Deutschlands heimlicher Bestsellerautor

Die Wolfgang-Burger-Fangemeinde seiner Alexander-Gerlach-Krimis wächst stetig. Sie waren bereits zweimal für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert und standen mehrfach auf der Spiegel-Bestsellerliste. Bild: Eckhard Waasmann
Lokales
Regensburg
24.11.2015
17
0

Über 500 000 Bücher hat er verkauft, 17 Romane veröffentlicht, im Herbst erscheint sein Buch Nummer 18. Und dennoch kennt kaum jemand den Krimiautor Wolfgang Burger. Grund genug, das zu ändern!

Immer mehr Menschen in Deutschland verfolgen begeistert die spannenden Fälle von Kriminaloberrat Alexander Gerlach, dem Chef der Heidelberger Kriminalpolizei. Sie leiden mit ihm, wenn seine prickelnde Beziehung zur Ehefrau seines Vorgesetzten in Turbulenzen gerät, sorgen sich um seine pubertierenden Zwillingstöchter, die immer häufiger ihre eigenen Wege gehen und können es kaum erwarten, bis der nächste Roman voller amüsant geschilderter Verwicklungen erscheint.

Erfolgreiche Reihe

Den Mann, der die ungemein erfolgreiche Krimireihe erschaffen hat, kennen dagegen nur wenige. Wolfgang Burger, geboren 1952 in Oberwihl im idyllischen Südschwarzwald, lebt heute mit der Krimiautorin Hilde Artmeier zusammen, die zugleich seine Muse und seine kritischste Testleserin ist. Zudem ist er Vater von drei inzwischen erwachsenen Töchtern. Jahrzehntelang war er als promovierter Ingenieur in leitenden Funktionen an der Universität Karlsruhe tätig. Heute lebt er als freier Schriftsteller abwechselnd in Karlsruhe und Regensburg.

Ingenieur und erfolgreicher Schriftsteller in einer Person - das gibt es nicht? Ingenieure, das sind doch diese durch und durch rationalen Typen, die besser mit Maschinen umgehen können als mit ihren Mitmenschen? Wolfgang Burger, der heimliche Bestsellerautor, ist das lebende Gegenbeispiel dieses Vorurteils. Die Konstruktion eines technischen Geräts und die Planung eines Romans haben mehr Gemeinsamkeiten, als man denken sollte, stellte er fest, als er im Alter von 43 Jahren dem "Laster" der Schriftstellerei verfiel. Beides hat mit Kreativität und Logik zu tun. Beim Roman kommt die Psychologie dazu, die menschlichen und allzu menschlichen Aspekte, ohne die eine gute Geschichte nicht funktioniert. Und natürlich das Schreiben an sich, das "Handwerk", wie Burger es bezeichnet.

Funktion als Wissenschaftler

Der Autor studierte an der Universität Karlsruhe Elektrotechnik und Medizintechnik. Anschließend arbeitete er jahrzehntelang an derselben Universität, dem heutigen Karlsruher Institut für Technologie (KIT), in leitender Funktion als Wissenschaftler. Erst seit kurzem kann er es sich leisten, sich ganz dem Schreiben seiner Kriminalromane zu widmen.

Vor fast genau zwanzig Jahren, im Sommerurlaub an der schwedischen Ostküste, begann alles mit einer Idee während eines Strandspaziergangs - das war die Geburtsstunde des Krimiautors Wolfgang Burger.

Schon in seiner Jugend las und schaute er viel und gerne Krimis, ärgerte sich allerdings oft über logische Fehler oder unsinnige Details. Autos fahren zum Beispiel nie auf Kieswegen mit quietschenden Reifen an, weil dies physikalisch einfach nicht möglich ist. In jedem zweiten Fernsehkrimi tun sie es dennoch. Als Krimiautor sollte man auch den Unterschied zwischen Pistole und Revolver kennen und vielleicht sogar wissen, dass bei der deutschen Polizei der Dienstrang des Inspektors schon lange nicht mehr gebräuchlich ist.

