Tage Alter Musik beginnen
Alte Musik, alte Gesichter

Ludwig Hartmann. Bild: dpa
Kultur
Regensburg
13.05.2016
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Harfe und Fiedel begleiten die acht Sängerinnen des tschechischen Tiburtina Ensembles: Mit ihrer geistlichen Musik entführen sie das Publikum in die Zeit des Mittelatlers. Bild: Tage Alter Musik

Aus bescheidenen Anfängen ist ein international renommiertes Festival geworden - die jährlich an Pfingsten stattfindenden "Tage Alter Musik" in Regensburg sind das Werk zweier Enthusiasten. Auch nach über 30 Jahren gehen den Initiatoren die Ideen nicht aus. Von 13. bis 16. Mai gibt es ein buntes Programm.

Alte Musik immer wieder neu entdecken - das ist der Antrieb für Ludwig Hartmann. Seit mehr drei Jahrzehnten organisiert er eines der international renommiertesten Festivals der historischen Aufführungspraxis in Regensburg. "Die Alte-Musik-Szene ist so lebendig und vielfältig und unser Entdeckerdrang noch immer ungebrochen", sagt der 58-Jährige im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Es sei vielmehr so, "dass wir unsere Ideen oft den finanziellen und personellen Möglichkeiten des Festivals anpassen müssen". Zusammen mit seinem Schulfreund Stephan Schmid und Geschäftsführer Paul Holzgartner stellt Hartmann die immer an Pfingsten stattfindenden "Tage Alter Musik" auf die Beine.

Wie gelingt es einem so kleinen Team von gerade einmal drei Leuten jedes Jahr aufs Neue, die führenden Ensembles der Alte-Musik-Szene nach Regensburg zu holen?

Ludwig Hartmann: Unser Antrieb ist die Begeisterung für Alte Musik, die schier unendliche Lust am Entdecken und der Reiz, an vier Festivaltagen die große Bandbreite von etwa 800 Jahren Musikgeschichte in den wunderbaren historischen Sälen und Kirchen der Weltkulturerbestadt Regensburg in exemplarischen Konzerten abzubilden. Weil unsere finanziellen Möglichkeiten nicht groß sind, muss die Organisationsstruktur so schlank wie möglich sein. Im Prinzip machen wir nahezu alles, was an Arbeit im Zusammenhang mit dem Festival anfällt. Wir, das sind zwei Ehrenamtliche, Stephan Schmid und ich, die wir das Festival vor 32 Jahren gegründet haben, und Paul Holzgartner, den wir vor 17 Jahren als Geschäftsleiter engagiert haben.

Wie entdecken Sie noch weniger bekannte Solisten und Ensembles, denen nicht selten nach ihrem Regensburg-Debüt international der Durchbruch gelingt?

Da gibt es verschiedene Wege. Zum einen bekommen wir tagtäglich unglaublich viele Bewerbungen zugeschickt, zum anderen beobachten wir ganz intensiv die weltweite Szene der Alten Musik und verfolgen die Entwicklungen auf dem Tonträger- und Videomarkt. Dabei ist unsere jahrzehntelange Erfahrung durchaus hilfreich.

Auch programmatisch erfinden sich die "Tage Alter Musik" immer wieder neu. Gehen Ihnen nach 32 Jahren nicht die Ideen aus?

Nein, überhaupt nicht. Die Alte-Musik-Szene ist so lebendig und vielfältig und unser Entdeckerdrang noch immer ungebrochen. Es ist eher so, dass wir unsere Ideen oft den finanziellen und personellen Möglichkeiten des Festivals anpassen müssen.

Es gibt mittlerweile an vielen Orten Konzertreihen, die sich der mustergültigen Interpretation alter Musik widmen. Was ist das Besondere am Regensburger Festival?

Die Besucher können konzentriert an vier Festivaltagen intensiv in eine Musikwelt eintauchen, die etwa 800 Jahre Musikgeschichte der unterschiedlichsten Genres umfasst, sei es Vokal- oder Instrumentalmusik, sei es geistliche oder weltliche Musik. Sie bekommen dabei eine hohe Qualität geboten von herausragenden Spezialisten-Ensembles. Dazu kommt das historische Ambiente der Kirchen und Säle, und niemand braucht ein Auto, weil alle Konzertorte fußläufig erreichbar sind. Nicht zu unterschätzen ist auch die Begegnung mit Gleichgesinnten in den Konzerten und danach.

Vor wenigen Wochen starb mit Nikolaus Harnoncourt einer der Pioniere der historischen Aufführungspraxis. Hat er Ihre Entscheidung Mitte der 1980er Jahre beeinflusst, mit bescheidensten Mitteln das Festival in Regensburg zu wagen?

Indirekt vielleicht, weil ich in meiner Jugendzeit als Knabensopran der Regensburger Domspatzen mit Harnoncourt die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach auf Schallplatte aufnehmen durfte. Das war höchst beeindruckend, wie er Musik erklärt und gemacht hat, und hat sicherlich bei mir das Interesse für die historische Aufführungspraxis schon in jungen Jahren geweckt.

Ist Harnoncourt jemals bei den "Tagen Alter Musik" in Regensburg aufgetreten?

Nein, das hat sich nicht ergeben.

Werden Sie auch noch bei der 50. Auflage der "Tage Alter Musik" ganz vorne mitmischen?

Das hoffe ich.

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Weitere Informationen:

www.tagealtermusik-regensburg.de
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