Der Ritter als Firmenchef

Als ein moderner Don Quijote im Pas de deux präsentierte sich Fabian Moreira Costa) mit Dulcinea (Laia Garcia Fernandez) im Theater Regensburg. Bild: Juliane Zitzlsperger
Lokales
Regensburg
22.10.2014
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Seit zwei Spielzeiten ist Yuki Mori Ballettdirektor oder - wie er sich lieber nennt - Tanzchef am Theater Regensburg. Und im Gegensatz zu seinem Vorgänger Olaf Schmidt zeigen Moris Tanzabende eine wesentlich größere Hinwendung zum modernen Ausdruckstanz.

Nun präsentiert sich bei seiner neuesten Produktion "Don Quijote" ein etwas anderer Yuki Mori, der hier durchaus auch Elemente des traditionellen Balletttanzes einbezieht und dadurch eine interessante Stilmischung erschaffen hat, die es wert ist gesehen zu werden.

Gegen grauen Büroalltag

Von dem historischen Titel darf man sich allerdings nicht irre führen lassen, denn hier wird nicht gegen Windmühlen gekämpft, sondern höchstens gegen die "Windmühlen" im grauen Büroalltag der modernen Effiziensgesellschaft. Zwar gibt es auch hier einen Don Quijote, doch er ist kein Ritter auf dem Pferd, sondern als Firmenchef ein "Ritter" der zeitgenössischen kapitalorientierten Welt.

Sachliches Bühnenbild

Es gibt auch Dulcinea und Mercedes als Sekretärinnen, aber das ist dann schon ziemlich alles, was an Miguel de Cervantes' Romanvorlage erinnert. Und dennoch - oder gerade deshalb - bietet diese empfehlenswerte Produktion auf eine ganz eigene Art viel Erbauliches. In einem von Dorit Lievenbrück passend gestalteten Bühnenbild, das die Sachlichkeit der modernen Dienstleistungsgesellschaft repräsentiert, sieht man in verschiedenen Szenen geschickt verflochtene Tanzstile mit Elementen, die vom traditionellen Spitzentanz - den Mori hier besonders im Pas de deux integriert - bis zum experimentellen Ausdrucks- und Bodentanz reichen.

Vor allem im zweiten Teil scheut sich Mori nicht, in die Kiste der großen Gefühle zu greifen, wenn sich der Chef Don Quijote und die vorher von ihm gekündigte Dulcinea zu den romantischen Dreivierteltakt-Klängen der Ballettmusik von Léon Minkus im Pas de deux doch noch ihre Liebe eingestehen und das Happy-End an Hollywood denken lässt. Aber warum auch nicht, vor allem wenn ein Choreograph - wie Mori das hier tut - gerade bei diesem Pas de deux mit einer kreativ durchdachten Mischung aus den verschiedenen Tanzstilen zwischen Spitzentanz und Ausdruckstanz geschickt jongliert und originelle Hebefiguren auf die Bühne zaubert.

Kompliment an Tänzer

Für originelle Farbtupfer sorgte auch die Erweiterung von Minkus' Musik durch Klänge von Ludovico Einaudi oder Keith Kenniff. Die Kostüme von Katharina Meintke bringen zusätzlich eine Facette in die Produktion, da sich die Frauen neben den Business-Anzügen der Männer in schlichten, etwas an die frühen 50er Jahre des 20. Jahrhunderts angelehntem Outfit präsentieren.

Allen Tänzern muss man ein großes Kompliment für die bis in die Fingerspitzen beseelte Umsetzung der Choreographie machen. Wer einen teils traditionell geprägten und dennoch kreativen Tanzabend mit viel Herzblut und einem berührenden Happy-End erleben will, ist bei dieser Produktion im Regensburger Theater im Velodrom genau richtig.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.theaterregensburg.de
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