Bürgermeister Roland Grillmeier diskutiert mit Städtevertretern über Zukunft der Ortskerne
Kleinstadt soll nicht Großstadt imitieren

Von ihren Erfahrungen in der Stadtentwicklung berichteten (von links) Brigitte Kuschel aus Immenstadt, Annegret Michler, ehemalige Stadtbaumeisterin Landsberg am Lech, Roland Grillmeier aus Mitterteich und sein Bürgermeisterkollege aus Roding, Franz Reichold. Bild: hfz
Lokales
Regensburg
11.05.2015
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Damit nicht immer mehr Menschen auf der Datenautobahn an den Innenstädten vorbeirasen, gab es ein Werkstattgespräch über die Zukunft der Stadtkerne. 120 Teilnehmer aus Kommunen, Stadtplanung und Unternehmen folgten der Einladung in die Industrie- und Handelskammer. Von den Erfahrungen in Mitterteich berichtete dabei Bürgermeister Roland Grillmeier.

Staatssekretär Florian Pronold erinnerte an unterschiedliche Trends im Städtebau, zählte die Sünden der autogerechten Stadt auf und die Folgen des Teilens von Städten in Zonen für Freizeit, Gewerbe und Wohnen. Dass Konflikte die Veränderungsprozesse in den Kommunen pflastern, wurde auch beim Werkstattgespräch deutlich.

Der Einzelhandel kann von Internet-Anbietern lernen. Das riet Helmut Hagner, Geschäftsführer der Frey-Modeerlebnishäuser in Cham, Marktredwitz und Schwandorf: "Was heißt das denn? Stressfrei einkaufen, Waren ohne Begründung zurückgeben können, Frei-Haus-Lieferung", zählte er auf.

Wie konträr die Entwicklung der Städte Roding im Landkreis Cham) und Mitterteich in den vergangenen Jahren verlaufen ist, stellten deren Bürgermeister dar. Roding hat sich zum prosperierenden Wirtschaftsstandort mit wachsender Bevölkerung entwickelt. Franz Reichold profitierte davon, dass bereits seine Vorgänger nicht zu den Anhängern einer Nahversorgung auf der Grünen Wiese gehörten, sondern den Erhalt der Innenstadt als Nahversorgungszentrum anstrebten. Dabei bleibt Roding, was es ist: "Eine Kleinstadt soll keine Großstadt nachahmen wollen", ließ Reichold die Kirche im Dorf.

Ganz andere Sorgen plagen Roland Grillmeier. Die Bevölkerung in Mitterteich sinkt. Der Umbau der Stadt ist in vollem Gange. Als wichtigen Dreh-, Angel- und Kommunikationspunkt sah er das Mehrgenerationenhaus auf dem Markplatz, das auch Impulse etwa für die Ansiedlung von Gastronomiebetrieben gebe. Wo der Immobilienmarkt keine Investitionstätigkeit mehr hergibt, setzt Grillmeier auf eine kommunale Entwicklungsgesellschaft und bleibt optimistisch. Weil ein Drogeriemarkt aufhörte und sich kein neuer ansiedeln wollte, stockte der örtliche Supermarkt sein Drogeriesortiment auf. Nicht einfach so, sondern weil Grillmeier überzeugt ist von der Vision der Innenentwicklung für seine schrumpfende Stadt, machte er in Regensburg deutlich.
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