"Ohren zu und durch"

In den Bildern von Peter Muth wimmelt es von Großstadthäusern und (teilweise fliegenden) Tieren. Bild: Wolke
Lokales
Regensburg
14.03.2015
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Die Reaktion auf Kunst hängt ganz vom Typ des Rezipienten ab. Auf der jüngsten Ausstellungseröffnung in der Regensburger Galerie Peter Bäumler tummeln sich ungewöhnlich viele Kinder. Eines davon macht dabei das seiner Ansicht nach einzig Richtige: Es hält sich die Ohren zu.

Eine Schutzbrille ist auch sinnvoll. Schließlich befindet sich der Junge in unmittelbarer Nähe des Geschehens einer Performance, die Inken Hilgenfeld zum Besten gibt. Unter dem Motto "Wo die Liebe hinfällt" lässt es die innovative Künstlerin krachen und splittern. Eine Vase rutscht auf einer eigens dafür errichteten Bahn zu Boden und veranlasst die Besucher zu unterschiedlichen Kommentaren. "Die ist runter gefallen", war ein erschrockener Ausruf. Dann: "Ach so, das hat sie mit Absicht gemacht."

Stamm-Aussteller

Und schließlich das Statement der Chefin. "Ist das Kunst oder kann das weg?" Andrea Madesta zitiert diesen Satz mit einem fröhlichen Augenzwinkern. Die Inhaberin der Galerie Bäumler lässt ihren Schützling Inken Hilgenfeld genüsslich gewähren. Doch nicht nur um diese Künstlerin geht es in der aktuellen Schau. Auch andere Vertreter der Galerie werden präsentiert. Unter dem Titel "hier und jetzt..." vereint die Inhaberin für kurze Zeit einige Stammkünstler. Zu sehen sind neben Arbeiten von Inken Hilgenfeld auch Werke von Peter Muth, Katharina Ganslmeier und Markus Genzwürker, Hans Lankes, Pepo Pichler, Heiner Riepl und Nina Rike Springer. Die Auswahl der Arbeiten führt Madestas Linie deutlich vor Augen. Die von ihr bevorzugten Künstler zeichnen sich durch Klarheit und Prägnanz aus. Kleinliches kommt in der Galerie nicht vor. Die Gemälde, Messerschnitte, Holzreliefs und Collagen haben etwas Dominantes. Da sind die in starken Farbkontrasten gehaltenen Messerschnitte von Hans Lankes, die unlängst erst in der Galerie zu sehen waren. Daneben Heiner Riepl mit seinen großflächigen Farbkompositionen. Das Duo Katharina Ganslmeier und Markus Genzwürker handhabt eine traditionelle Technik mit ungewöhnlichem Ansatz: Die Holzbildhauerei ist hier in die zeitgenössische Kunst geholt - anhand von Reliefs, die in der Ausführung altmeisterlich, im Erscheinungsbild aber durch und durch modern sind.

Zulauf von Tieren

"Von Städten und Tieren wimmelt es auf den Bildern von Peter Muth", beschreibt Madesta. Über Hochhäusern schwebende Affen und Panther wirken surreal - auch wenn die Chefin auf eine aktuelle Entwicklung verweist, nach der immer mehr Tiere in der Großstadt heimisch werden. Nina Rike Springer, ebenfalls erst vor Kurzem in der Galerie Peter Bäumler ausgestellt, zeigt eine großformatige Arbeit. Fotografie und Malerei werden hier zu einer untrennbaren Einheit vermischt. Konkrete Menschen fügen sich in eine konstruktivistische Bildlandschaft ein.

Und dann Inken Hilgenfeld. "Der Zugang ist bei ihr nicht immer ganz einfach", räumt Madesta ein. Immerhin lassen die Arbeiten Raum zur Interpretation. Und zu unterschiedlichen Reaktionen. Also: "Ohren zu und durch." Die Ausstellung "hier und jetzt..." läuft bis zum 28. März. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Samstag von 11 bis 18 Uhr. Weitere Infos gibt es unter Telefon 0941/ 89939801.
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