Manche Schriftsteller legen einen Raketenstart hin. Gleich ihr erstes Werk stürmt die Bestsellerlisten. Zu dieser Sorte zählt Burger nicht. Er hat, wie er sagt, die "Ochsentour" genommen, sich von einem winzigen Verlag zu einem kleinen, von diesem zum nächstgrößeren und schließlich zu einem großen Publikumsverlag emporgearbeitet. "So hatte ich immerhin jedes Jahr Grund, mich wieder über irgendeine kleine Verbesserung zu freuen", erklärt er schmunzelnd.

Auf den oberen Plätzen

Inzwischen erreicht seine Alexander-Gerlach-Reihe, die im renommierten Münchner Piper Verlag erscheint, die oberen Plätze der Spiegel-Bestsellerliste. Die Auflagenzahlen steigen. Schon zwei seiner Romane wurden für den renommierten Friedrich-Glauser-Preis nominiert.

Und warum ausgerechnet Krimi? "Ganz einfach", lautet die Antwort des Autors: "Weil man in einen Krimi alles hineinpacken kann, worüber man gerade erzählen möchte. Von der Liebesgeschichte samt Eifersuchtsdrama über Wirtschaftsthemen bis hin zur Politik ist alles möglich."

Leider hat Burger, so behauptet er lachend, als Krimiautor unter gleich mehreren karriereschädigenden Handycaps zu leiden. So glaubt er zum Beispiel nicht an die Stammtischparole, alles würde immer nur schlimmer werden. "In Wirklichkeit sinken gerade im Bereich von Mord und Totschlag die Fallzahlen seit Jahrzehnten stetig, während auf der anderen Seite die Erfolgsquote der Ermittler von Jahr zu Jahr steigt."

Humor gehört dazu

Viele Leser haben seltsamerweise die Vorstellung, dass unsere Zivilisation kurz vor dem Zusammenbruch steht. Dass demnächst das Böse die Alleinherrschaft übernehmen wird. Dieses Klischee bedient er nicht, was man unter anderem daran merkt, dass seine Romane zwar immer ernste Themen behandeln, aber nie in Trübsinn und Melancholie versinken. "Humor gehört einfach dazu", sagt Burger zu diesem Thema. "Ein Buch, bei dem es nichts zu lachen oder wenigstens zu schmunzeln gibt, will ich selbst nicht lesen."

Zweitens ist Burger der festen Überzeugung, dass es so etwas wie schlechte Menschen nicht gibt. "Es ist so viel einfacher für den Autor, einen schrecklich bösen Massenmörder durch eine dunkle, regennasse und selbstredend immer vermüllte Großstadt zu treiben, als sich mit den scheinbar oft unbedeutenden Kleinigkeiten auseinanderzusetzen, die einen normalen Menschen schließlich zum Mörder werden lassen - und daraus dann auch noch eine spannende Geschichte zu häkeln."

Nummer 18 im Oktober

Offenbar ist ihm dieses Kunststück schon oft gelungen, denn inzwischen sind siebzehn Romane aus seiner Tastatur erschienen. Nummer 18, "Drei Tage im Mai" (Piper-Verlag), kam Anfang Oktober auf den Markt. Im August erschien sein Roman "Die dunkle Villa!" als Taschenbuch.

Mehr als eine halbe Million Bücher von Wolfgang Burger wurden bisher verkauft, aufeinandergestapelt ein Turm, der deutlich höher wäre als der Mount Everest. Doch die wenigsten wissen von seinem großen Erfolg. Noch immer ist er Deutschlands heimlicher Bestsellerautor ...

___

Weitere Informationen im Internet:

http://www.wolfgang-burger.com
Weitere Beiträge zu den Themen: Magazin (11335)November 2015 (9610)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.