Andrea Madesta benennt ihre Galerie nach sich selbst und startet mit dem "Zero"-Künstler Otto ...
Von Feuer und Rauch gezeichnet

Die Arbeiten Otto Pienes sprühen vor Dynamik. Die "Galerie Andrea Madesta" würdigt den zu Unrecht in Vergessenheit geratenen "Zero"-Mitbegründer mit einer Ausstellung. Bild: Wolke
Lokales
Regensburg
07.11.2015
77
0
Bislang gab sich Andrea Madesta zurückhaltend. Jetzt tritt sie aus dem Schatten ihres Vorgängers heraus. Die "Galerie Peter Bäuml", die sie vor rund eineinhalb Jahren übernommen hat, heißt fortan "Galerie Andrea Madesta". "Ich bekenne mich zu meinem Namen", sagt die Kunsthistorikerin bei der Eröffnung ihrer aktuellen Schau. Eine Feuertaufe? Immerhin zeigt die Ausstellung eine Reihe von Feuergouachen aus der Hand Otto Pienes.

"Ich werde oft gefragt: Wer ist Otto Piene?", erzählt Madesta. Darauf hat sie eine klare Antwort: "Otto Piene zählt zu den großen Protagonisten des 20. Jahrhunderts." Das steht für Madesta außer Frage und ist auch auf der Einladung zur Ausstellung festgehalten. Denn: Piene ist nicht nur der Erfinder und einzige Vertreter der Feuergouache - bei dieser Technik trug der Künstler schlichtweg Farbe auf den Bildträger auf, zündete diese im noch flüssigen Zustand an und ließ das durch Feuer und Rauch entstandene Zufallsgebilde anschließend drucken. Piene zählt zudem zu den Begründern der Künstlergruppe "Zero".

Diese 1958 ins Leben gerufene Vereinigung ist erst während der vergangenen zehn Jahre neu entdeckt worden, wie Madesta weiß. Nun gilt es also, Otto Piene, ebenso wie seine heute populäreren Mitstreiter Heinz Mack und Günther Uecker aus der Versenkung zu holen.

Eingebrannte Löcher

"Mit seinen Rauch- und Feuerbildern, den Lichträumen und Kunstprojekten im öffentlichen Raum hat Otto Piene die Kunstentwicklung bis heute maßgeblich geprägt", sagt Madesta über den 2014 verstorbenen Künstler. Dabei ist es gar nicht so einfach, Piene in eine Galerie zu bringen. Zumindest was einen Teil seines Werkes betrifft. Denn das mit Helium gefüllte Riesenpferd, das der Künstler über der Piazza del Campo in Siena aufsteigen ließ, zauberte zwar ein Lächeln auf das Gesicht jedes Zuschauers, ist aber in seiner Vergänglichkeit längst entschwebt. Ähnlich der zauberhafte Regenbogen, den Piene anlässlich der olympischen Spiele über den Himmel Münchens "zeichnete" - eines seiner sogenannten Sky-Art-Projekte. Dass Piene nun überhaupt in Regensburg zu sehen ist, verdankt die Galerie seiner zusätzlichen Hinwendung zu klassischen Genres. Madesta zeigt Grafik und Keramik des Künstlers. Wobei Piene auch hier durchaus neue Wege ging - die eingebrannten Löcher auf dem Papier lassen grüßen. Die radikale Erneuerung war bei Piene und seinen Wegbegleitern sozusagen eine Flucht nach vorne. Die Künstler fanden sich kurz nach Kriegsende zusammen. Die Kunstszene damals war ihrem Empfinden nach zu sehr geprägt von braunen Altlasten.

Befreite Kunst

Kurzum: Es war Zeit für einen Neuanfang - für Piene und den Rest hatte die Stunde geschlagen. Was sie anstrebten, war eine von der Vergangenheit befreite Kunst. Bei Piene äußerte sich dieser Ansatz vor allem in Dynamik. Das führen auch die Grafiken und die reliefartigen "Rasterkeramiken" vor Augen, die derzeit in der "Galerie Andrea Madesta" hängen. Bewegung, Farbe, Kraft - das ist es, was Otto Piene auszeichnet. Der Künstler markiert einen gekonnten Neuanfang. Auch was die "Galerie Andrea Madesta" betrifft. Feuertaufe bestanden.

___

Die Ausstellung "Otto Piene" läuft bis zum 8. Januar in der "Galerie Andrea Madesta", Obere Bachgasse 16, in Regensburg. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Samstag von 11 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung. Weitere Informationen gibt es unter Telefon: 0941/89939801 oder unter www.galerie-madesta.de.
Weitere Beiträge zu den Themen: Magazin (11335)November 2015 (9608)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.