Seines eigenen Glückes Autor

Sonst steht Manfred Segerer hinter der Kamera und holt sich Promis vor die Linse. Seit er unter die Schriftsteller gegangen ist, sieht er sich öfters mit vertauschten Rollen konfrontiert. Bild: hfz
Kultur
Regensburg
26.03.2015
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Immer schneller, weiter, höher, immer mehr: Die Gesellschaft bewegt sich zwischen stets weiter gefassten Extremen. Zeit zur Ruhe und Rast gönnt sich niemand mehr. Muss ich das alles mitmachen? Dieser Frage geht der Regensburger Schriftsteller und Star-Fotograf Manfred Segerer in seinem neuen Werk nach. Eine Art Selbstversuch.

"Glücksverweigerer - Die Unverbindlichkeit 2.0" heißt der gesellschaftskritische Roman des Regensburgers Manfred Segerer. Im Gespräch mit der Kulturredaktion verhehlt er keineswegs, dass sein zweites Buch durchaus autobiografische Züge beinhaltet. "Ich bin als Fotograf viel unterwegs. Egal ob an den roten Teppichen in Venedig, Cannes oder in Amerika. Mir geht es beruflich sehr gut. Das konnte ich von meinem Privatleben nicht immer behaupten", sagt der Autor. Seine Frau hätte sich das Zusammenleben sicher etwas anders vorgestellt. Auch wenn Beziehungen heutzutage nicht mehr so lange hielten wie noch zu seiner Eltern Zeiten. "Ich wollte mein Leben bewusst entschleunigen sowie einfach und glücklich leben."

Dazu gehört eine kleine Familie, der er entsprechend Zeit widmen kann. Geld und Luxus dürften nicht das Wichtigste im Leben sein. "Ich brauche nicht mehr jeden Unsinn mitmachen. Immer das neuste Handy oder an Orten tauchen, an denen sich bisher noch niemand versuchte." Der 49-Jährige vermisst tradiertes Denken in alten Werten. Ein Blick in seinen Freundeskreis bestätigt ihn: "Wenn gleichaltrige Freunde inzwischen zum vierten Mal verheiratet sind, stelle ich denen schon die Frage ,Glaubst du denn, dass es diesmal hinhaut?'." Frauen sind für den Regensburger heute mehr Mann denn Frau. "Während ,Sie' mit dem Schlagbohrhammer auf der Baustelle hantiert, liegt ,Er' wegen eines Schnupfens krank auf der Couch."

Keine Ruhephasen

Deswegen kreiert Segerer in seinem Werk auch die Figuren "Adam und Eva 2.0". Der Vermutung, dass es sich dabei um ihn und seine Frau handeln könnte, widerspricht er zwar, schränkt aber ein: "Ich musste mich schon fragen, ob ich so weitermachen wollte wie bisher." Eine SMS um 3 Uhr morgens und Segerer rückte als Fotograf zu einem Unfall auf der Autobahn aus. Um 9 Uhr folgte ein Termin in München und um 14 Uhr einer in Hannover: "So ist das Geschäft, aber die Ruhephasen fehlten einfach. Früh im Hotel wusste ich teilweise nicht mehr wo ich eigentlich war, weil sich viele Unterkünfte ähneln." So trat Segerer bewusst auf die Bremse und stellte sich die Frage, wo er sich denn in fünf Jahren sieht. 300 Tage im Jahr auf Reisen zu sein machte ihn trotz lukrativer Verdienstmöglichkeiten nicht mehr glücklich. "Zeit mit der Familie und Freunden ist jetzt viel wichtiger", betont er

Stärkere Auswahl

Dieser Ausstieg aus dem Hamsterrad und zahlreiche Beobachtungen veranlassten ihn zum Schreiben. "Ich denke, das Buch ist nüchtern geschrieben, ich trete niemandem auf die Füße. Dagegen erkennen sich viele Leute in ,Adam und Eva 2.0' wieder." Seine Besuche an den roten Teppichen dieser Welt, hat Manfred Segerer nicht vollends aufgegeben. "Ich mache weniger und nur mehr diese Aufträge, die mich auch wirklich interessieren. Ich selektiere mehr als vorher." Und die Mehr-Zeit mit seiner kleinen Familie macht ihn zu einem glücklichen Menschen.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.manfred-segerer.de
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