Thomas Enzingers Inszenierung vom "Weißen Rössl" am Theater Regensburg beeindruckt durch ...
Herrlich entstaubtes Glück am Wolfgangsee

"Artistische Fähigkeiten" sind gefragt wenn der Zahlkellner Poldi (Matthias Wölbitsch), die Wirtin Josepha (Vera Semieniuk) und der Kellner Gustl (Robert Herrmanns) in Thomas Enzingers Inszenierung von Bentzkys Singspiel "Im weißen Rössl" zugange sind. Bild: Juliane Zitzlsperger
Kultur
Regensburg
07.12.2015
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Mit den Worten "Fußball interessiert mich nicht" und "Ma kann doch ned olles unterschreiben, was einem so auf den Schreibtisch kommt", antwortet der Zahlkellner Leopold auf Kathis feierliche Ankündigung, dass der Kaiser dem "Weißen Rössl" einen Besuch abstatten wird. Als der Poldi aber dann drauf hingewiesen wird, dass es sich beim Kaiser nicht um die heutige Lichtgestalt des Rasensports, sondern um den leibhaftigen Regenten der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn handelt, probt er mit dem Theaterpublikum in bester komödiantischer Alleinunterhalter-Manier erst einmal "O du mein Österreich".

Witzige Details

Das ist nur eines von vielen originellen und witzigen Details, welche in Thomas Enzingers neuer Inszenierung von Benatzkys berühmtem "Weißen Rössl" am Theater Regensburg beeindrucken. Man kann hier nicht einmal annähernd aufzählen, was sich der Regisseur alles einfallen lässt, um den 1930 uraufgeführten Singspiel-Schinken in eine entstaubte und dem heutigen Humor gerechte Form zu bringen. Vom auf die Schippe genommenen Nordic-Walking und satirisch modernisierten Textveränderungen über witzige und gleichzeitig kreative Ensembletänzchen bis hin zu Anspielungen auf den dümmlichen Lederhosensex der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts reicht hier die Palette. Selbst das überdrehte Krähen des Hausgockels oder selbstironische Anspielungen auf die (gewollte) Naivität der Kulisse sorgen hier für großes Amüsement. Hinzu kommen durchwegs gut durchdachte Bewegungsabläufe und Enzingers beeindruckendes Gespür für dramaturgische Spannungsbögen. Komplettiert wird dieses amüsante Spektakel durch die dazu hervorragend abgestimmte Ausstattung von Thorsten Mittelstädt - der sich bekanntlich gerne nur "Toto" nennt - sowie durch die originelle Choreographie von Harald Kratochwil. Allen Bühnenakteuren muss man in dieser Produktion großes Lob aussprechen. Ganz besonders gilt das für Matthias Wölbitsch, der in der Rolle des Zahlkellners Leopold neben seinen gesanglichen und schauspielerischen Fähigkeiten auch als Conférencier und Komödiant sein Können beeindruckend unter Beweis stellt.

Kommunikativer Kontakt

Köstlich ist die schauspielerische Leidenschaft von Doris Dubiel in einer Hosenrolle (ein amüsanter Einfall der Regie) als Urberliner Fabrikant Wilhelm Giesecke. Aber auch Vera Semieniuk als Wirtin Josepha, Anna Pisareva als Klärchen, Matthias Laferi als Rechtsanwalt Siedler, Robert Herrmanns als Gustl und Bergführer sowie alle anderen Beteiligten tragen zum Erfolg der Produktion bei.

Letzteres gilt auch für das Orchester, das unter Leitung von Tom Woods einen kommunikativen Kontakt zum Bühnengeschehen hält und auch die manchmal etwas modernisierten Grooves mit Energie und Leidenschaft umsetzt. Somit ist der intensive und langanhaltende Applaus am Premierenabend im gut gefüllten Theater am Bismarckplatz in jeder Hinsicht gerechtfertigt.
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