Über 90 000 Euro abgezockt

Lokales
Regensburg
18.05.2015
8
0

Die "Schmetterlinge im Bauch" verhinderten klare Gedanken. Immer wieder ließ ein Maurer aus dem westlichen Landkreis Tirschenreuth einer Osteuropäerin, die ihm Liebe vorgaukelte, Geld zukommen. Dabei war ihre Masche keine Eintagsfliege.

Am Mittwoch saß die 26-Jährige aus Serbien-Montenegro vor dem Schöffengericht Regensburg unter Vorsitz von Richter Dr. Wolfhard Meindl. Seit August vergangenen Jahres befand sie sich in Untersuchungshaft. Trotz Betrugs in 56 Fällen kam die junge Frau mit einem blauen Auge davon: Das Gericht verurteilte sie zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Dabei kam ihr zugute, dass sie während der Inhaftierung eine Tochter zur Welt brachte.

Über eine einschlägige Internet-Plattform hatte die Angeklagte im Sommer 2012 erstmals einen Maurer aus dem westlichen Landkreis Tirschenreuth kontaktiert. Dabei verwendete sie falsche Personalien und behauptete, in Belgrad zu wohnen. Als sie ihm schließlich ein fremdes Foto schickte und am Telefon mitteilte, dass sie mit ihm eine Beziehung aufnehmen wolle, bekam dieser "Schmetterlinge im Bauch".

Mit Gehirntumor in Ungarn

Um ihr die Einreise nach Deutschland zu ermöglichen, schickte der Handwerker zunächst in mehreren Teilbeträgen Geld an Verwandte der Angeklagten nach Serbien. Doch statt eines Treffens bekam er in der Folgezeit abenteuerliche Geschichten zu hören. Einmal lag die Frau mit einem Gehirntumor in Ungarn in einer Klinik, dann war wieder von ein Brustoperation die Rede und dass sie einen Rollstuhl brauche.

Als er wollte, dass sie nach Deutschland zur weiteren Behandlung kommt, behauptete sie, bereits einen Krankentransport organisiert zu haben. Sie müsse jedoch vor ihrer Einreise Geld vorweisen, da die Behörden sicher gehen wollten, dass sie keinen Asylantrag stelle. Jeder Anruf von ihr war mit Geldforderungen verbunden. Summa summarum zahlte der Maurer bis März vorletzten Jahres 90 135 Euro. Doch die Angeklagte beteuerte immer wieder, dass sie eine Versicherung habe und er sein Geld zurück bekommen würde.

Auch ein Finanzbeamter aus dem Landkreis Neustadt/WN glaubte zunächst den Versprechungen der Angeklagten. Anfangs waren es 50 Euro für einen Pass und ein Visum, dann steigerten sich die Forderungen auf 500 Euro. Nachdem er zusammen 1300 Euro "ohne Gegenleistung" erhalten hatte, erstattete er Anzeige.

Bei Freund in Neu-Ulm

Die Ermittlungen der Kripo gestalteten sich zunächst schwierig, da die meisten Telefonate mit einem in Serbien erworbenen Handy geführt wurden. Nur in einem Fall hatten sie eine deutsche Prepaid-Handynummer. Doch die Personalien dazu waren falsch. Schließlich gelang es im vergangenen Sommer, die Angeklagte bei ihrem Freund in Neu-Ulm, wo sie sich mit einem Touristenvisum aufhielt, aufzustöbern und festzunehmen.

Ein "Grenzfall"

Vor dem Schöffengericht zeigte sich die junge Frau geständig und einsichtig. Sie sei in Deutschland aufgewachsen und als 16-Jährige zusammen mit ihrer achtköpfigen Familie nach Serbien abgeschoben worden, weil ihr Vater immer wieder Straftaten begangen hatte. Als ihre Mutter schwer erkrankte und sie Angst um sie hatte, sei sie auf die Idee gekommen, sich auf diese Weise Geld zu beschaffen.

Staatsanwalt, Verteidiger und schließlich auch das Gericht sahen bei der Frage, ob Bewährung ja oder nein, einen "Grenzfall" gegeben. Da ihr Freund inzwischen zu seiner Vaterschaft stehe, habe die 26-Jährige jedoch die Chance auf eine relativ feste Beziehung, wobei auch die Eindrücke während der Haft sicherlich zu einem Umdenken beigetragen hätten. Ob dies die Ausländerbehörde auch so sieht, bleibt abzuwarten.
Weitere Beiträge zu den Themen: Straftat (812)Mai 2015 (7906)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.