Kreative Schmiede für junge Kunst

Die gebürtige Französin Fanny Jacquier hat seit 2013 ein Atelierstipendium im Regensburger Künstlerhaus Andreasstadel. Sie beeindruckt mit Grafiken und reduzierter Malerei. Bild: Wolke
Lokales
Regensburg
21.10.2014
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Kunst, das kann vieles sein. Ein Bild, eine Zeichnung, eine Holzskulptur. Eine raumfüllende Installation oder ein liebevoll verzierter Keks. In Regensburg gibt es einen Ort, an dem diese Vielseitigkeit auf ansprechende Weise erlebt werden kann.

In Regensburg wird junge Kunst gefördert. Und das seit nunmehr zehn Jahren. So lange nämlich bietet das "Künstlerhaus Andreas-Stadel" jungen Schaffenden einen Ort der Kreativität. Dies war die Idee der "Oswald Zitzelsberger Kunst- und Kulturstiftung". Das Konzept ist ebenso einleuchtend wie erfolgreich: Dem Nachwuchs an Malern, Bildhauern oder Schmuckdesignern werden im historischen Andreas-Stadel mietfreie Ateliers zur Verfügung gestellt. Finanziell relativ sorgloses Schaffen zum Berufseinstieg also, das von den ausgewählten Stipendiaten gerne angenommen wird.

Auch die Öffentlichkeit kann sich regelmäßig ein Bild machen von dieser Werkstatt der Kreativität. Einmal im Jahr öffnen die Ateliers des Künstlerhauses ihre Pforten für Besucher. Dass dieses traditionelle Wochenende heuer noch mit einigen Extras versehen war, liegt am Jubiläum. Zehn Jahre Künstlerhaus Andreas-Stadel: Das musste gebührend gefeiert werden.

Offene Ateliers

Die Oswald-Zitzelsberger-Kunst- und Kulturstiftung tat das am Wochenende in vielfältiger Weise. Neben den offenen Ateliers gab es zum Jubiläum drei Gastkünstler: In einem Ausstellungsraum des Hauses breitete zu diesem Anlass "die Jägerin" ihre Beute aus. "Tutti Frutti", so der Titel der Schau, bei der Grünzeug hergenommen wird als Werkzeug einer tiefsinnigen Gesellschaftskritik.

Hinter dem Pseudonym "die Jägerin" verbirgt sich die Oberpfälzer Künstlerin Carmen Blom. Die nimmt zwar selbst kein Gewehr in die Hand, dafür aber auch kein Blatt vor den Mund. Selbstgeschriebene bayerische Gedichte nehmen in der Arbeit der Jägerin eine wichtige Rolle ein, ebenso wie ausgeliehene Waidmannstrophäen. Das Herzstück der Ausstellung bildet der "Altar der Potenz" zur Huldigung beiderlei Geschlechter.

In gewisser Weise genderhafte Züge beinhaltet auch die Arbeit von Michaela Fuchs-Jalloh. Die Nürnberger Künstlerin baute zum Jubiläum des Andreas-Stadels ihre Arbeiten in einer Mischung aus Marktstand und Installation auf. Mit selbst hergestellten Mützen, Kleidern und Schmuckstücken spielt die Künstlerin mit weiblichen Klischees. Gekrönt wird das Ganze durch die ausdrückliche Hinwendung zu einer weiblichen Gottheit.

Vergleichsweise nüchtern kam da der männliche Part des Gastkünstler-Trios daher. Carlos Cortizo, brasilianischer Künstler und Choreograph mit Wohnsitz in Nürnberg, errichtete im Andreas-Stadel ein Labyrinth aus transparenter Farbfolie. Eine begehbare Rauminstallation, geradlinig, klar schnörkellos und unkompliziert.

Bunte Bilder

Der Rest des Künstlerhauses erschloss sich am Jubiläumswochenende auch durch Führungen. Die einzelnen Ateliers bewirteten das Publikum dabei mit Häppchen und vor allem mit Kunstgenuss. Mit dabei war etwa Markus Dorfner mit seinen bunten Bildern, auf denen Märchenfiguren, historische Persönlichkeiten und Teile der Regensburger Stadtarchitektur in einem fröhlichen Gewimmel gesucht und entdeckt werden können.

Zurückhaltender sind die grafischen Arbeiten von Fanny Jacquier oder die holzbildhauerischen Stücke von Katharina Ganslmeier und Markus Genzwürker. Nicht zu vergessen: die herzigen Kekskreationen von Ivana Kovalcíková. Auch das ist Kunst. Denn Kunst kann vieles sein.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.kuenstlerhaus-andreasstadel.de
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