Theater Regensburg: Frerk Brockmeyer über Nick Hornbys Monolog
Die sonderbaren Grenzen der Kunst

Vom Beschützer eines viel beachteten und umstrittenen Kunstwerks zum Bewacher einer Zwiebel: Der Museumswärter Dave (Frerk Brockmeyer) in Nick Hornbys Monolog "Nipple Jesus". Bild: Theater Regensburg
Kultur
Regensburg
16.02.2015
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Wie weit darf Kunst gehen? Dies ist das Thema in Nick Hornbys Monolog "Nipple Jesus". Die Besucher des Theaters Regensburg sahen einen beeindruckenden Frerk Brockmeyer - und erlebten am Ende eine überraschende Wendung.

Ein Monolog eines zeitgenössischen Theaterautors über ein modernes und provozierendes Kunstwerk könnte leicht Gefahr laufen, ziemlich klischeehaft mit oberlehrerhaftem Zeigefinger gegen das sogenannte Kunstbanausentum zu ziehen. Aber in dem Ein-Personen-Stück "Nipple Jesus", das auf der im Jahre 2002 erschienenen gleichnamigen Kurzgeschichte aus der Feder des britischen Popkultur-Autors Nick Hornby beruht, überrascht eine originelle Wendung zum Schluss. Natürlich geht es auch hier zunächst um das Verständnis für ein hoch umstrittenes Kunstwerk. In diesem fiktiven Fall soll eine Collage aus weiblichen Brustwarzen, die noch dazu aus Pornoheften ausgeschnitten sind, den Kopf und Brustbereich des am Kreuz leidenden Jesus zeigen. Und damit stellt sich natürlich auch die gerade in diesen Tagen aufgrund aktueller Ereignisse wieder einmal in den Mittelpunkt gerückte Frage: Wie weit darf Kunst gehen?

Türsteher im Museum

Aber bei Nick Hornby geht es um mehr. So lässt er in seiner Geschichte den ehemaligen Türsteher Dave, der als Museumswärter einen neuen Job bekommen hat und nun das besagte provozierende Kunstwerk bewachen soll, über dieses Thema erzählen. Dave beleuchtet und analysiert nicht ohne Humor die Charaktere derjenigen Museumsbesucher, welche an dem Bild Anstoß nehmen, und er solidarisiert sich immer mehr mit dem Bild und der Künstlerin, die es geschaffen hat. Als das Kunstwerk von aufgebrachten Gegnern schließlich trotz seiner strengen Bewachung zerstört werden kann, bricht für Dave die Welt zusammen.

Zuerst, weil er den Anschlag nicht verhindern konnte, aber noch viel mehr - und das ist hier das Entscheidende -, weil er schließlich erfährt, dass die Künstlerin die Zerstörung des Bildes aus Gier nach Public Relations sogar erhofft und somit in ihr Konzept eingeplant hatte. Dave war somit nur ein unbedeutendes Rädchen in ihrem durchtriebenen Plan. Danach ist sein Leben als Museumswärter weniger spektakulär, denn jetzt "bewacht" er lediglich eine überdimensionale, künstlich geschaffene Zwiebel.

In Zusammenarbeit mit dem Regensburger Kunst- und Gewerbeverein widmet sich nun auch das Theater Regensburg der Bühnenfassung von Hornbys Kurzgeschichte. So agiert in diesem rund einstündigen Monolog der Schauspieler Frerk Brockmeyer in den Ausstellungsräumen des Kunst- und Gewerbevereins. Und Brockmeyer macht seinen Job wirklich gut. Er erzählt seine Geschichte mit sympathischer Lockerheit, kostet entspannt Erzählpausen aus und lotet geschickt das amüsierende Potenzial des Stoffes aus. Seine schauspielerische Präsenz wirkt sich beeindruckend direkt auf das Publikum aus.

Kompliment für Regisseur

Auch die kreative Ausnutzung der akustisch und optisch bespielbaren Flächen in den Schauräumen sorgt für Kurzweil. In Bezug auf diese Bewegungsabläufe gilt das Kompliment auch dem jungen Regisseur Jona Manow. Ausstatterin Dorit Lievenbrück hatte bei dieser Produktion aufgrund der voll behängten Ausstellungsräume und der realen Museumsatmosphäre wenig zu tun, komplettiert aber durch die gelungen gestaltete Riesenzwiebel den unterhaltsamen Abend. Der langanhaltende Applaus am Premierenabend war in jeder Hinsicht gerechtfertigt.
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