Tom Jones bei Schlossfestspielen
„Der Tiger“ rockt den Schlosshof

Der Tiger ist trotz seiner76 Jahre noch immer ein Gigant: 95 Minuten lang machte Tom Jones in Regensburg eine Show, die lange im Gedächtnis bleiben wird. Bild: hou
Kultur
Regensburg
22.07.2016
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Sir Thomas Jones Woodward ist ein Gentleman. Er macht die Fürstin zur "Princess", entschuldigt sich für seine halbstündige Verspätung und liefert ein Konzert ab, das als denkwürdig bezeichnet werden muss. 95 Minuten Tom Jones: Der ins Alter gekommene Tiger hat seine Krallen ausgefahren.

Der Himmel ist verhangen. Doch als er kommt, beginnt ein Feuerwerk, das noch lange in allen seinen farbigen Facetten im Gedächtnis bleiben wird. Tom Jones im Innenhof des fürstlichen Schlosses zu Regensburg, ein Weltstar in der Oberpfalz. Vor ausverkauftem Haus und einem Publikum, das ihm an den Lippen hängt und vieles kennt, das über die Rampe kommt. Manches aber auch nicht. Und genau das macht diesen Auftritt des 76-Jährigen zu einer Praline, die langsam auf der Zunge zergeht.

Der Mann aus Wales zelebriert eine Freundschaft, die damals begann, als er und Elvis Presley ihre große Zeit in Las Vegas hatten. Tom Jones macht einen Gospelsong von Elvis, er baut "Tomorrow Night" in sein Programm ein, setzt Zeichen der Zuneigung und Verehrung mit "The Day Elvis Died". Stimmgewaltig, mit ungebrochenem Timbre, eine Hommage der ganz besonderen Art. Einer, der dem anderen immer auf Augenhöhe begegnen konnte.

Voller Überraschungen


Dieses Konzert ist voller Überraschungen. Sir Tom macht "Mama Told Me Not To Come" und tut das besser, als es die Band Three Dog Night im Original jemals vermochte. Er liefert eine Version von Joe Cockers "You Can Leave Your Hat On" ab und beweist, dass die Briten im engen Schulterschluss zu Felde zogen, als es galt, den US-Rockern die Stirn zu bieten. Voran Cocker aus Sheffield und Jones aus Treforrest. Ja, Geduld. Es gibt sie natürlich, die Hitparade des Tom Jones. Der in keiner Weise müde gewordene Tiger faucht sein "It's Not Unusual" ins Mikrofon und er weiß auch, dass sein Programm nicht ohne "Delilah" und "Sex Bomb" abgehen kann. Meilensteine der Popmusik wie "Green Green Grass of Home". Das hatte später Elvis von ihm übernommen.

Neben Tom Jones stehen neun Musiker auf der Bühne. Grandios gute Solisten, jeder für sich. Sie könnten seine Enkel sein und marschieren auf, um der Legende (auch mit dem eher in Militärkapellen eingesetzten Sousaphon) Hilfestellung zu geben bei einem Zug durch fünf Jahrzehnte.

Leonard Cohens "Tower of Song" gibt es, Erinnerungen an Prince werden von Tom Jones zelebriert. Phänomenal, wie er die musikalischen Richtungen wechselt. Vom Ohrwurm eines Popsongs zum Bossa Nova, von der Ballade zum Rock'n'Roll und Hillbilly.

Ein Ereignis bis zum Schluss. Tom Jones hebt sich die absoluten Leckerbissen für das Finale auf. "Thunderball" explodiert wie eine Ladung Dynamit und macht deutlich, dass er diesen unglaublich guten Song damals ablieferte, als noch Sean Connery den James Bond spielte. Danach zum Abschied "Strange Things Happen Every Day" von Sister Rosetta Tharpe. Rock'n'Roll vom Feinsten und von Sir Tom so hinaus in den Schlosshof geröhrt, dass auch Fürstin Maria Gloriae von Thurn und Taxis in der ersten Reihe die Contenance aufgibt und diesen Abend, wie viele andere, mit einem Tanz vor der Bühne ausklingen lässt.

Artige Verbeugung


Tom Jones genießt das. Blumen, Küsschen und "We Love You" von der Fürstin für ihn. Das freut den Tiger und er dankt der "Princess", wie er Durchlaucht anredet, artig mit einer Verbeugung. Samt ganz "Regensbörg", das er nur von der Anfahrt her kennt und sich zwecks Ortsbezeichung erkundigt: "Is That Right?"
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