Tschechischer Meister der Collage: Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie würdigt Jirí Kolár zum ...
Der heiter-ironische Augentäuscher

Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie zeigt ab Sonntag mehr als 150 Arbeiten des tschechischen Collage-Künstlers Jirí Kolár. Bild: hfz
Kultur
Regensburg
22.11.2013
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Die Bilder Jirí Kolárs irritieren. Nicht so sehr aus der Ferne gesehen, da wirken sie relativ einheitlich. Die nähere Betrachtung allerdings verwirrt. Vermeintliche Porträts und Gegenstände sind nicht das, was sie zu sein scheinen. Sie lösen sich auf. Köpfe zersetzen sich in unterschiedliche Körper und Dinge. Das vermeintliche Bild wird zu einer Vielzahl anderer Bilder.

Jirí Kolár war ein Meister der Collage. Und zwar ein überaus prominenter. Der Augentäuscher, der seine Laufbahn als Schriftsteller begann, gilt als der bedeutendste tschechische Künstler. So tituliert ihn das Kunstforum Ostdeutsche Galerie, das Kolár ab Sonntag (24. November) mit einer großen Ausstellung würdigt. Anlässlich des 100. Geburtstages des Künstlers wartet das Museum mit einer Schau auf, die sowohl sein schriftstellerisches Werk umfasst als auch seine Leistungen auf dem Gebiet der Collage-Kunst.

150 Exponate

"Jirí Kolár - Collagen" - unter diesem Titel zeigt das Regensburger Museum mehr als 150 Exponate aus der Hand des 1914 im südböhmischen Protivín geborenen und 2002 in Prag verstorbenen Künstlers. Die Stücke aus Privatsammlungen, Museen und Kunsthandel geben einen Überblick über sein künstlerisches Schaffen und beleuchten gleichsam seine Entwicklung vom Dichter zum bildenden Künstler.
Hintergrund ist die damalige politische Situation in der Tschechoslowakei. Kolár, der 1945 für wenige Monate der Kommunistischen Partei beigetreten war, verurteilte später jegliche Form des Totalitarismus. Anfang der 50er Jahre wurde der unbequeme Denker wegen seiner Kritik am Regime inhaftiert, 1982 abermals in Prag verurteilt - diesmal allerdings in seiner Abwesenheit. Denn Kolár selbst lebte längst in West-Berlin und dann in Paris, wo er noch heute große Popularität genießt. Nach Tschechien kehrte er erst 1999 zurück.

Werke von Zeitgenossen

Der bildenden Kunst wandte sich Kolár Ende der 50er Jahre zu, als er in seiner Heimat Publikationsverbot erhalten hatte. Der Schriftstellerei blieb er auf besondere Weise verbunden. Denn auch bei seinen Bildern, Collagen aller Art, griff der Künstler immer wieder auf geschriebene Texte zurück. Schrifterzeugnisse und Reproduktionen bekannter Gemälde dienten Kolár als Materialien, aus denen er eine poetische Welt schuf.
Dass die Collage in seinem Umfeld eine beliebte Technik war, führt im Kunstforum die Gegenüberstellung mit Weggenossen vor Augen: Zu sehen sind dort auch Werke anderer tschechischer Collage-Künstler wie etwa Jindrich Stýrský oder Karel Trinkewitz sowie Gemeinschaftsarbeiten Kolárs mit Wolf Vostell, Rudolf Valenta und Pierre Alechinsky.

Jirí Kolár entwickelte völlig neue Collage-Techniken wie etwa die "Rollage", bei der die Bildteile als Streifen aufgerollt werden, und schuf mit Knoten- und Objektgedichten auch dreidimensionale Werke. "Jirí Kolárs Arbeiten spielen heiter-ironisch mit der Assoziationskraft des Betrachters", formuliert es Museumsdirektorin und Kuratorin Dr. Agnes Tietze. Dazu kommt ein gewisser "Déjà-vu-Effekt". Doch der leitet oft in die Irre. Denn Kolárs vermeintliche Porträts oder Reproduktionen alter Werke sind nicht das, was sie zu sein scheinen. Sie lösen sich auf - und entpuppen sich als meisterhafte Collagen.

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"Jirí Kolár - Collagen" ab Samstag, 23. November (19 Uhr), im Kunstforum Ostdeutsche Galerie. Dauer bis 23. Februar 2014. Weitere Informationen, auch zum Rahmenprogramm der Schau, gibt es unter Telefon 0941/297140.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.kunstforum.net
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