Uwe Kleinbrink als Kunstfigur Kurt Knabenschuh im Zaubertheater in Regensburg
Finger in Wunde des Irrsinns gelegt

Kultur
Regensburg
24.02.2016
63
0

Von Wolfgang Houschka

Regensburg. Er ist, wenn der Vergleich erlaubt ist, eine Art Gerhard Polt aus Nordrhein-Westfalen. Uwe Kleibrink heißt der Mann, dessen Namen man sich nicht unbedingt merken muss. Das Pseudonym Kurt Knabenschuh allerdings schon. Denn so tritt er im wahren Leben vor sein Publikum. Der pfiffige Knabenschuh stapft wackeren Schrittes durch die Gegebenheiten unserer Zeit. Zum Beispiel in Regensburg, wohin ihn Rudy Christl in sein kleines aber feines Zaubertheater geladen hatte. Im Regelfall regiert dort die Illusion. Diesmal die Realität. Mit Blicken in deutsche Wohnzimmer und Kühlschränke, auf Martinszüge in Wuppertal, Selbstoffenbarungen bei Facebook und Muttertage, deren erklärter Feind dieser Mann ist. Weil "Omma" dann immer von der Kriegsheimkehr ihres Mannes zu berichten pflegt. Kann jemand tatsächlich Sven-Malte Baltrum-Brömmelskamp heißen? Und daraus resultierend die Frage: Was tut man einem Knaben mit einer solchen Namensschöpfung an? Kurt Knabenschuh gibt keine Antworten. Aber er legt seine Finger in die Wunden des Irrsinns von Leuten, die ihren Nachkommen den Stempel des lebenslang Belächelten aufdrücken.

Zeitgeist ausgeleuchtet


Der Zeitgeist, den Knabenschuh bis in die hintersten Winkel ausleuchtet, spielt sich auch im Kühlschank ab. Dort sucht er, wie von seiner Gattin befohlen, verzweifelt nach dem Gurkenglas. Die Männer im Publikum erkennen sich wieder und Ältere erinnern sich ferner, dass es auch in ihrer Jugendzeit einen Sportlehrer gab, der lispelte und schon der Leibeserziehung unter Führers Zeiten begeistert gedient hatte.

Die Ehefrau hat ihn auch zu einem Schlagerfestival gezerrt. Ein Alptraum für die Herren. Gnadenlos und ätzend besonders dann, wenn sich die Damen enthusiastisch zu den Klängen von "Ein Festival der Liebe" wiegen, das ein in die Jahre gekommener Jürgen Marcus vorträgt. Von dort bis zur Operation der Nasenscheidewand ist es in Kurt Knabenschuhs Programm nur ein Katzensprung. "Hat fast jeder hinter sich". Und wenn nicht, dann irgendwer aus der Verwandtschaft oder Bekanntschaft. Auch im Ausland ist er gewesen, der wortgewaltige Kabarettist. Dort, wo deutsche Touristen jedes servierte Essen vor dem Verzehr erst einmal fotografieren. Hat man das letztes Jahr nicht erst in Griechenland, auf Mallorca oder in Italien miterlebt? Ist nicht jedem schon einmal die Sinnlosigkeit von Kochbüchern vor Augen geführt worden?

Ohne Tristesse der Politik


Wenn in 30 Sekunden die Filets angebraten und in dieser Zeit Zwiebeln geschält und auch alle anderen Zutaten pfannenfertig hergerichtet werden sollen? Ein köstlicher Abend. Ohne die Tristesse der Politik. Aber mit der Erkenntnis, dass Absurditäten unseren Alltag regieren. So wie der Martinszug in Wuppertal, bei dem zehn um Süßigkeiten bittende Kinder von 35 Erwachsenen begleitet werden, weil die Aussicht auf Schnaps bis zum Abwinken besteht. Und auf Schnittchen, die von der besoffenen Nachbarschaft notfalls aus dem Katzenklo gefischt werden.
Weitere Beiträge zu den Themen: Kabarett (100)Uwe Kleinbrink (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.