Tanzchef Yuki Mori begeistert durch außergewöhnliche Produktion "The House" am Theater ...
Grusel, Geisterhaus und Gänsehaut

Außergewöhnlich und erfrischend unkonventionell ist die Choreographie von Yuki Mori in "The House". Bild: Bettina Stöß
Kultur
Regensburg
03.11.2015
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Schlicht "The House" heißt die neue Produktion des Tanzchefs Yuki Mori. Aber dahinter steckt eine ganze Menge Konzept. Denn der Chefchoreograph vom Theater Regensburg hat sich für sein neues Werk von den guten alten Klassikern des Gruselfilms inspirieren lassen. Herausgekommen ist dabei eine faszinierend neue Form des Tanztheaters, die ebenso künstlerisch hochwertig wie originell ist.

Die erste und letzte Szene zeigt wie ein Graf ermordet am Boden liegt. Dazwischen spannt der Tanzchef, der in dieser Produktion auch Regie führt, in einer Rückblende einen großen Bogen, der den Blick auf die Vorgänge, Zusammenhänge und ein Beziehungsgeflecht freigibt, das die Entwicklung bis zur Tat spannend erklärt.

Originelle Schattenspiele

Dabei bedient sich Yuki Mori einer großen Breite an dramaturgischen sowie tontechnischen Einfällen, um die spannungsgeladene Atmosphäre in diesem Geisterhaus zu verdichten. Die Palette reicht hier von mystischen Beleuchtungen über quadrophonische Soundeffekte und originelle Schattenspiele. Hinzu kommt eine kongeniale Ausstattung von Léonie Droste, welche die Kostüme und das Bühnenbild aus Einflüssen des 19. Jahrhunderts und einer gewissen neuen Sachlichkeit des 20. und 21. Jahrhunderts geschickt zusammenmischt und damit ein in Schwarz, Weiß und ein wenig Rot gehaltenes Ambiente schafft, das bis ins kleinste Detail gut durchdacht ist.

Letzteres gilt auch für sämtliche Bewegungsabläufe und alle choreographischen Einfälle von Yuki Mori. Was dieser hier an Möglichkeiten des modernen Ausdruckstanzes auf die Bühne stellt, ist durchwegs beeindruckend.

Die Choreographie ist nur so gespickt mit originellen Details. Auch die in sich fließend übergehenden Formen von Ensembletanz, verschiedenen Gruppenbewegungen, Pas de deux und Solotanz bereichern diese Produktion ungemein. Die Musikauswahl, die von verschiedenen Thriller-Soundtracks bis hin zu Beethoven, Mozart, Satie und Rachmaninoff reicht, ist sehr durchdacht und komplettiert die Gänsehaut-Atmosphäre auf abwechslungsreiche Art.

Bis in die Fingerspitzen

Und dann ist da natürlich noch Yuki Moris großartiges zehnköpfiges Ensemble, das seine Choreographie bis in die Fingerspitzen leidenschaftlich umsetzt. Das gilt für Simone Elliott als Gräfin, Alessio Burani als Graf und Harumi Takeuchi als Kind ebenso wie für die gesamte Tanzcompagnie.

Deshalb ist der sehr intensive und langanhaltende Applaus am Uraufführungsabend im fast ausverkauften Regensburger Theater im Velodrom in jeder Hinsicht gerechtfertigt.
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