Meisterin der tiefen Gefühle

Lokales
Regensburg
09.05.2015
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Etwas verlegen steht sie da. Grazil, zerbrechlich und im schlichten Schwarz. Den Schlussapplaus nimmt sie mit artig demutsvoller Geste entgegen. Zwei Stunden lang hat sie mit ihrem poetischen Chopin-Spiel bezaubert. Dann huscht sie noch einmal an den Flügel und knallt der verdutzten Hörerschaft Prokofiews "Precipitato" vor den Latz. Ein motorisch tobendes Toccata-Feuerwerk, stahlhart serviert.

Doch Olga Scheps, die Meisterin der tiefen Gefühle, kann auch anders. Die große Überraschung am Ende eines ansonsten vorhersehbaren Abends. Denn Olga Scheps und Chopin, da weiß man, was man hat. Auch an diesem Abend sind es wieder die lyrischen Momente, die Mittelsätze der beiden Klavierkonzerte f-Moll und e-Moll, in denen die 29-Jährige ihre Vorzüge auszuspielen weiß. Ihren noblen Ton, ihr klares und ausdrucksvolles Spiel, mit der sie die Tiefgründigkeit der Nachtstücke erfasst. Die Ecksätze im "stile brillante" hätte man gerne spritziger gehört.

Wenig überraschend auch das Stuttgarter Kammerorchester, das mit Recht als eines der besten seiner Art gilt. Tadelloser Begleitservice bei den beiden Klavierkonzerten, zu Konzertbeginn ein ungemein spritzig und straff serviertes Mozart-Divertimento (F-Dur, KV 138). Eine kleine Überraschung hatten die Stuttgarter - an diesem Abend unter der Leitung von Johannes Klumpp -dann doch noch in petto. Nach der Pause das Adagio c-Moll des nahezu unbekannten Komponisten Guillaume Lekeu. Belgisch-französische Spätromantik im fiebrig-morbiden Fin-de-siècle Ton. Hörenswert.
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