Connor heuer einer der angesagtesten Acts der 14. Schlossfestspiele in Regensburg. Mit harten, wuchtigen Schlägen läutete Drummer Felix Lehrmann verdeckt von einem schwarzen Plastikvorhang die von Anfang heftig bejubelte Show ein. Sie endete unerwartet mit einem Geständnis, das sich indirekt bereits im Outfit der Sängerin angedeutet hatte. Als letzte Zugabe kündigte sie einen Song an, den sie "als Mutter von drei, bald vier zauberhaften Kindern" geschrieben habe.

Gefeierte Hymne


Damit erklärte sich der tarnfarbene Überwurf, den sie während des Auftritts trug. "Augen auf" wurde damit zur gefeierten, Augen befeuchtenden Hymne. Von vielen Zeile für Zeile mitgesungen, wie zu Konzertbeginn auch das pathetische "Halt mich". Bei dem am ehesten noch politischen "Augen auf" gingen auf der Tribüne Lichter und Ministrahler an. Stehend sangen und schwenkten viele ihre Handylampen.

Zwar ist zu bezweifeln, ob der Song irgendjemanden dazu bringt seinen "Arsch endlich hoch zu kriegen", wie die persönlich engagierte Chanteuse sang. Es sei "Zeit aufzustehen" haben schon BAP, der umstrittene Xavier Naidoo und andere Pop- und Schlagerkünstler gefordert. Dass es Sarah Connor mit ihrem ersten deutschen Liederprogramm jetzt auch tut, ehrt sie. Dennoch lässt sich an dem für Toleranz werbenden Lied einiges festmachen. Wie jedes Mainstream-Lied ist es sehr allgemein und teils schwammig gehalten.

Wenn Connor nach dem Gott fragt, der zulässt, dass Menschen in seinem Namen quälen oder Frauen hinter Männer gehen, bleibt undeutlich, wenn sie meint. Den christlichen Gott? Allah? Den rächenden Jahwe? Es ließe sich auch einwenden, dass es patriarchalische Strukturen sind, die Frauen unterdrücken und auf Abstand halten. Gesellschaftliche Prägungen also, wie sie auch hierzulande vor nicht langer Zeit gang und gäbe waren.

Umjubelter Auftritt


Der eigentliche Einwand bei Connors umjubelten Festspielauftritt zielt auf einen anderen Aspekt. Musikalisch, vom Timing und ihrer sympathischen Moderation war das Konzert - fast - perfekt durcharrangiert und -choreografiert. Die Band mit Jazzgitarrist Torsten Goods und dem tollen Perkussionisten Maximilian Klaas ist erstklassig. Das Manko liegt in Connors Wechsel vom soul-rockigen Song auf das deutschsprachige Poplied.

Fast wie Schlager


Damit ist die Musik verflacht, die Arrangements haben an Kraft, Tiefe und Aussage verloren. Während ihres Konzertes wurde das vor allem nach der Pause im zweiten Teil deutlich. Da kramte die 36-jährige Delmenhorsterin einige ältere englisch gesungene Songs hervor. Die Band gab ordentlich Gas und Connors kraftvoller und ausdrucksstarker Gesang gewann sofort hörbar Kontur. Einem großen Teil ihrer deutschen Poplieder fehlt es ein solches eigenständigen Profil. "Wie schön du bist", "Bedingungslos" oder das Gregor-Meyle-Cover "Keiner ist wie du" könnten auch von Andrea Berg oder irgendeiner anderen deutschsprachigen Schlagersängerin sein.

Der Unterschied wäre marginal. So wie Connor sich inhaltlich-textlich abgeschliffen hat, ist auch die Musik unverbindlicher, deutlich angepasster an den aktuellen Helene-Fischer-Trend geworden. Selbst ihre früher unverkennbare Stimme klingt mit Ton- und Textverschleifungen, hingehauchten Gefühlsvorspiegelungen und manierierter Brüchigkeit anderen Sängerinnen zum Verwechseln ähnlich. Die große und unverkennbare Sarah Connor der kometenhaften Anfangszeit ist austauschbar geworden. Damit hat sie zwar neues Publikum hinzu gewonnen und viele alten Fans sind ihr gefolgt und ebenso auf den allenthalben sausenden Deutschpop-Zug aufgesprungen. Musikalisch gut getan hat es ihr nicht. Dafür bringt sie Familie und Kinder finanziell vermutlich besser über die Runden.
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