"Was dazwischen geschah": Ausstellung mit Bäuml, Bolck-Jopp, Haimerl-Brosch und Huber bei ...
Stoische Gelassenheit bekommt keiner geschenkt

Kultur
Regensburg
11.12.2014
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Sage mir, was Du schenkst - und ich sage Dir, wer Du bist! Wenn sich Wigg Bäuml, Ursula Bolck-Jopp, Renate Haimerl-Brosch und Jürgen Huber also gegenseitig zum 60. Geburtstag mit einer Ausstellung überraschen, dann zeigt das, wie ähnlich diese bildenden Künstler ticken. Dass alle Vier nämlich neben ihrer jeweiligen kreativen Berufung auch darauf getaktet sind, wie man den Berufskollegen das Künstlerdasein erleichtern kann, wie sich Wege ebnen und Brücken bauen lassen.

Bilanz einer Generation

Weshalb jeder von ihnen engagiert ist, sei es beim Berufsverband Bildender Künstler (Wigg Bäuml und Ursula Bolck-Jopp), als Gründerin und Leiterin des Atelier-Hauses in Neukirchen bei St. Englmar (Renate Haimerl-Brosch) oder als Gründervater des Kunstvereins "Graz" und Grünen-Bürgermeister der Stadt Regensburg (Jürgen Huber).

Gemeinsam ist den Vieren das, "was dazwischen geschah". Also die Details und Einzelheiten, die ihre Generation (zu der auch Kanzlerin Merkel zählt) biographisch kennzeichnen: Hineingeboren worden zu sein in eine Welt des Nachkriegs, die im Jahr Eins ihrer Existenz gerade wieder festen Boden gewann und Wundersames auf ihrer Agenda vorsah wie das Wiedererstarken der Wirtschaft und des Fußballs. Dann das Hineinwachsen in die anfangs noch bescheidene Wohlstandsgesellschaft der Nachkriegsbundesrepublik.

Die Begegnung mit Autoritäten, die sich ausschließlich autoritär gerierten. Das anschließende lautstarke Infragestellen althergebrachter Traditionen. Die gleichzeitige Empörung über das Hitzepotenzial des Kalten Kriegs. Die Gefahren, die mit der Zerstörung der Natur einhergingen. Das Aufzeigen von Alternativen. Das Engagement für zweite, dritte und vierte Wege. All die Verweigerungen und Eskapismen. Dann aber auch: Anzukommen und zu wissen, etwas bewirkt zu haben. Schließlich: Das Bedürfnis danach, Rückschau halten zu wollen und zu bilanzieren.

Von 1984 (ein Jahr noch bis Gorbatschow!) stammt der "Friedensvogel" von Bäuml: Ein gefundenes Stück Natur, eine Wurzel aus seinem Heimatort Waldthurn, veredelt von dem gelernten Kirchenmaler mit Polimentvergoldung und Blattsilber. Sechs Jahre früher bereits die Tuschearbeit "Hinterm Fenster": Ein, nicht nur in seiner handwerklichen Ausgereiftheit an Dürer gemahnendes Porträt einer sehr alten Frau, das gleichzeitig die Handschrift des 20. Jahrhunderts trägt: In surrealer Manier sind die Gesichtszüge dem Fensterrahmen einbeschrieben.

Netzwerk aus Draht

Ursula Bolck-Jopp hat sich dem Beiläufigen und Zufälligen verschrieben. Skizzenhaft wirken ihre oft auf Notizzetteln oder Blockblättern entstandenen Arbeiten, die städtische Szenerien mit Hochhäusern und Peitschenlampen festhalten, aber nur auf den ersten Blick: Wer genau hinschaut, entdeckt ihre Liebe zum Detail. Und ihr Faible für fragmentierte Perfektion. Eine Netzwerkerin auch im künstlerischen Sinne ist Renate Haimerl-Brosch: Ihre kleinen Wundermaschinen, fahrbare Badewannen etwa oder Schiffe, sind allesamt aus feinem Draht geflochten - und erhalten durch die spezielle Art der Hängung und der Lichtführung eine wunderbare schattenhafte Zusatzbedeutung. Als passionierte Taucherin weiß sie, wie sich das Schweben anfühlt. Mit ihrer Kunst vermittelt sie dem Betrachter genau diese Leichtigkeit.

Ein Explosionskünstler

Und Jürgen Huber? Der Bürgermeister, der sein Atelier für die nächsten fünf Jahre noch geschlossen halten muss, fügt sich ins Quartett ein als Farbmeister und Explosionskünstler, als derjenige, der seine vielarmigen Figuren und wuchernden Gegenstände tief in den Topf taucht und so in einen multiplen Rausch versetzt. "Ja", gibt er leise lächelnd zu: "Alles Lieblingsbilder! Die hängen sonst über meinem Bett!" Dass er nunmehr - schließlich handelt es sich um eine Verkaufsausstellung! - Gefahr läuft, seine "Herzblutstropfen" drangeben zu müssen, trägt er mit stoischer Gelassenheit. Eine solche Geisteshaltung aber muss man sich hart erarbeiten. Weil zum Sechzigsten bekommt die keiner geschenkt.

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Die Ausstellung ist bis 4. Januar 2015 in der privaten Akademie "Stadtkunst" in Regensburg (Prüfeninger Straße 30) zu sehen. Öffnungszeiten freitags von 14 bis 18 Uhr und an den Wochenenden von 14 bis 17 Uhr.
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