Regensburger Kunstverein Graz gewährt besonderen Zugang zu seinen aktuellen Ausstellungsstücken
"Versteckte Schätze" zum Anfassen

Lokales
Regensburg
21.11.2015
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Dies ist eine Ausstellung zum Schmökern. Im Kunstverein Graz darf der Besucher derzeit nämlich das, was ihm normalerweise durch Glasvitrinen, Alarmanlagen und Museumsangestellte verwehrt bleibt - nach Herzenslust in den ausgestellten Stücken stöbern. Einzige Voraussetzung: das Tragen weißer Handschuhe. Die liegen zuhauf neben der Eingangstür des Kunstvereins. Daneben steht Vorsitzende Renate Christin und strahlt. "So eine Vernissage hat es noch nie gegeben. Die Leute sind schon lange vor der Eröffnung gekommen, um in Ruhe in den Künstlerbüchern zu blättern."

Genau um solche handelt es sich bei der Schau. "Was wir schon immer zeigen wollten - was Sie schon immer sehen wollten" - der von Graz-Seiten selbstbewusst formulierte Ausstellungstitel scheint es auf den Punkt zu bringen. Die meist zum Privatgebrauch angefertigten Bücher regionaler Künstler werden nicht nur von Renate Christin als "versteckte Schätze" gesehen. Künstlerbücher - Das umfasst Notiz- und Skizzenbücher ebenso wie Reisetagebücher oder auch reine Kunstwerke. Fanny Jacquier zeigt Skizzen, die Ausgangspunkt sein können für spätere Arbeiten. Barbara Regner hat ihr Leporello Ecken und Straßen Regensburgs gewidmet. Hans Rauh sammelt unter einem hölzernen Buchdeckel nicht nur eigene Zeichnungen sondern auch alte Quittungen.

Intim und enthüllend

Der Inhalt der ausgestellten Bücher ist ebenso vielfältig wie ihr Format. Vom Büchlein in Taschenformat bis hin zum meterlangen Leporello ist alles dabei. Das Faszinierende an der Sache: Künstler gewähren hier einen Einblick in einen eher privaten Bereich ihres Schaffens. "Intim, enthüllend, schonungslos - aber vor allem spannend", beschreibt Christin.

Für die Ausstellung hat die Künstlerin eine Reihe eigener Exemplare beigesteuert. Sie verarbeitet in Mischungen aus Wort und Bild Reiseeindrücke. Oder aber übermalt alte Bücher, die sie somit zum eigenständigen Kunstwerk erhebt. Bei Matthias Schlüters übermalten Fotos geben dahinter liegende Texte Auskünfte über die Malweise des Künstlers. Georg Tassevs Blätter sind einzelne Kunstwerke für sich.

Nana Kutscheras ins Buch geklebte Landschaften aus Schnittmusterbögen vereinen die Aspekte Werkzeug und Kunst. "Die Künstler können endlich einmal zeigen, was sie sonst so machen außer Bild, Installation und Skulptur." Und der Besucher kann darin schmökern. Endlich!
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