Zum Tod des Regensburger Musikers und Klangkünstlers Norbert Vollath
Der Sound-Sammler

Noch im September brachte Norbert Vollath in der Asphaltkapelle in Etsdorf (Kreis Amberg-Sulzbach) nicht nur sein Saxofon zum Einsatz, sondern auch elektronische Aufnahmen von der Westküste Irlands, die dem Publikum ein ganz neues Hörerlebnis bescherten. Bild: Petra Hartl
Kultur
Regensburg
04.10.2015
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Wir gehen oft so achtlos durch das Leben, registrieren scheinbar Wichtiges und hören nicht mehr auf die kleinen Dinge in der Welt. Das mag das Rauschen der Blätter oder eines Baches sein, ein Knacken im Kies oder das Zufallen einer Tür. Einer, der sich um diese besonderen Geräusche kümmerte, sie entdeckte und archivierte, war der Oberpfälzer Musiker und Klangkünstler Norbert Vollath. Am Donnerstag ist der Regensburger im Alter von nur 59 Jahren in Irland gestorben - den Blick aufs Meer gerichtet.

Zweite Heimat Irland

Irland war Norbert Vollath zur zweiten Heimat geworden. Er war nicht nur mit Patricia Doherty, die an der Kunsthochschule in Sligo lehrt, verheiratet, sondern verbrachte auch einen Großteil des Jahres auf der grünen Insel. Doch auch der Oberpfalz ist er immer treu geblieben.

1956 in Neustadt/WN geboren, zog es ihn nach der Schulzeit nach Regensburg. Dort studierte er Diplom-Pädagogik und tauchte Anfang der 80er in der lokalen Musikszene auf. Fernab vom Mainstream gründet er zusammen mit Heinz Grobmeier und Bertl Wenzl 1984 "Die Negerländer". Die Formation aus den Bereichen Jazz/Avantgarde/Neue Musik machte sich sofort einen Namen in der Region, ging sie doch unbequeme Wege, zerspielte vertraute Melodien und setzte sie wieder schräg, aber dennoch erkennbar, neu zusammen. Legendär waren ihre ersten Auftritte bei den Regensburger Stummfilmnächten, als die Klassikern wie Bustern Keatons "The General" oder Roul Walsh "Der Dieb von Bagdad" einen neuen Soundtrack gaben. Der Sound hat letztendlich das Leben von Norbert Vollath bestimmt. Ihm galt es, immer neue Klänge zu erhören und zu entdecken, sie künstlerisch brauchbar zu machen und in seine Projekte einfließen zu lassen. Neben seiner hauptberuflichen Arbeit als Leiter des Jugendtreffs in Schwandorf fand er immer die Zeit, sich "seinen Geräuschen" zu widmen. Nur die Klarinette oder das Saxofon zu spielen, war ihm zu wenig. Er spürte, dass da mehr in diesen Instrumenten steckte und er forderte sie immer wieder auf, dieses Geheimnis preiszugeben und neue Töne zuzulassen.

Ihn letztendlich nur als Musiker zu beschreiben, wäre viel zu wenig. Dafür war zu aufgeschlossen und immer für Erneuerungen zu haben. So gründete er zusammen mit Michael Reisinger 1997 das "Duo De Clarinettes-Basses, mit Anka Draugelates spielte er im "Duo Extrakt", mit der irischen Musiker Mary Ronayne-Keane formierte er das Duo " L'Isamon" oder trat mit der bayerisch-irischen Formation "Waterghost"auf.

Ein besonderes Anliegen war ihm auch immer die Verbindung zwischen Musik und Literatur. So hat er Autoren wie Friedrich Brandl, Harald Grill und Bernhard Setzwein auf zahlreichen Lesungen begleitet und an diesen Abenden unvergleichliche Akzente gesetzt. Auch auf vielen Hörbuchproduktionen des Regensburger Lohrbär-Verlags war er zu hören.

Konzerte in Europa

Doch nicht nur in der Oberpfalz war Norbert Vollath zu hören, seine Auftritte führten ihn durch ganz Europa und schließlich immer wieder nach Irland. Dort entstand 2014 die Klanginstallation "submerged IV", die er speziell für die Ausstellung "Into The Field" produzierte. Dafür steckte er Mikrofone in den Sandstrand und machte Wind und Wellen auf sonst unhörbare Weise hörbar. Auch für dieses und nächstes Jahr waren zahlreiche Konzerte und Lesungen in der Oberpfalz und Niederbayern geplant.

Mit dem Tod von Norbert Vollath verliert die bayerische Musik- und Kulturszene einen der interessantesten und vielseitigsten Köpfe. Ein Künstler, der immer neugierig geblieben ist für das Leben und die kleinen Geräusche darin.
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