Sir James mag's etwas ruhiger

Das vorletzte Konzert einer langen Tour: Auch in Regensburg sorgte James Last (86) für Begeisterungsstürme seiner wie er in die Jahre gekommenen Fans. Bild: hou
Kultur
Regensburg
27.04.2015
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Die Flamme lodert nicht mehr so wie einst. Aber der Brandmeister ist ja auch schon 86. Andere sind im Altenheim. Er steht auf der Bühne und macht Musik. Da ist die Welt auch abends um zehn für die Fans von James Last in Ordnung.

Der alte Fahrensmann ruht wie eh und je in sich selbst. Sein Tagewerk hat er lange vor diesem Konzert in der Regensburger Donau-Arena vollbracht. Programm erstellen, die Arrangements für seine 30 Orchestermitglieder und den fünfköpfigen Chor schreiben. Das ist die eigentliche Nagelprobe, wenn James Last auf Tournee geht. Der Rest besteht aus einer Kür, über der da steht: "Seht her, mich gibt es noch!"

Die anderen aus seinem Big-Band-Genre sind längst gegangen: Billy Vaughn, Herb Alpert, Enrico Mantovani, Percy Faith. Die Party geht freilich nicht mehr so ungezügelt ab wie früher. Da standen sie alle schon nach dem zweiten Song vor der Rampe. Doch mit ihm sind auch seine Fans älter geworden. Was jetzt noch zählt nach all der Zeit, ist: Mach' einfach Musik, Hansi!

2500 Besucher

Wie viel tausend Songs hat er in seine Alben gepackt, der legendäre Bremer Stadtmusikant? In einem Interview sagte er einmal: "Ich weiß es selbst nicht mehr." Und so besteht dieser zweieinhalbstündige Freitagabend vor 2500 Leuten aus einem in der Tat wundervollen Spaziergang durch die Last-Welt. Allerdings langsamer und bedächtiger als ehedem. Folglich mag der Funke mitunter auch nur zögerlich überspringen.

Last und seine Solisten machen "Pirates of the Caribbean", sie servieren eine poppige Version von Bachs Präludium, kommen mit einem flotten "Sabre Dance" daher. Es gibt einen vorzüglich disponierten Chor, Schlagzeug- und Trompetensoli. Doch getanzt wird erst, wenn "Wien bleibt Wien" erklingt.

Nach der Pause dann die Diamanten aus der Edelsteinsammlung des Grandseigneurs mit dem Lagerfeld-Zopf. Es beginnt zu brodeln, endlich kommt Stimmung in die Betonhalle. Der "Orange Blossom Special" fegt wie ein Tropensturm daher. Party-Time mit Ohrwürmern wie "Biscaya" und einem Last-Medley, mit dem "Reel Express", dem "Einsamen Hirten" und einem fulminanten "Glad you came". Sir James steht wie ein Fels in der Brandung, lächelt smart, dirigiert lässig mit der rechten Hand sein Orchester und vermittelt das Gefühl: Da, wo er vor die Leute tritt, ist auch abends um zehn noch die Welt in Ordnung. Ihn, den Kapitän auf dem Traumschiff der Melodien, bringt nichts mehr aus der Ruhe.

"Danke Hansi"

Das letzte Konzert? Eine Abschiedstour? Mit seinem Namen kann kokettiert werden. "The Last Concert" muss nicht "The last Farewell" sein. "Danke Hansi", prangt in Leuchtbuchstaben auf der Bühne. Doch er selbst gibt die Nachricht aus: "Vielleicht sehen wir uns in zwei oder drei Jahren wieder." Schön wär's ja. Denn jemand wie er würde fehlen in einer Zeit, in der offenbar nur noch musikalische Eintagsfliegen schwirren und dann matt zu Boden sinken.
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