Süffig und mit Schmiss

Kultur
Regensburg
29.04.2015
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Den einen Sohn tötet er im Affekt, der andere fällt durch Feindeshand. Und als wäre es der blutigen Dramatik noch nicht genug, trifft's am Ende auch den Vater. Verbrannt bei lebendigem Leib. Gewaltige Bilder, vertont mit grellem Schlagwerk, schreienden Klarinetten-Ausbrüchen und einer verstörend feierlichen Schlussapotheose. Schwere Kost am späten Abend. Verdaulich angerichtet von den Prager Symphonikern, die Leos Janáceks düstere Tondichtung über Kosakenführer "Taras Bulba" diszipliniert und ohne klangliche Völlereien in Szene setzen. Dennoch, manch einer wäre wohl lieber mit den Nachklängen aus Dvoráks "Slawischen Tänzen" oder Smetanas "Verkaufter Braut" nach Hause gegangen. Musik aus Böhmen ganz nach dem Gusto des Publikums, mit der die Prager - an diesem Abend unter der Leitung des Österreichers Christian Arming - alle Hörerwartungen erfüllen.

Mit nötigem Schmiss die Tanzszenen aus Smetanas "Verkaufter Braut", mit sonorem Streicherklang und kantablem Schwung der Streifzug durch Dvoraks Tanzsammlung. Ein ums andere Mal gelingt den Pragern dabei das delikate Spiel mit Beschleunigung und Verzögerung. Unangestrengt und scheinbar aus dem Handgelenk heraus, süffig und schlank geformt. Eingebettet zwischen Smetanas "Tanz der Komödianten" und Dvoráks Polka-Ton: die Paganini-Rhapsodie für Klavier und Orchester. Ein groß angelegtes Variationswerk, das Sergej Rachmaninow den Klaviervirtuosen in die Finger schrieb und mit dem der junge israelische Pianist Boris Giltburg in Regensburg seine Visitenkarte abgibt. Verblüffend mit welcher Rasanz und Geschmeidigkeit er die technischen Herausforderungen meistert. Als Nachschlag drei wunderschön gestaltete Zugaben, abgerundet mit Rachmaninows bekanntem Prélude cis-Moll. Tosender Applaus.
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