Eine Leidenschaft am Moldau-Ufer

"Blick vom Moldau-Ufer auf die Kleinseite und den Hradschin III" lautet der Titel des Ölbildes von Oskar Kokoschka aus dem Jahr 1936, das im "Kunstforum Ostdeutsche Galerie" in Regensburg zu sehen ist. Bild: © Fondation Oskar Kokoschka, Vevey/VG Bild-Kunst, Bonn 2014
Lokales
Regensburg
27.09.2014
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Fast auf den Tag genau vor 80 Jahren traf Oskar Kokoschka in Prag ein. Aus dem geplanten Kurzaufenthalt wurden vier Jahre. Eine Ausstellung im Regensburger "Kunstforum Ostdeutsche Galerie" beleuchtet nun den Maler und die Prager Kulturszene.

Eigentlich sollte es nur ein kurzer Besuch werden. Als Oskar Kokoschka Ende September 1934 nach Prag fuhr, machte er dies mit dem Auftrag, den tschechoslowakischen Staatspräsidenten Tomás Garrigue Masaryk zu porträtieren. Zusätzlich aber tat Kokoschka dann vor allem eines: Er malte die Stadt. 15 Mal insgesamt, über einen Zeitraum von vier Jahren hinweg.

So lange nämlich blieb Kokoschka in Prag. Früher ließ in die dortige Atmosphäre nicht los. Denn: Oskar Kokoschka und die Prager Kulturszene, das passte einfach. In gewissem Sinne war es für den österreichischen Expressionisten auch eine Heimkehr: Die Vorfahren des 1886 in Pöchlarn geborenen und 1980 in Montreux gestorbenen Künstlers stammten aus der Tschechoslowakei. Sein Großvater und auch seine Schwester waren in Prag zu Hause.

Werke anderer Künstler

37 Gemälde sind erhalten aus der Prager Zeit zwischen 1934 und 1938. Eine Ausstellung im Regensburger "Kunstforum Ostdeutsche Galerie" widmet sich nun diesem Oeuvre. "Oskar Kokoschka und die Prager Kulturszene" lautet der Titel. Zu sehen sind 45 Gemälde und grafische Arbeiten Oskar Kokoschkas.

Ergänzt werden diese durch 18 Werke weiterer Künstler: Jan Bauch, Friedrich Feigl, Emil Filla, Maxim Kopf und andere. Die Präsentation bettet Kokoschka ein in den kulturellen Zusammenhang der Stadt, in die sich der Künstler so sehr verliebte, dass er sie noch später, als er bereits in London war, ein weiteres Mal malte. "Kokoschkas Interesse ging dabei über ein rein künstlerisches hinaus", heißt es vonseiten des Kunstforums über den Prag-Aufenthalt, der sich so vorzüglich ins nach Osten hin ausgerichtete Programm des Hauses fügt. "Kokoschka engagierte sich in Prag nicht nur kulturell sondern auch politisch." Der in Deutschland als "entartet" diffamierte Künstler wurde in Prag zur Leitfigur der dortigen Kulturszene.

Und die stellte in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre einen Ort des Rückzugs und des Austausches dar. Die nationalsozialistische Expansionsbewegung warf bereits ihre Schatten. In Prag hatten deutschsprachige Emigranten noch ihren Frieden. Kokoschka pflegte Kontakte sowohl zu diesem Emigranten-Kreis als auch zu den tschechischen und deutsch-böhmischen Künstlern. 1938 erhielt er die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft. Erst nach der Besetzung der Tschechoslowakei durch Hitler flüchtete Kokoschka nach London. Mit dabei: Olda Palkovská. Seine künftige Frau hatte der Künstler in Prag kennengelernt.

Hochkarätige Leihgaben

Die Ausstellung im Kunstforum führt das in Prag entstandene Werk Kokoschkas zusammen, unter anderem anhand einer Reihe hochkarätiger Leihgaben. Neben zwei Gemälden aus der Sammlung des Hauses, die die Goldene Stadt darstellen, sind weitere sieben Prag-Ansichten vertreten, darunter auch das später in London entstandene "Prag - Nostalgia" aus der "Scottish National Gallery of Modern Art" in Edinburgh.

Mit dabei ist auch der eigentliche "Ausschlaggeber" für Kokoschkas Prag-Aufenthalt: Das Porträt Tomás Garrigue Masaryks fand seinen Weg aus dem "Carnegie Museum of Art" in Pittsburgh nach Regensburg. Der tschechoslowakische Staatspräsident musste seine Porträt-Sitzungen bei Kokoschka aufgrund einer Krankheit immer wieder aufschieben. Zehn Tage sollte der Auftrag ursprünglich in Anspruch nehmen. Die Zeit wurde deutlich länger. Kokoschka blieb in Prag. Letztendlich vier Jahre lang.

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Die Ausstellung "Oskar Kokoschka und die Prager Kulturszene" ist zum 11. Januar 2015 im "Kunstforum Ostdeutsche Galerie" (Dr.-Johann-Maier-Straße 5) zu sehen. Anschließend wandert sie nach Prag. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr. Geschlossen ist die Ausstellung am 3. Oktober. Ein Katalog und ein umfangreiches Programm begleiten die Schau. Weitere Infos unter Telefon 0941/297140.

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Weitere Informationen im Internet:

www.kunstforum.net
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