"Tristan und Isolde" mit hervorragend besetzten Titelrollen am Theater Regensburg
Mit viel Sensibilität für die Feinheiten

König Marke (Mario Klein) kommt zu spät. Tristan (in dieser Szene Schauspieler Alexander Benedikt als Double des Protagonisten) liegt im Sterben, während Isolde (links, als Double Michelle Völkl) um ihn trauert. Bild: Theater Regensburg/Jochen Quast
Kultur
Regensburg
30.09.2014
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Es gibt Opern, bei denen man vor allem auf die Inszenierung neugierig ist und die rein musikalische Interpretation manchmal etwas in den Hintergrund tritt. Zu solchen Opern gehört Richard Wagners 1865 uraufgeführtes Werk "Tristan und Isolde" sicher nicht. Zu gewichtig sind die Ansprüche dieser rund vierstündigen Partitur, als dass man hier der musikalischen Umsetzung nicht genügend Aufmerksamkeit zukommen lassen könnte.

In hochkarätigem Licht

Die aktuelle Produktion von "Tristan und Isolde" am Theater Regensburg profitiert jedenfalls von dieser Sichtweise und erscheint in hochkarätigerem Licht, wenn man hier das Hauptaugenmerk auf die Leistungen der Sänger und des Orchesters und nicht auf die Inszenierung legt. Denn das rein musikalische Niveau dieser Produktion ist beachtlich. Die große Qualität fängt mit den hervorragend besetzten Titelrollen an, zieht sich über alle Bühnenakteure und ist auch im Orchester zu spüren.

So gestaltet Dara Hobbs die Figur der Isolde sehr beeindruckend. Bei ihr paart sich ein filigraner Sinn für dynamische Nuancen mit geschmeidigen Phrasierungen bis in die höchsten Lagen sowie Durchsetzungsvermögen in den Forte-Stellen. Auch ihr schauspielerisches Talent verdient Lob. Bei der Premiere wächst auch Mikhail Gubsky gut in den Part des Tristan hinein, wenngleich er zu Beginn noch leicht geknödelt wirkt und auch sein Akzent etwas stark durchkam, was sich aber mit der Zeit verflüchtigte.

Großes Lob gebührt Adam Kruzel, der einen Kurwenal gibt, der ihm auf den Leib geschnitten scheint. Hier stimmt einfach alles, angefangen vom kraftvollen Ton, welchen Kruzel gefühlvoll zu dosieren weiß, über die verständliche Textartikulation, bis hin zur allgemeinen Bühnenpräsenz, welche der Regensburger Bass-Bariton hier ausstrahlt. Aber auch Mario Klein als König Marke, Matthias Wölbitsch als Merlot, Vera Egorova in der Rolle der Brangäne sowie alle anderen Bühnenakteure, inklusive dem von Alistair Lilley hervorragend einstudierten Chor sowie den als Doubles der beiden Hauptrollen agierenden Schauspielern Michelle Völkl und Alexander Benedikt, wirken souverän.

Das unter Leitung von Generalmusikdirektor Tetsuro Ban stehende Orchester hätte an diesem Premierenabend im Theater am Bismarckplatz zwar einige Passagen in der Ouvertüre noch etwas filigraner und geschmeidiger angehen können, beweist aber dann viel Sensibilität für die Feinheiten und dynamischen Verästlungen der Partitur. So schafft es Ban während der Liebestrank-Szene ein faszinierendes Pianissimo der Bässe zu legen, das kaum noch hörbar und gerade deshalb sehr effektiv wirkt.

Musikalische Qualität

Die Inszenierung von Lotte de Beer weist zwar mit der Parallelwelten-Idee, in welcher die beiden Hauptprotagonisten in ihren weißen Totenhemden die Geschichte quasi von hinten aufrollen, während in einer Plexiglas-Kabine die Doubles der beiden die Realität abbilden, einen ganz netten Einfall auf. Insgesamt wirkt das dann doch etwas dünn, vor allem weil dieser Plexiglas-Käfig und der etwas zu häufige Gebrauch der Drehbühne die gesamte Inszenierung sehr dominant prägen.

Dennoch kann man die Produktion aufgrund der musikalischen Qualität empfehlen. Dafür spricht auch der Premierenapplaus, der bei den Hauptdarstellern und dem Orchester zurecht intensiv wurde.
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