Schlossfestspielen in Regensburg: Ostbayerische Künstler bringen "The Wall" auf die Bühne
"The Wall": fürstlich, fetzig, fulminant

Bombastische Inszenierung: Der Cantemus-Chor singt mit (von links) Martin Strasser, Markus Engelstädter, Lisa Wahlandt und Steffi Denk, während vier Trommler vor der Bühne im Regensburger Schlosshof den Takt angeben. Bild: Werner
Kultur
Regensburg
22.07.2015
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Eine gewagte Inszenierung: Ostbayerische Künstler haben bei den Schlossfestspielen in Regensburg "The Wall" auf die Bühne gebracht. Ihre Interpretation von Pink Floyds Meisterwerk - meisterhaft!

Exakt 25 Jahre ist es her, als Pink Floyd mit "The Wall" am Potsdamer Platz nicht nur Musikgeschichte schrieben. Mehr als 300 000 Menschen feierten die britische Band - und den Fall der Mauer. Die Perfektionisten um Frontmann Roger Waters lieferten dabei eine Bombast-Show ab, die sich bis heute in das Hirn und Herz der Fans gebrannt hat.

Rock-Oper bei den Regensburger Schlossfestspielen

Am Dienstagabend wagten die Größen der ostbayerischen Musikszene eine Inszenierung der Rock-Oper bei den Regensburger Schlossfestspielen. Der Mut wurde belohnt - die knapp 3000 Zuhörer feierten die Künstler in der wunderbaren Sommernacht frenetisch. Die Idee, den Klassiker von Pink Floyd auf die Bühne zu bringen, trug der gebürtige Weidener Gerwin Eisenhauer schon länger in sich.

Vor einem Jahr wurden dann Nägel mit Köpfen gemacht, quasi der Grundstein für "The Wall" gelegt. Rund 150 Mitwirkende auf der Bühne im Schlosshof - eine Riesenaufgabe. Nach den knapp drei Stunden (inclusive 50 Minuten Pause) ist den Künstler die Erleichterung anzumerken, das Meisterwerk von Waters mit jede Menge Schmackes und viel Gefühl interpretiert zu haben.

Perfekte Akustik

Es passt ein Stein auf den anderen: Die umwerfende Akustik im Schlosshof ist die Grundlage für den perfekten Sound. Die Streicher und der Cantemus (Kinder-)Chor kommen so perfekt zur Geltung, ebenso die Gitarrenriffs von Andreas Blüml. Es ist, als wäre David Gilmour, genialer Leadgitarrist von Pink Floyd, leibhaftig auf der Bühne. Diese Messlatte zu meistern - das ist echter Rock'n'Roll.

Unter den fünf exzellenten Sängern sticht einer besonders hervor: Martin Strasser. Er zeigt neben den stimmlichen Fähigkeiten das meiste Charisma. Die Zerrissenheit dieses Rockstars namens Pink, der um sich eine Mauer errichtet, setzte Strasser perfekt um. Einerseits melancholisch andererseits kraftvoll, ekstatisch und lethargisch - Strasser stiehlt Markus Engelstädter ein wenig die Schau. Wobei Engelstädter im zweiten Teil als explosive Rampensau die Bühne massiv rockt.

Sängerinnen-Trio interpretieren "Comfortably numb"

Stark auch die das Sängerinnen-Trio Lisa Wahlandt, Steffi Denk und Lisa-Stadler. Wahlandt ist es vorenthalten, "Comfortably numb" zu interpretieren - ein Gänsehaut-Moment. Originelle und nicht zu aufgesetzte Spielereien tun ihr übriges, um den Spannungsbogen des nicht unkomplizierten Konzeptalbums aufrecht zu erhalten. Als vier Blechtrommler bei "Bring the boys back home" die Treppe der Zuschauerränge runtermarschieren, wandert die Aufmerksamkeit quer über den Schlosshof. Bernd Meyer, gemeinsam mit "Geff" Eisenhauer musikalischer Leiter, streichelt sein Piano bei einem kurzen Solo, um später am Akkordeon aufzuspielen - großes Theater!

30 Millionen Mal hat sich das Album "The Wall" verkauft, sicher auch wegen der Schüler-Hymne "Another brick in the wall". Der Cantemus-Chor singt den Part inbrünstig. Pink Floyd machen eigentlich keine Tanzmusik - bei dem Ohrwurm bleibt aber keiner sitzen. Auch Fürstin Gloria, die sich kurz vor Ende des Konzertes die Ehre gibt, schwingt locker mit den Hüften.

Drei Zugaben

Ein fabelhafter Abend, nicht nur für Nostalgiker! Für Pink-Floyd-Puristen stellt sich nur die Frage, ob es tatsächlich dreier Zugaben bedurft hätte. Die Rock-Oper endet mit "Outside the Wall" und nicht mit dem Klassiker "Wish you were here" oder einer XXL-Version von "Another brick in the wall". Das Publikum ist jedenfalls dankbar für Extra-Stücke, es kommt gegen Ende immer mehr in Fahrt. Jubel für die "Local Heroes", für einen bombastischen Abend.
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