Zum Teufel, wie kommt man in die Hölle?

Lokales
Regensburg
09.05.2015
54
0

In der Fortsetzung des "Brandner Kaspers" lässt der Regensburger Schriftsteller und Dramatiker Joseph Berlinger den Helden ganz schön schmoren - oder auch nicht.

Joachim Wolbergs weiß es spätestens seit dem Regensburger Bierfest. Eine rein auf feucht-fröhliche Seligkeit beschränkte Feier befand der dortige Oberbürgermeister unlängst als "unmöglich". Die Hölle sieht Wolbergs im sinnarmen Humpenheben zwar nicht. So weit geht nur Joseph Berlinger. In seiner Hölle fließt das Bier. In seinem Himmel allerdings auch.

Urbayerischer Plot

Der Gerstensaft ist nicht das einzige Thema, um das sich das neue Stück des Regensburger Kult-Regisseurs dreht. Aber er spielt eine große Rolle. Schließlich handelt es sich bei der Inszenierung um einen urbayerischen Plot: Der Brandner Kasper ist wieder da. Allerdings nicht in einer erneuten Adaption des so vielfach auf die Bühne und ins Fernsehen gebrachten Stoffes nach Franz von Kobell. Berlinger geht einen Schritt weiter. Er hat die Fortsetzung des Geschehens geschrieben. Der Brander Kasper befindet sich nun im Himmel. Zunächst. Eigentlich aber zieht es ihn in die Hölle. Und das nicht nur wegen des Bieres.

Denn der Himmel, der bei Berlinger als bayerische Region der überirdischen Gefilde lokalisiert ist, erweist sich als ziemlich fade. Ständig nur trinken, Karten spielen und von Engeln belustigt werden - dem Brandner Kasper wird das bald zu langweilig. Auf der Suche nach neuen Horizonten entsteht in ihm das Interesse an der Hölle. Heinz Rühmann und Hans Moser sind schließlich auch schon da. Blöd nur, dass die Gottesmutter Maria am Brandner Kasper einen Narren gefressen hat. Dieser muss also zu einer List greifen, um dem Himmel zu entfliehen. Da kommt ihm der Boandlkramer gerade recht.

Auftakt zur Jahres-Reihe

"Der Brandner Kasper in der Hölle" heißt die Inszenierung, die am 26. Juni Uraufführung im Alten Schloss Hohengebraching in Pentling hat. Für den dortigen Verein "Kultur vor Ort" und den Schlossbesitzer- und Erhalter Hermann Zitzelsberger stellt das Stück den Auftakt eines von nun an geplanten jährlichen Sommertheaters dar.

Regisseur Joseph Berlinger seinerseits verspricht mit der Aufführung ein weiteres Mal Extravaganzen auf voller Linie. Nicht nur, dass die Darbietung vom klassischen Volkstheater im ersten Teil - die himmlischen Scharen erscheinen hier recht menschlich - abrupt umschwenkt auf Performance-artiges Schauspiel nach der Pause - hier gibt es dann mehrere simultane Spielorte.

Auch der Ort ist wieder etwas Besonderes. Das Schloss Hohengebraching, ehemals Sommersitz der Fürstäbte von St. Emmeram, dient als Kulisse für des Brandner Kaspers Wanderungen zwischen Himmel und Hölle. Auch die Besucher wandeln dabei von Station zu Station. Und nehmen mit allen Sinnen teil. So sehr, dass sich Joseph Berlinger zu einem Hinweis verpflichtet fühlt: "Auch an einem lauen Sommerabend - in den Räumen des Schlosses ist es kalt", warnt der Regisseur.

Von wegen also Schmoren in der Hölle. Bei Berlinger wird wird gezittert - und nicht nur das. Na dann Prost!
Weitere Beiträge zu den Themen: Magazin (11335)Mai 2015 (7904)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.